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28.01.2010

Nur Pforzheim hat eine zweistellige Arbeitslosenquote

PFORZHEIM. Im Januar waren in Pforzheim und dem Enzkreis 10.895 Menschen ohne Arbeit, das waren 650 mehr als Ende 2009, aber fast 2000 mehr als vor einem Jahr. Insgesamt sind sogar 17.812 als arbeitssuchend registriert. Pforzheim bleibt damit Schlusslicht in der Arbeitslosenstatistik in Baden-Württemberg und ist der einzige Kreis im Land mit einer zweistelligen Arbeitslosenquote.

Pforzheim hält den Negativrekord im "Ländle" mit 10,3 Prozent. Zumindest über dem Bundeswert liegt im Land noch der Stadtkreis Heilbronn mit 8,8 Prozent. Mannheim - über Jahre Schlusslicht im Südwesten - rutscht mit 8,5 Prozent sogar unter den Bundesschnitt. Muster-Landkreis Biberach kommt mit einer Quote von 4,1 Prozent nicht einmal auf die Hälfte des Bundeswertes.

Arbeitslosigkeit steigt weiter, aber etwas langsamer

Der Anstieg um 21,5 Prozent zum Vorjahr ist zwar hoch im Bereich der Arbeitsagentur Pforzheim, verglichen mit den beiden Vormonaten jedoch auch ein kleiner Lichtblick am wolkenverhangenen Arbeitsmarkthimmel. Die vergleichsweise Steigerung zum Vorjahr war im November noch 36,7 Prozent und im Dezember 30,7 Prozent und damit jeweils deutlich höher. Die Arbeitslosigkeit somit stieg zwar erneut, doch mit merklich langsamerem Tempo.

Der Chef der Pforzheimer Arbeitsagentur, Walter Reiber, hatte für Januar noch deutlich höhere Zahlen erwartet: „Die Auswirkungen der anhaltenden eisigen Temperaturen und die krisenbedingte schwierige Situation der Betriebe schlug im Bezirk durch. Es ist kaum erinnerlich, wann wir soviel Schnee und Eis hatten, wie derzeit. Darunter leiden alle Branchen mit Außenarbeiten besonders.“

Die Arbeitslosenquote stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 6,7 Prozent (Vorjahr: 5,5 Prozent). In der Stadt Pforzheim fiel der Anstieg um 0,6 Prozentpunkte auf 10,3 Prozent höher aus als im Enzkreis (0,2 Prozentpunkte auf 4,6 Prozent). Landesweit stieg die Arbeitslosenquote um 0,5 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent.

Rund 100 Personen wurden vom Baugewerbe entlassen. Hier handelt es sich überwiegend um witterungsbedingte Kündigungen. Die Gastronomie entließ knapp 50 Arbeitnehmer, annähernd doppelt so vielen wie im Januar 2009. Aus den Bereichen Groß- und Einzelhandel kamen rund 80 Personen. Aus Betrieben der Arbeitnehmerüberlassung (Zeitarbeit) wurden 112 Beschäftigte arbeitslos. 605 Personen kamen nach einer Ausbildung oder einer Qualifizierungsmaßnahme zur Agentur und weitere 700 Personen meldeten sich nach Zeiten der Arbeitsunfähigkeit erneut arbeitslos.

Positives Signal bei den Stellenangeboten

Im Berichtsmonat gingen insgesamt 400 Stellenangebote, davon 315 Personalanfragen für eine feste Anstellung, das waren 25 Prozent mehr als vergangenes Jahr. „Ein positives Signal“, findet Reiber. Dies spreche für eine Erholung der wirtschaftlichen Lage. Mit 1132 offenen Stellen standen Ende Januar 94 weniger als im Dezember zur Verfügung.

Insgesamt 1887 Menschen konnten im Januar ihre Arbeitslosigkeit beenden, davon fanden immerhin 611 wieder eine feste Beschäftigung. Außerdem begannen 410 eine Ausbildung oder nahmen an einer Qualifizierungsmaßnahme teil. 866 werden wegen Krankheit oder mangelnder Verfügbarkeit nicht mehr als Arbeitslose gezählt.

Männer stärker betroffen als Frauen

Wie in den vergangenen Monaten waren mehr Männer (54,5 Prozent) als Frauen (45,5 Prozent) von der Arbeitslosigkeit betroffen. „Die anhaltenden winterlichen Verhältnisse und die schwierige Situation im verarbeitenden Gewerbe machen es den Männern auf dem Arbeitsmarkt auch im Januar schwer,“ ergänzte Reiber. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Langzeitarbeitslosen um mehr als 900. Deren Anteil liegt bei 25,9 Prozent aller Arbeitslosen. 27 Prozent sind 50 Jahre und älter, das sind 2940 Personen. Ausländische Arbeitslose haben einen Anteil von 27,1 Prozent.

In der Stadt Pforzheim waren 6087 Arbeitslose gemeldet. Mit 3675 Arbeitslosen waren es 199 Arbeitslose mehr die Arbeitslosengeld II im Zuständigkeitsbereich der ARGE Jobcenter Stadt Pforzheim beziehen; deren Anteil an der Gesamtarbeitslosigkeit der Stadt liegt bei 60,4 Prozent. Im Enzkreis wurden 4808 Arbeitslose gezählt, 292 Personen mehr als im Vormonat. Im Enzkreis stieg die Arbeitslosenquote auf 4,6 Prozent. Hier fallen 1843 Arbeitslose in den Zuständigkeitsbereich Arbeitslosengeld II (38,3 Prozent).

Die Geschäftsstelle Mühlacker mit dem östlichen Enzkreis wies Ende Januar mit 1710 Arbeitslosen innerhalb eines Monats 104 Personen mehr aus. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,3 Prozentpunkte, sie liegt jetzt bei 5,2 Prozent.