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Der Psychologe und Hirnforscher Hans-Georg Häusel gab Tipps für eine wirk same Web-Gestaltung.
Der Psychologe und Hirnforscher Hans-Georg Häusel gab Tipps für eine wirk same Web-Gestaltung.
Eine interessierte Zuhörerschaft kam gestern ins Pforzheimer CongressCentrum zur alljährlichen Fachveranstaltung der Goldstadt-Unternehmen Meyle + Müller und Apollon.  Carsten Klöpper (2)/Tilo Keller
Eine interessierte Zuhörerschaft kam gestern ins Pforzheimer CongressCentrum zur alljährlichen Fachveranstaltung der Goldstadt-Unternehmen Meyle + Müller und Apollon. Carsten Klöpper (2)/Tilo Keller
Eine Probefahrt im PS-starken Elektroauto Tesla gehörte zum Programm des New Business Summits im CongressCentrum Pforzheim. Von links: Norbert Weckerle (Apollon), Oliver von Radowitz (Tesla Motors) und Eugen Müller (Meyle + Müller).
Eine Probefahrt im PS-starken Elektroauto Tesla gehörte zum Programm des New Business Summits im CongressCentrum Pforzheim. Von links: Norbert Weckerle (Apollon), Oliver von Radowitz (Tesla Motors) und Eugen Müller (Meyle + Müller).
19.02.2016

New Business Summit zeigt im CCP die Möglichkeiten der neuen Medientechnik

Ein nagelneues Porsche-Modell düst werbeträchtig durch eine herrliche Landschaft irgendwo in mediterranen Gefilden. Musste der Stuttgarter Sportwagenhersteller seinen Prototypen für die Film-Aufnahmen an den südlichen Drehort transportieren? Nein, erklärte Fernando Saal, Visualisierungsspezialist der Porsche AG: Die Aufnahmen würden mit dem Vorgängermodell aufgenommen. Zu Hause werde das Fahrzeug in digitaler Verarbeitung durch das neue Modell ersetzt. Porsche VR (Virtual Reality) nennt Saal als Zauberwort. Mit lediglich einem Bild-Datensatz können diverse Abteilungen für ihre verschiedenen Anforderungen bedient werden, ob Marketing-, Werbe- oder Presseabteilung.

Das war nur einer von rund zehn bemerkenswerten Vorträgen und Events, die am Donnerstag im CongressCentrum Pforzheim rund 250 Teilnehmer des New Media Summit erlebt haben. Zum Beispiel auch dies: Vor der Halle gab’s Probefahrten mit dem Tesla-Elektroauto. Einige Daten des Modells S: von 0 auf 100 in drei Sekunden, Spitzengeschwindigkeit 250 Kilometer pro Stunde und Maximalreichweite von rund 500 Kilometern, in 30 Minuten ist der Akku zu knapp 80 Prozent „aufgetankt“. Ein besonderer Höhepunkt für die Gäste war der Besuch von Norbert Haug, Ex-Motorsport-Chef bei Mercedes-Benz. Er ließ sich bereitwillig an der Fotowand mit seinen Fans ablichten und erzählte hernach von seinem Leben im Formel-1-Rennzirkus. Veranstalter dieses jährlich stattfindenden Spektakels: Mediendienstleister Meyle + Müller und dessen Tochterunternehmen Apollon (beide Pforzheim).

Szenenwechsel: Eine Kaffeemaschine irgendwo in einem Haushalt stehend – sie vermag weitaus mehr, als nur den braunen Wachmacher zu produzieren. Gehen Bohnen oder Pulver zur Neige, dann bestellt sie selbstständig zum besten Preis die beste Qualität. Dies erläuterte im CCP Wolfgang Hensler, Professor für Visuelle Kommunikation und Experte für digitale Medien an der Hochschule Pforzheim. Amazon gehe noch weiter. Der Online-Riese biete Buttons, die auf diverse Geräte wie Kühlschrank oder Toilettenpapierabroller geklebt werden können. Muss beispielsweise Milch oder Toilettenpapier nachbestellt werden, dann reicht ein Druck auf den „Dash Button“ und der Bestellvorgang erledigt sich wie von selbst.

„Shopping made simple“ (Einkaufen leichtgemacht) sei ein Erfolgsrezept, meinte der Professor: „Je weniger kognitive Energie ich vom Kunden abfordere, desto erfolgreicher bin ich.“

Ähnlich sieht’s auch Hans-Georg Häusel, promovierter Diplom-Psychologe und Vordenker des Neuromarketings. Alles müsse so einfach wie möglich sein, denn: „Denken ist für das Gehirn der schlimmste Zustand.“ Immerhin müsse dieses Organ 20 Prozent der Körperenergie für diesen Prozess aufbringen. Außerdem sei es stark auf Emotionen fokussiert. Häusel: „Was keine Emotionen auslöst, ist sinnlos“ – zumindest für das Gehirn. Und wer benötigt die Erkenntnisse des Hirnforschers? Zum Beispiel die Marketing-, Werbe- und Verkaufsabteilungen in diversen Unternehmen. Außerdem jene Web-Gestalter, die möglichst viele Kauf-Klicks auf den Online-Shops erzeugen wollen. Sie müssten sich laut Häusel unter anderem an folgenden Kriterien orientieren: Der erste Eindruck beim Ankommen auf der Startseite sei wichtig, also nicht überladen und ansprechend gestaltet. Dann sollten immer wieder kleine positive Überraschungen geboten werden. Google praktiziere dies hervorragend mit dem „Doodle“, einem Logo über dem Suchfenster, das zu bestimmten Ereignissen umgestaltet wird. Eine möglichst einfache Handhabung mit intuitiver Bedienung sei unerlässlich, ebenso Hilfestellungen bei Fragen des Nutzers sowie die Angaben über Lieferzeit und Lieferwege. Nicht zuletzt dürfe der potenzielle Kunde weder durch lästige Werbefenster noch mit Videos belästigt werden, die nicht weggeklickt werden können. Sonst, sagte Häuser: „Sinkt die Kundenstimmung in den Keller.“