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Schwarzwälder Kirschtorte und Digitalisierung: Für Bernhard Kölmel, Professor an der Hochschule Pforzheim, gibt es eine Gemeinsamkeit. Foto: Meyer

Nahrung aus der Retorte? „In absehbarer Zeit kommt die Schwarzwälder Kirschtorte aus dem 3D-Drucker“

Pforzheim. Sie ist neben der Kuckucksuhr ein süßer Exportschlager der Region: die Schwarzwälder Kirschtorte. In den 1930er-Jahren erfunden, haben sich ihre Komponenten kaum verändert. Doch was hat das Traditionshandwerk mit digitaler Revolution zu tun, will Bernard Kölmel, Professor der Hochschule Pforzheim, vom Fachpublikum im Innotec-Zentrum für Software, Technik und Design im Rahmen des Digital Hub Nordschwarzwald wissen.

. So viel sei verraten: Die Schnapsidee ist es nicht. „In absehbarer Zeit kommt die Schwarzwälder Kirschtorte aus dem 3D-Drucker“, erklärt der Experte für Global Process Management.

Es ist keine futuristische Vision, wie einst in der Science-Fiction-Serie „Star Trek“ zu sehen, erinnert Kölmel. Da produziert die Maschine „Replikator“ dreidimensionale Dinge, die sich die Besatzung des Raumschiffs wünscht: ob Tee, Torte oder Werkzeugteile.

Essen drucken werde in Zukunft essenziell sein, sagt Kölpel. „Damit wir den Weltfrieden erhalten können“. Denn bei exponentiell wachsender Bevölkerung und linear wachsender Lebensmittelproduktion werde es zum großen Hunger kommen. Da sind exotische Mehlwurm-Nudeln, die es heute schon in Supermärkten zu kaufen gibt, ein Szenario, auf das sich Verbraucher gefasst machen müssen: Nahrung aus der Retorte.

Der 3D-Druck ist dabei nur ein Teil der vernetzten Welt. Auch die Gesundheit und die Mobilität gehören dazu. „Hier stehen dramatische Veränderungen bevor“, sagt der Experte und verweist auf die großen Spieler Google, Amazon und Facebook. Diese hätten sich aus ihren Kernbereichen schon längst entfernt und entwickeln Geschäftsfelder und Produkte von morgen. „Hoffen wir, dass deutsche Unternehmen gerade bei der Mobilität schneller tätig werden.“ Denn: 2030 werden 70 Prozent der Weltbevölkerung in Megastädten leben. Und dort „spielt es keine Rolle mehr, ob ein Mercedes oder BMW den Fahrdienst ausübt. Hauptsache man kommt ans Ziel.“

Und hier liege das Problem: Digitale Revolution ist mehr als Digitalisierung. Neue Technologien würden alte Prozesse nicht nur effizienter machen. „Sie werden unsere Gesellschaft komplett verändern“, sagt Kölmel. Und Unternehmen müssen sich darauf gefasst machen. „Alte Geschäftsmodelle müssen hinterfragt werden. Sonst können neue Marktteilnehmer vorpreschen.“

Ein Gigant hat es nicht getan: Kodak. Obwohl Kodak bereits in den 70er-Jahren eine Digitalkamera entwickelt hat, entschied das Management, mit dem Produkt nicht in den Massenmarkt zu gehen, weil sie befürchteten, damit das analoge Kerngeschäft kaputt zu machen. „Man darf sich nicht ausruhen“, lautet daher Kölmels Appell ans Publikum. Zusammenarbeit zwischen Firmen sei wichtig. Denn gemeinsam schmeckt eine Torte schließlich immer noch am besten.