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Ein Teil der Ungerer-Mitarbeiter soll ab Mitte des Monats nicht mehr zur Arbeit kommen.  pz-Archiv
Ein Teil der Ungerer-Mitarbeiter soll ab Mitte des Monats nicht mehr zur Arbeit kommen. pz-Archiv
10.03.2016

Nicht mehr genug Arbeit: Teil der Beschäftigten bei Ungerer ab kommender Woche freigestellt

Seit rund drei Monaten ist die Pforzheimer Firma Ungerer nun in der Insolvenz. Ein Investor ist noch immer nicht gefunden. Interessenten gibt es nach Auskunft des Insolvenzverwalters Marc Schmidt-Thieme, angebissen hat allerdings noch keiner.

Bei den rund 150 Mitarbeitern – davon 120 in Pforzheim – ist die Stimmung laut Schmidt-Thieme inzwischen angespannt. „Wahrscheinlich ist den meisten klar, dass es nicht mit allen weitergeht.“ Die Beschäftigten arbeiten alte Aufträge ab, neue konnten seit Dezember nicht an Land gezogen werden. Das bleibt nicht ohne Folgen: Kommende Woche soll es Freistellungen geben, wie der Insolvenzverwalter am Mittwoch auf Anfrage bestätigte. Am Montag wurden die Abteilungsleiter informiert, eine Betriebsversammlung steht noch aus. Wie viele und welche Mitarbeiter dann zuhause bleiben müssen, ist dem Mannheimer Insolvenzverwalter der Kanzlei Hofer/Schmidt-Thieme zufolge noch nicht heraus. Dass nicht alle weiterarbeiten können, ist jedoch klar. „Fakt ist: Wir haben eine viel zu große Mannschaft für die Auftragslage“, so Schmidt-Thieme. Ohne Freistellungen sei irgendwann nicht mehr genug Geld für die Löhne da.

„Der Laden ist toll“

Dass neue Aufträge ausbleiben, ist dem Juristen zufolge bei einem Maschinen- und Anlagenbauer wie Ungerer nicht ungewöhnlich. Die Kunden wollten bei einer solchen Investition sichergehen, dass das Unternehmen Bestand hat. Umso wichtiger ist es, dass ein Investor gefunden wird. „Es gibt durchaus Chancen“, gibt sich Schmidt-Thieme hoffnungsvoll. „Ich habe immer noch ein gutes Gefühl, weil der Laden toll ist.“ Sehr motivierte Mitarbeiter habe das Traditionsunternehmen, das Werk sei blitzblank, man habe Anlagen in alle Welt geliefert. „Es wäre echt schade drum“, so der Insolvenzverwalter.

IG-Metall-Gewerkschaftssekretärin Liane Papaioannou beklagte gestern gegenüber der PZ, von den Freistellungen nur über Umwege erfahren zu haben. Bislang hätten die Beschäftigten hoch motiviert gearbeitet, die Krankenquote sei nicht gestiegen. „Die Leute wollen ihren Arbeitsplatz erhalten“, so die Gewerkschafterin. „Die Freistellungen dürften sich nicht positiv auf die Stimmung auswirken.“