nach oben
Hassan Ruhani, Präsident des Irans, gerät durch die Sanktionen unter Druck. Aber auch Firmen aus der Region müssen mit Umsatzeinbußen rechnen. Foto: dpa
Hassan Ruhani, Präsident des Irans, gerät durch die Sanktionen unter Druck. Aber auch Firmen aus der Region müssen mit Umsatzeinbußen rechnen. Foto: dpa
10.08.2018

Nach Trump-Drohung: Firmen aus der Region geben Iran-Geschäft auf

Pforzheim/Enzkreis. Als „ganz schön verzwickt“, bewertet Marc S. Pace, Chef der Ispringer Firma Dentaurum die Situation im Iran. Sein Unternehmen pflegt seit vielen Jahren zarte Geschäftsbeziehungen mit Kunden im Iran. Selbst in der Zeit des Embargos durften Dentalprodukte als humanitäre Güter dorthin exportiert werden. Pace, der 2015 mit dem damaligen baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid in den Iran reiste, spricht von einem Wirtschaftskrieg, den die USA derzeit führen. „Es geht gar nicht um das Atom-Abkommen, es geht um Marktanteile.“

Was die Situation zusätzlich erschwere, sei die Rolle Saudi-Arabiens. Als Verbündeter der USA hätte das Land politische und wirtschaftliche Interessen, die es rigeros verfolge. Und die Saudis machten Druck auf Deutschland und hätten Aufträge für Daimler und Siemens storniert.

„Einige Unternehmen aus dem Nordschwarzwald haben sich nach der Bekanntgabe der Wiederaufnahme der US-Sanktionen Anfang Mai 2018 durch US-Präsident Donald Trump aus dem Iran zurückgezogen“, beschreibt IHK-Präsidentin Claudia Gläser die Lage. der regionalen Wirtschaft. Seit dieser Bekanntgabe brachen die deutschen Exporte in den Iran gegenüber dem Vorjahreszeitraum bereits um die Hälfte ein.

Schwaben geben auf

Vor dem Hintergrund der US-Sanktionen gegen den Iran macht beispielsweise der Tunnelbohrmaschinen-Hersteller Herrenknecht künftig keine Geschäfte mehr mit dem Iran. „Wir verzichten auf ein Auftragsvolumen von rund 20 Millionen Euro“, sagte Unternehmenschef Martin Herrenknecht. Das schwäbische Unternehmen sollte nach Angaben eines Sprechers eine Vortriebsmaschine für den Bau eines großen Autotunnels liefern.

Trump hatte im Mai einseitig das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt. Seit Dienstag sind US-Sanktionen wieder in Kraft. Er hatte andere Staaten davor gewarnt, mit dem islamischen Land weiterhin Handel zu treiben.

Die USA führen eine schwarze Liste mit Unternehmen, die mit dem Iran Handel treiben und damit aus Sicht der USA gegen die Sanktionen verstoßen. Diese würden dann keine Geschäfte mit den USA mehr machen können, heißt es. „Diese Ankündigung hinterlässt auch Spuren bei unseren Unternehmen im Nordschwarzwald“, sagt IHK-Präsidentin Gläser. Sie betont, dass selbst Unternehmen ohne US-Geschäft, die in den Iran liefern wollten, dies nicht tun könnten, da die Banken nicht mehr bereit wären, den Zahlungsverkehr abzuwickeln.

Bereits bei Bekanntgabe der US-Sanktionen forderte Gläser die EU und die Bundesregierung auf, deutsche Unternehmen zu schützen. Die Blocking-Verordnung der EU ist seit 7. August in Kraft. Schadenersatzansprüche müssen nach dieser Verordnung vor Gerichten geltend gemacht werden.

Massiver Druck

„Aufgrund der Stellung der USA im internationalen Handelssystem stellt dies allerdings nur eine theoretische Lösung für die Unternehmen in unserer Region dar. Unternehmen haben sich de facto zwischen ihrem US-Geschäft sowie der Befolgung von US-Gesetzen und ihrem Iran-Engagement zu entscheiden“, fasst Claudia Gläser die Situation für die stark exportorientierten Unternehmen im Nordschwarzwald zusammen.