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09.02.2009

Noch ein Leerstand in Pforzheim - Schreibwaren Arres schließt

PFORZHEIM. Mit der überraschenden Ankündigung von Schreibwaren-Arres, sein Geschäft aufzugeben, setzt sich eine traurige Serie an der Pforzheimer Leopoldstraße fort. Dort hat bereits der Mobilfunkexperte „dug“ seinen Laden geräumt. Seither: Leerstand. Ebenso hat sich unlängst die Fortis-Bank verabschiedet Seither: Leerstand.

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Ende dieses Monats macht SinnLeffers die Türen für immer zu. Nach aktueller Kenntnis droht ein Leerstand. Nun reiht sich mit Arres ein alteingesessenes Pforzheimer Traditionshaus in diese Schließungsserie ein. Ob die Räume wieder belegt werden, ist noch unbekannt.

"Warten Sie die Entwicklung ab“ – mehr wollte Eberhard Wenz gegenüber der PZ nicht sagen, als der Arres-Inhaber bereits am Freitag zu Schließungsgerüchten über sein Traditionseinzelhandelsgeschäft für Papier und Schreibwaren befragt wurde. Am Montagmorgen schließlich skandierte er die Antwort an den Schaufenstern der Pforzheimer Leopoldstraße: Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe. Dem Vernehmen nach wird Ende März dicht gemacht. Auch gestern war Wenz für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ob es eine Nachfolgeregelung für die Fläche gibt, ist deshalb noch unbekannt.

Für den Pforzheimer City-Manager Rüdiger Fricke liegt der Grund für die Geschäftsaufgaben auf der Hand: „Das sind die typischen Probleme, die in den sogenannten B-Lagen auftreten.“ B-Lagen sind sozusagen die zweite Standortwahl in einer Innenstadt. „Alle wollen nur noch in A-Lagen“, sagte Fricke. In Pforzheim gelten als Premiumstandorte: das größere Umfeld um Galeria Kaufhof sowie der weitere Verlauf bis hin zum Einkaufszentrum Schlössle-Galerie am Leopoldplatz.

Ist demnach die Leopoldstraße zum Aussterben verdammt? Nein, erklärte Frick und fordert: „Wir müssen die B-Lagen zu A-Lagen machen.“ Deshalb sei es dringend notwendig, dass das Projekt „Pro Innenstadt“ vorangetrieben werde und bestimmte Maßnahmen baldmöglichst umgesetzt werden, sagte der Citymanager und nannte Beispiele: So müsste verkehrstechnische Veränderungen vorgenommen werden, Stichwort: Busverkehr. Ein Teil müsse aus der Innenstadt herausgenommen werden. Des Weiteren könnten bauliche Veränderungen dafür sorgen, so Fricke, „die Aufenthaltsqualität an der Leopoldstraße so zu steigern“, dass sie zur Premiumlage wird. Seiner Ansicht nach müssen schnell „greifbare Ergebnisse“ für die Umgestaltung der Innenstadtbereiche herauskommen. Und, so eine weitere Forderung, „hier müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen“. Freilich gebe es Ausnahmen von der geschilderten B-Lagen-Problematik. Beispiel dm-Drogeriemarkt: „Der kann sich fast überall ansiedeln und wird erfolgreich sein, der braucht keine A-Lage“, meinte der Citymanager. Tatsächlich ist die dm-Filiale an der Pforzheimer Leopoldstraße „die ertragsstärkste in der Region“ bestätigte dm-Geschäftsführer Erich Harsch gegenüber der PZ.

Für Arres gelten wohl andere Vorzeichen, weshalb dort zum 31. März das Ende einer langen Ära enden wird. Am 5. November 1905 eröffnete Fritz Arres in der Brötzinger Gass ein kleines Lädchen für Papier- und Schreibwaren. Anfang der 30er-Jahre wurden im Industriehaus in der Innenstadt größere Räume bezogen, die beim Bombenangriff 1945 völlig zerstört worden sind. Nach dem Krieg wurde das Geschäft zunächst Ecke Glümer- und Lameystraße wiedereröffnet, kurze Zeit später bezog Arres provisorische Räume an der Westlichen und ging im Dezember 1951 ins heutige Domizil an der Leopoldstraße 3. Neuer Geschäftsführer war Kurt Gottlob Wenz. Sein Nachkomme Eberhard Wenz muss knapp über 100 Jahre nach der Arres-Gründung die Geschäftsaufgabe einleiten.