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Der neue Tarifvertrag läuft in der Fleischindustrie bis Ende November 2024.  Foto: Woitas/dpa 

Neuer Mindestlohn in der Fleischindustrie: Einstieg liegt nun bei 10,80 Euro

Hamburg/Birkenfeld. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und die Arbeitgeber der deutschen Fleischwirtschaft haben sich auf eine neue Lohnuntergrenze von 10,80 Euro für die rund 160.000 Beschäftigten in den Schlachthöfen und Wurstfabriken geeinigt.

Schrittweise soll der Mindestlohn dann über 11,00 Euro Anfang 2022 bis auf 12,30 Euro zum 1. Dezember 2023 angehoben werden. Das teilte die Gewerkschaft NGG nach der Zustimmung der Arbeitgeber zu dem Modell am Dienstag in Hamburg mit. Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit Anfang 2021 bei 9,50 Euro und steigt bis zum 1. Juli 2022 auf 10,45 Euro.

„Diesen Tarifabschluss haben die Beschäftigten mit zahlreichen Streiks durchgesetzt. Vom neuen Branchenmindestlohn profitieren zehntausende Menschen und bekommen spürbar mehr Geld für ihren Knochenjob“, sagte der stellvertretende NGG-Vorsitzende Freddy Adjan.

Auch die Pforzheimer SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast begrüßte die Einigung: „Das ist heute ein sehr guter Tag. Endlich gibt es einen neuen Branchenmindestlohn für hart arbeitende Menschen in der deutschen Fleischindustrie“, sagte Mast, die das Arbeitsschutzkontrollgesetz maßgeblich auf den Weg gebracht hatte. Damit sind Werkverträge in Schlachthöfen verboten. Mit Blick auf Müller Fleisch mit Hauptsitz in Birkenfeld hätte sie sich gewünscht, dass sich das Unternehmen an die Spitze der Bewegung für eine Verbesserung der Bezahlung und der Arbeitsbedingungen insgesamt setze. „Leider war es ziemlich ruhig“, so Mast. Müller Fleisch wollte sich auf PZ-Anfrage dazu nicht äußern.

Nach Angaben der Arbeitgeberseite müssen die Betriebe im Vergleich zum aktuellen gesetzlichen Mindestlohn über zweieinhalb Jahre eine Steigerung von rund 30 Prozent stemmen. „Wir haben uns als Branche bis an die Decke gestreckt“, so Vehid Alemić vom Verband der Ernährungswirtschaft (VdEW). „Zahlreichen Betrieben der Fleischwirtschaft wird damit viel zugemutet. Vor allem kleine und Familienbetriebe werden mit den Kostenerhöhungen schwer zu kämpfen haben“, sagte Alemić.