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Hat sich einiges vorgenommen: VW-Chef Matthias Müller.
Hat sich einiges vorgenommen: VW-Chef Matthias Müller.
20.05.2016

Nach der Dieselaffäre setzt Volkswagen auf einen Paradigmenwechsel

Wolfsburg. Da ist etwa die Sache mit dem Aufzug. Im Bürogebäude in Wolfsburg, in dem die VW-Spitze sitzt, war der Fahrstuhl so programmiert, dass der fünfte Stock der Chefetage Priorität hatte – bis VW-Chef Matthias Müller es abgeschafft hat. Es ist nur ein kleines Beispiel dafür, was sich der 62-jährige Top-Manager vorgenommen hat: Er will nicht nur die eiserne Hierarchie von früher aufbrechen, er will Volkswagen von Grund auf verändern.

Müllers Mammutaufgabe hat den Titel „Strategie 2025“. Sie soll das über Jahre gültige „Schneller, höher, weiter“ seines Vorgängers Martin Winterkorn beerben, bislang Strategie 2018 genannt und mit dem Ziel der Weltmarktführerschaft. Volkswagen justiere seine Prioritäten neu, formulierte Müller jüngst nüchtern den angestrebten Paradigmenwechsel in Wolfsburg. Und um nicht weniger geht es, wenn der kriselnde 600 000-Mitarbeiter-Koloss für die Zukunft fit gemacht werden soll.

Infolge der weltweiten Dieselaffäre ist VW zum Wandel verdammt. Ohne umfassende Reformen auf allen Ebenen wird Europas größter Autobauer der Imagewandel vom Diesel-Betrüger zum „allumfassenden Mobilitätsdienstleister“ nicht gelingen.

Blick ins Silicon Valley

Elektromobilität, Digitalisierung, mehr Eigenständigkeit der zwölf Konzernmarken, flachere Hierarchien – die Strategie 2025 setzt bei den Branchentrends an. In der Vision Müller muss VW auch sein Geschäftsmodell verändern, damit er die automobilen Pläne aus dem Silicon Valley von Apple, Google und Co. nicht fürchten muss. Die Wolfsburger sollen nicht mehr nur Autos verkaufen, sondern auch mit Dienstleistungen rund um die Mobilität die Rendite steigern. An Müllers Seite stehen bei diesem Projekt mit Thomas Sedran und Johann Jungwirth auch zwei neue Manager, die gerade ein halbes Jahr an Bord sind. Sedran, Leiter der Konzernstrategie, war früher Opel-Chef und kam von Chevrolet und Cadillac nach Wolfsburg. Der ehemalige Apple-Manager Jungwirth wechselte direkt aus dem Silicon Valley als Leiter Digitalisierungsstrategie. Beide berichten direkt an Müller und können – wie es heißt – sehr frei agieren.

Müller will die Krise nutzen, den Konzern aus seiner Starre zu lösen. Das wird VW viel Geld kosten, und an der Stelle kann die Dieselkrise zum ungewollten Bremsfallschirm werden, wie es aus dem Aufsichtsrat heißt. Denn die drohenden Kosten in zigfacher Milliardenhöhe lassen VW derzeit nur auf Sicht fahren.

„Die Rendite muss besser werden, damit VW die notwendigen Zukunftsinvestitionen aus eigener Kraft finanzieren kann“, wird Sedran in der „Automobilwoche“ zitiert. „Bringt ein Auto keinen Gewinn, dann muss offen diskutiert werden: Macht das Produkt tatsächlich Sinn oder lässt sich das eingesetzte Kapital besser verwenden?“ Auch der bisherige lange Atem wird mit Müllers Strategie endgültig Geschichte sein.