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Das neue Führungsteam um John Cryan (von links): Marcus Schenck, Finanzvorstand, die Co-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen und John Cryan sowie Christian Sewing, Chef des Privat- und Geschäfts kundengeschäfts, demonstrierten bei der gestrigen Pressekonferenz der Deutschen Bank Einigkeit.  Roessler
Das neue Führungsteam um John Cryan (von links): Marcus Schenck, Finanzvorstand, die Co-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen und John Cryan sowie Christian Sewing, Chef des Privat- und Geschäfts kundengeschäfts, demonstrierten bei der gestrigen Pressekonferenz der Deutschen Bank Einigkeit. Roessler
30.10.2015

Neuer Chef der Deutschen Bank räumt gründlich auf

Das ist er also, der Retter der Deutschen Bank: Um Punkt 9 Uhr tritt John Cryan ins Blitzlichtgewitter. Endlich, fast vier Monate nach seinem Antritt als Co-Chef, zeigt sich der neue starke Mann des größten deutschen Geldhauses in der Öffentlichkeit. Er habe viel zu tun gehabt in den vergangenen Monaten, entschuldigt sich der Brite wenig später in fast akzentfreiem Deutsch. Nach einem Monat harter Entscheidungen wird klar: Die Aufräumarbeit hat erst begonnen.

Mit weicher Stimme, aber doch bestimmt trägt der 54-Jährige seine Agenda vor: „Wir müssen einfach besser werden.“ Weniger Personal, weniger riskante Geschäfte, weniger Auslandsmärkte – Cryan verordnet dem deutschen Branchenprimus einen harten Sparkurs. Und noch eines ist ihm nach der Skandalserie der vergangenen Jahre ganz wichtig: „Für Fehlverhalten gibt es keinerlei Entschuldigung. Wir werden angemessene Konsequenzen ziehen. Das gilt über alle Hierarchiestufen hinweg.“ Moralisches Verhalten vorzuleben, sei „eine Kernaufgabe des Vorstands“, doziert Cryan.

Noch-Co-Chef Jürgen Fitschen nickt zustimmend. Der Niedersachse hatte sich schon seit Mitte 2012 in der Doppelspitze mit Anshu Jain bemüht, das ramponierte Image der Bank durch einen „Kulturwandel“ zu verbessern. „Es war nicht genug“, räumt Fitschen nun ein. Jain wurde Anfang Juli abgelöst, Fitschen darf noch bis zur Hauptversammlung Mitte Mai 2016 weitermachen. „Es gab ein großes Gefälle zwischen den Botschaften nach außen und dem Gefühl innerhalb der Bank“, so Cryan. Fitschen sitzt auf dem Podium zentral in der Mitte. Doch die Linie geben inzwischen andere vor: Neben Cryan ziehen Finanzchef Marcus Schenck, der sich bei der US-Großbank Goldman Sachs und beim Energieriesen Eon Sporen verdient hat, und der neue Privatkundenvorstand Christian Sewing, der einst der bei der Deutschen Bank in Bielefeld lernte, die Strippen. Über die Sparvorgaben den neuen Managements herrscht seit gestern mehr Klarheit. Weniger klar ist dagegen, wie die Bank künftig Geld verdienen will. Sie setzt auf mehr Geschäft mit Superreichen und vor allem Unternehmenskunden. Schließlich sei die Bank vor fast 150 Jahren gegründet worden, um Firmen im internationalen Geschäft zu helfen, erinnerte Cryan.

Trotz der tiefgreifenden Einschnitte setzt der neue Boss auf eine Wechselstimmung in der Belegschaft: „Wir haben lausige, schrecklich ineffiziente Systeme. Aber unsere Leute machen das mehr als wett.“