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Der Arbeitskreis der Gutachterausschüsse hat sich mit der Preisentwicklung am deutschen Immobilienmarkt beschäftigt.  Berg
Der Arbeitskreis der Gutachterausschüsse hat sich mit der Preisentwicklung am deutschen Immobilienmarkt beschäftigt. Berg
08.12.2015

Mieter suchen kleinere Wohnungen

Berlin/ Pforzheim. Drei Zimmer, 90 Quadratmeter, Parkett und Balkon, zentrale Lage in Berlin-Kreuzberg. Aber 900 Euro kalt? Dann doch lieber zehn Quadratmeter weniger, ein paar Straßen weiter. Sind immer noch drei Zimmer, aber ganze 250 Euro weniger. So rechnen immer mehr Mieter und Käufer in den deutschen Großstädten: Weil die Preise weiter steigen, nimmt man lieber eine Nummer kleiner.

In der Goldstadt ist zwar das Immobilienangebot relativ knapp, doch die Preisentwicklung sei noch moderat, bestätigen mehrere Experten. „Von einer Immobilienblase keine Spur,“ sagt Joachim Stamm, Leiter der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses der Stadt Pforzheim, der den Grundstücksmarkt seit Jahren genau beobachtet. Der Preisanstieg bei den Verkäufen lag im Jahr 2014 bei durchschnittlich 9,5 Prozent. Doch in Berlin, München und Stuttgart sieht das ganz anders aus. Jahrelang wurde Wohnen auch deshalb teurer, weil sich die Menschen mehr Wohnraum gönnten. 45 Quadratmeter pro Kopf waren es nach offiziellen Zahlen zuletzt. Doch wo die Immobilienmärkte besonders heiß gelaufen sind, scheint dieser Trend zu einem Ende zu kommen. „Die Statistiker in den Städten sagen uns, dass die Menschen etwas zusammenrücken“, sagte Matthias Waltersbacher, Wohnungsmarktexperte des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Zahlen großer Städte wie Köln und Frankfurt legen seit zwei bis drei Jahren nahe, dass die Pro-Kopf-Wohnfläche dort leicht sinkt.

Die Gründe sind schnell genannt: Zu Zehntausenden ziehen die Deutschen vom Land in die Städte, wo die Wohnungen knapp werden. Weil die Bank kaum Zinsen gibt, stecken noch immer Sparer und Investoren viel Geld in Wohnungen – auch wenn das in den großen Städten inzwischen nur noch vier Prozent Rendite verspricht.

Das treibt Kaufpreise und Mieten, wie auch der neue Jahresbericht der amtlichen Gutachter zeigt. Zwischen 900 000 und einer Millionen Immobilien wechseln jedes Jahr den Besitzer, die Tendenz ist relativ stabil. Doch es ist immer mehr Geld im Spiel. 191 Milliarden Euro standen 2014 in den Kaufverträgen, fast 50 Prozent mehr als 2009. Internationalen sei Deutschland da „wenig auffällig“, erläutert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. In Großbritannien, Irland, Spanien und den USA etwa stiegen die Preise stärker. Doch das dürfte Mieter und Käufer in Deutschland wenig trösten. Im bundesweiten Durchschnitt kostete eine Eigentumswohnung vor drei Jahren noch das 4,5-Fache eines Jahresnettoeinkommens. Heute ist es laut Verband deutscher Pfandbriefbanken das 5,5-Fache.