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Energie ist billiger – da bleibt mehr Geld für andere Dinge übrig.  Kleefeldt
Energie ist billiger – da bleibt mehr Geld für andere Dinge übrig. Kleefeldt
15.07.2015

Mini-Inflation: Mehr im Geldbeutel

Der Preisauftrieb in Deutschland bleibt mickrig. Das entlastet die Geldbeutel der Verbraucher. Sparer leiden hingegen darunter, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Inflation mit Zinsen knapp über der Nulllinie befeuern will.

Wie hat sich die Inflation zuletzt entwickelt?

Noch zu Jahresbeginn waren die Verbraucherpreise in Deutschland erstmals seit Jahren gesunken. Danach stiegen sie auf immerhin 0,7 Prozent im Mai, bevor der Aufwärtstrend im Juni vorerst gestoppt wurde: Vor allem die erneut stark gesunkenen Energiepreise drückten die Inflationsrate nach Angaben der Statistiker von gestern auf 0,3 Prozent. Damit bleibt die jährliche Teuerung im ersten Halbjahr weit vom Ziel der EZB entfernt, die eine Rate von knapp unter 2,0 Prozent anstrebt. Und das, obwohl die Währungshüter mit Null-Zinsen und einer historischen Geldschwemme seit Monaten gegensteuern.

Wer profitiert von dem schwachen Preisauftrieb?

Alle Verbraucher: Autofahrer können ihren Tank günstiger füllen als im Vorjahr, auch Haushaltsenergie ist billiger geworden. So bleibt mehr Geld für andere Dinge übrig: Das stärkt den privaten Konsum, der derzeit die wichtigste Stütze der deutschen Konjunktur ist. Und: Bei Arbeitnehmern bleibt von der Gehaltserhöhung unterm Strich mehr übrig. Nach Angaben der Statistiker sind die realen Einkommen deutscher Arbeitnehmer im Auftaktquartal 2015 um 2,5 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit 2008 nicht mehr – weil sich die Verbraucherpreise im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert haben.

Was ist schlecht an einer Mini-Inflation?

Die Währungshüter haben ihr Inflationsziel nicht ohne Grund auf knapp unter zwei Prozent gesetzt: Die Notenbanker nehmen diese Steigerung des Preisniveaus in Kauf, um mögliche Fehler bei der Preismessung zu berücksichtigen und um einen Sicherheitsabstand zur Deflation – dem Preisverfall über einen längeren Zeitraum quer durch alle Warengruppen – zu bewahren. Denn dies könnte die Konjunktur zum Erliegen bringen, weil Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen aufschieben – schließlich könnte es ja noch billiger werden.

Was heißt das für Sparer?

Sie müssen damit leben, dass die EZB die Zinsen quasi abgeschafft hat, um den Preisauftrieb zu stärken. Das kostet Sparer viel Geld. Die Ökonomen von Union Investment sagen: „Tatsächlich entgehen den deutschen Sparern unter der Annahme eines um zwei Prozent niedrigeren Zinsniveaus in den nächsten fünf Jahren 224 Milliarden Euro auf ihre gesamten Spareinlagen, pro Haushalt sind das mehr als 5600 Euro.“ Demgegenüber stehen allerdings die Vorteile geringerer Kreditzinsen etwa beim Hauskauf. Unterm Strich bliebe nach den Angaben ein Minus von knapp 60 Milliarden Euro – pro Haushalt sei dies ein Vermögensverlust von netto 1586 Euro.

Wie geht es weiter mit der Inflation?

Die Deutsche Bundesbank geht davon aus, dass sich der Anstieg der Verbraucherpreise bis 2017 erheblich verstärken wird. Denn die dämpfenden Effekte durch den Einbruch der Rohölnotierungen ließen allmählich nach, während der schwächere Eurokurs den Preisauftrieb stärken dürfte. Auch die robuste Konjunktur und die Geldflut der EZB sprechen dafür, dass die Inflation allmählich anziehen wird.