760_0900_97307_urn_newsml_dpa_com_20090101_190408_99_729.jpg
An der Börse läuft es rund. Foto: dpa

Milliarden für Aktionäre: Dividendenausschüttung steigt um 6,6 Prozent

Frankfurt. Anteilseigner deutscher Unternehmen dürfen sich in diesem Jahr über eine Rekordausschüttung freuen. Auf mehr als 57 Milliarden Euro summieren sich die Dividenden, die Aktiengesellschaften für das vergangene Geschäftsjahr an ihre Aktionäre auszahlen, wie aus einer gestern in Frankfurt vorgestellten Studie hervorgeht. Das sind 6,6 Prozent mehr als 2018.

„Damit wird die Rekordsumme des vergangenen Jahres nochmals deutlich übertroffen“, stellte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), fest. Ob sich der Aufwärtstrend angesichts der Konjunkturabkühlung im kommenden Jahr fortsetzen wird, ist allerdings fraglich.

„Die wirtschaftlichen Rahmendaten verschlechtern sich zusehends“, erläuterte Tüngler. „Schon jetzt treten einige AGs bei ihren Prognosen für das laufende Geschäftsjahr deutlich auf die Euphoriebremse, und wir haben bereits etliche Gewinnwarnungen gesehen.“ Es stehe zu befürchten, „dass das Jahr 2019 vorerst das letzte Dividendenrekordjahr war“, bekräftigte Tüngler.

Ähnlich sieht das Mathieu Meyer vom Beratungs- und Prüfungsunternehmen EY: „Die Konjunktur läuft nicht mehr rund, und die Unternehmen sehen sich zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Risiken ausgesetzt, die auch die Geschäftsentwicklung belasten.“ Sollte der Druck auf die Gewinne anhalten, würden früher oder später auch die Dividendenausschüttungen auf den Prüfstand gestellt, argumentiert das Mitglied der EY-Geschäftsführung.

Trotz der Rekordsumme sind die Aktionärsvertreter auch mit der aktuellen Entwicklung nicht ganz zufrieden. Die DSW fordert von Aktiengesellschaften eine Ausschüttungsquote von 50 Prozent. Den Angaben zufolge geben beispielsweise die 160 Unternehmen in den Börsenindizes Dax, MDax und SDax durchschnittlich in diesem Jahr gerade einmal 40 Prozent ihres Gewinns an ihre Anteilseigner weiter – in Summe sind das – wie von der Dekabank schon Ende Januar annähernd hochgerechnet – rund 52,9 Milliarden Euro Dividende in den drei Börsensegmenten.

„Offenbar bauen die Unternehmen mit Sicht auf schlechtere Zeiten jetzt lieber ein Finanzpolster auf, statt ihre Aktionäre angemessen am Gewinn zu beteiligen“, vermutet Tüngler. Die DSW, die private FOM Hochschule in Essen und die Research-Plattform „Dividenden-Adel“ werteten für die Studie Daten von 596 Aktiengesellschaften aus.

Den Löwenanteil des Geldes überweisen in diesem Jahr erneut die Börsenschwergewichte im Leitindex Dax. Nach EY-Berechnungen steigt die Dividendensumme der Dax-Konzerne um 2,9 Prozent auf den Rekordwert von rund 36,5 Milliarden Euro.