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Der Abschied von Steffen Schoch als Geschäftsführer der WFG macht eine Neubesetzung nötig.
Der Abschied von Steffen Schoch als Geschäftsführer der WFG macht eine Neubesetzung nötig.
Der Calwer Landrat Helmut Riegger (links) hofft auf eine breite Zustimmung für den neuen WFG-Geschäftsführer, Pforzheims OB Gert Hager (Mitte) verteidigt die WFG und Enzkreis-Landrat Karl Röckinger sagt vor der Sitzung am Montag lieber gar nichts.
Der Calwer Landrat Helmut Riegger (links) hofft auf eine breite Zustimmung für den neuen WFG-Geschäftsführer, Pforzheims OB Gert Hager (Mitte) verteidigt die WFG und Enzkreis-Landrat Karl Röckinger sagt vor der Sitzung am Montag lieber gar nichts.
17.07.2015

Neuer Geschäftsführer für WFG: Wahl am Montag

Pforzheim/Enzkreis/Kreis Calw. Spannung ist angesagt, wenn am Montag im Landratsamt Calw zum neunten Mal seit der Gründung im Jahr 1996 ein neuer Geschäftsführer für die Wirtschaftsförderung Zukunftsregion Nordschwarzwald GmbH (WFG) gekürt werden soll.

„Nach zwei Sitzungen des Auswahlgremiums der WFG stellen sich dann drei Personen dem Aufsichtsrat zur Wahl“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Riegger der PZ auf Anfrage. „Es wurde Vertraulichkeit vereinbart, deshalb kann ich die Namen nicht nennen“, bittet der Calwer Landrat um Verständnis. Die WFG hat die Aufgabe, die Entwicklung der Region wirtschaftlich voranzubringen und sich als Dienstleister für Unternehmen und Kommunen zu verstehen.

16 Gesellschafter tragen die WFG

Die Gesellschafter der WFG (Wirtschaftsförderung Zukunftsregion Nordschwarzwald GmbH) und damit deren Finanzierer sind die drei Landkreise der Region (Enzkreis, Calw, Freudenstadt), acht Kommunen (Pforzheim, Mühlacker, Niefern-Öschelbronn, Maulbronn, Freudenstadt, Horb, Nagold, Bad Teinach-Zavelstein), zwei Banken (Sparkassen Pforzheim Calw und Freudenstadt), der Regionalverband Nordschwarzwald, die Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald (IHK) sowie die Handwerkskammer Karlsruhe. kn

Ein Neuer soll her

Nach PZ-Recherchen handelt es sich bei allen drei in die Endauswahl gekommenen Kandidaten um Bewerbungen von außerhalb der Region. Damit dürfte Jochen Protzer, der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag des Enzkreises und ehemalige Illinger Bürgermeister, aus dem Rennen sein. Nach rund zwei Jahren gilt es, einen Nachfolger für Steffen Schoch zu finden, der aus seinem Fünf-Jahres-Vertrag auf eigenen Wunsch entlassen wurde, weil er in seiner Heimatstadt seit 1. Juli Geschäftsführer der neu formierten Heilbronner Marketing-Gesellschaft (HMG) wirkt.

Auch der künftige WFG-Geschäftsführer soll von den 16 Aufsichtsratsmitgliedern und Gesellschaftern mit einem Fünf-Jahres-Vertrag ausgestattet werden. Insgesamt waren 26 Bewerbungen eingegangen. Sechs Frauen und Männer sind zu den beiden Vorstellungsrunden eingeladen worden. Möglicherweise könnte sich die Situation ergeben, dass am Montag noch kurzfristig ein vierter Kandidat in Calw hinzu stößt. Entsprechende Bestrebungen soll es laut PZ aus den Reihen der Aufsichtsräte oder der Gesellschafter, also aus dem Kreis der Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister, geben.

Enzkreis-Landrat und WFG-Aufsichtsratsmitglied Karl Röckinger wollte auf PZ-Anfrage keine Stellungnahme zu der Personalie abgeben. Aufsichtsrats-Chef Riegger will keinen Kandidaten auf Biegen und Brechen durchsetzen. Er wirbt um eine „breite Zustimmung, damit die Region weiterhin schlagkräftig arbeiten kann“.

Für ihn gilt es „Netzwerke zu bilden, auf Unternehmen zuzugehen und eine moderne Wirtschaftsförderung zu betreiben. Das ist eine Mammutaufgabe.“

Schoch redet Klartext

Ob dies bisher optimal geschehen ist, daran haben einige Beteiligte deutliche Zweifel. Selbst der bisherige Stelleninhaber Schoch, der einiges angestoßen hatte, hält sich nicht zurück. Bei seiner Abschiedspressekonferenz in Mühlacker bedauerte er kürzlich, dass von den 70 Kommunen der Region Nordschwarzwald allein die Stadt Bad Teinach-Zavelstein sein Angebot wahrgenommen habe, sich und seine Strategie im Gemeinderat vorzustellen.Er äußerte sich kritisch gegenüber der Industrie- und Handelskammer (IHK), die einige Initiativen der WFG wohl als Konkurrenzveranstaltung betrachtet habe. Auch die Stadt Pforzheim scheine ein Problem zu sein, da sie sich als Oberzentrum mit eigener Wirtschaftsförderung und nicht als Teil der Region begreife.

Stadt und IHK loben WFG

Das wollen Oberbürgermeister Gert Hager und IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler nicht gelten lassen. „Das Verhältnis zwischen IHK und WFG ist schon immer konstruktiv, zumal wir an der Gründung beteiligt waren. Wir befinden uns im engen Schulterschluss mit allen Beteiligten und ich war auch im Auswahlgremium vertreten“, sagt Keppler.

Wie er hätte auch Pforzheims OB gerne Schoch hier behalten. Hager verteidigt auch die WFG: „Die Region ist zuletzt ganz anders aufgetreten, auch beim Marketing, als es jede Stadt oder jeder Kreis für sich allein gemacht hätte.“ Einen Seitenhieb verkneift er sich nicht: „Bei uns hat es, anders als in den Landkreisen, noch nie einen Austrittsantrag aus der WFG gegeben.“ Damit spielte er auf entsprechende Forderungen der SPD im Enzkreis, im Kreis Calw und im Kreis Freudenstadt an.

Allerdings wird die WFG auch von einigen Pforzheimer Stadträten nicht ganz unproblematisch gesehen. Nachdem der Weggang von Steffen Schoch im März bekannt geworden war, gab es den Ruf nach einer Neuausrichtung. Mehr noch: Jens Kück (SPD) bezeichnete es als schwierig, den Norden und den Süden der Region sowie die Stadt Pforzheim als Oberzentrum zusammenzuführen. Oberbürgermeister Hager meinte damals, die WFG sei zwar eine wichtige Institution – „aber mit Sicherheit nicht zu jeder Bedingung“.

Von Hagers Parteifreund, dem früheren SPD-Landtagsabgeordneten Rainer Prewo, einst ein glühender Befürworter der WFG-Gründung, weiß man, dass er die regionale Wirtschaftsförderungspolitik als „unproduktiv“ und weitestgehend als „bloße Symbolpolitik“ geißelt. Was er in Sachen Wirtschaftsförderung als Nagolder OB erreicht hatte, gilt dagegen für viele als Vorzeigeprojekt.