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Die Nachfrage nach deutschen Automobilen lag im ersten Halbjahr auf hohem Niveau. Hier ein Blick in die Produktion des Ford Fiesta in Köln. Foto: Berg
Die Nachfrage nach deutschen Automobilen lag im ersten Halbjahr auf hohem Niveau. Hier ein Blick in die Produktion des Ford Fiesta in Köln. Foto: Berg
05.07.2016

Mobilitätswende lässt auf sich warten:Deutschlands Auto-Lobby hängt am Diesel

Berlin. Die Mobilitätswende lässt in Deutschland noch auf sich warten. Zahl der Neuzulassungen im ersten Halbjahr um sieben Prozent gestiegen.

Die Autofahrer in Deutschland haben sich im ersten Halbjahr häufiger Neuwagen gekauft. Die Zahl der Zulassungen stieg verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 7,1 Prozent auf rund 1,73 Millionen, wie das Kraftfahrt-Bundesamt und der Verband der Automobilindustrie (VDA) gestern mitteilten. Die Hälfte waren Dieselfahrzeuge. Die deutschen Marken gingen überwiegend positiv in die zweite Jahreshälfte: Nur Smart (-4,7 Prozent) und erneut VW (-1,4 Prozent) brachten im Juni weniger Wagen auf die Straße. Deutschlands mächtige Autoindustrie und ihr Zugpferd Dieselantrieb – es ist eine komplizierte Beziehung geworden. Über Jahre lief alles bestens. Niedrige Steuern auf den Kraftstoff steigerten dessen Beliebtheit bei den Kunden. Den Herstellern kam das zugute. Sie konnten immer größere, schwerere Spritfresser bauen und trotzdem dankbare Abnehmer finden. Dank des vergleichsweise günstigen Selbstzünder-Treibstoffs waren auch etliche Dickschiffe im Unterhalt wirtschaftlich. Der Lobby gelang es sogar, dem Diesel im Fahrwasser der europäischen CO2-Ziele das Image eines Klimaretters zu verpassen.

Doch die Aussichten für das Zugpferd sind eher schlecht. Zwar ist der Dieselanteil an den Verkäufen – wie bei anderen europäischen Herstellern – hoch. Doch sie müssen schon heute kleine Chemiefabriken in ihre Diesel einbauen, damit sie die Grenzwerte einhalten. „Damit ist schon heute absehbar, dass die Abgasreinigung beim Diesel enorm teuer und aufwendig wird“, sagte VW-Chef Matthias Müller dem „Handelsblatt“. Fakt ist: Neue Aggregate der Euro-6-Generation stoßen viel weniger Stickoxide (NOx) – das Skandal-Gas auch im Fall VW – aus als ältere Exemplare. Große Teile der deutschen Autoindustrie klammern sich grundsätzlich weiter an die Antriebsart. „Die Kunden sind weiterhin von den Vorteilen des modernen Diesel überzeugt“, betont VDA-Präsident Matthias Wissmann. „Aus dem Verkauf dieser Autos mit klassischem Antrieb müssen die Unternehmen die hohen Investitionen in alternative Antriebe finanzieren.“ Die Neuzulassungen hätten in Deutschland im ersten Halbjahr mit 812 000 einen Höchststand erreicht. Was er nicht erwähnt: Der Dieselanteil an neu auf die Straße gebrachten Wagen ist geschrumpft. „Ich denke, der Diesel wird gerade aus kleinen Fahrzeugen verschwinden“, sagt der Motorenexperte Jörn Getzlaff von der Hochschule Zwickau. Bei teureren Autos falle die teure Abgasreinigung nicht so sehr ins Gewicht – aber bei Kleinwagen werde ein Punkt erreicht, an dem sich der Diesel nicht mehr lohne.

Auch die neuen Abgastests legen die Latte für die Hersteller höher.