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Auszeichnung für OBE: Umweltminister Franz Untersteller überreicht Professor Carlo Burkhardt (rechts) den Umwelttechnikpreis. Foto: Michael Kautz
Auszeichnung für OBE: Umweltminister Franz Untersteller überreicht Professor Carlo Burkhardt (rechts) den Umwelttechnikpreis. Foto: Michael Kautz
14.07.2017

OBE holt Umweltpreis mit Magnet

Fellbach. Das neue Verfahren von OBE schafft neue Qualitätsmagnete und schont Ressourcen. „Bei Magneten aus kritischen Rohstoffen ist das besonders wichtig“, betonte Umweltminister Franz Untersteller gestern bei der Verleihung des Umwelttechnikpreises Baden-Württemberg in Fellbach. OBE holte den ersten Preis in der Kategorie „Materialeffizienz“. Dotiert ist der Umwelttechnikpreis mit insgesamt 100 000 Euro in fünf Sparten. Untersteller würdigte in seiner Laudatio die mehr als 80 eingegangenen Bewerbungen. „Das zeigt, wie viel Innovationskraft in den Unternehmen der Branche steckt.“

Durch die Wiederverwendung gebrauchter Magnete soll die Abhängigkeit von Lieferungen seltener Erden insbesondere aus China reduziert werden. Hinzu komme, dass durch das Recycling der für die Umwelt stark belastende Abbau dieser Rohstoffe reduziert werde, so der Umweltminister. Denn dabei entstehen giftige Schlämme. „OBE als mittelständisches Familienunternehmen hat in Sachen Nachhaltigkeit eine lange Tradition, betont die Geschäftsführung der Ispringer Ohnmacht & Baumgärtner GmbH & Co. KG. Bei geschlossenem Materialkreislauf kommen die recycelten Magnete auf mehr als 95 Prozent der Feldstärke-Kennwerte von Neumaterial, heißt es in einer Pressemitteilung. „Erste Serienanwendungen des SDS-Verfahrens befinden sich in der Projektierungsphase, bis Ende 2017 soll es Marktreife erlangen.“

Im Rahmen eines Forschungsprojekts mit der Hochschule Pforzheim sollen künftig Elektromotoren und Lithium-Ionen-Akkus von E-Bikes in großem Stil recycelt werden. „Angesichts von zehn Millionen batteriebetriebenen Fahrrädern in Europa eine nachhaltige Geschäftsidee“, erläutert Professor Carlo Burkhardt, seit April Leiter des Schmucktechnologischen Instituts an der Hochschule Pforzheim. Hochschule und OBE, wo er viele Jahre Technik-Geschäftsführer war, haben einen Kooperationsvertrag abgeschlossen, der die Weiterentwicklung des Metallpulver-Spritzgussverfahrens (Metal Injection Moulding oder kurz MIM) für solche Projekte beinhaltet.

Mit Burkhardt als Bindeglied zwischen OBE und der Hochschule Pforzheim soll die gemeinsame Forschungsarbeit weiter intensiviert werden. Das Metallpulverspritzguss-Verfahren (MIM) verbindet die Einfachheit der Formgebung des Kunststoff-Spritzgusses mit den ausgezeichneten mechanischen und thermischen Möglichkeiten metallischer Werkstoffe. Aufbauend auf einer langjährigen Erfahrung bei der Produktion von Präzisionsbauteilen in der Zerspanungstechnik hat sich OBE seit 1996 zu einem Spezialisten der Metallpulverspritzguss-Technologie entwickelt.

Das verwendete Recyclingmaterial stammt derzeit hauptsächlich aus Computer-Festplatten. Aus einer Platte lassen sich zwar nur 10 bis 20 Gramm Material gewinnen, doch sie sind gut in eine Kreislaufwirtschaft eingebunden. „Zukünftig sind für Elektromotoren große Mengen des Materials notwendig, und hinterher wieder verfügbar – in einer Windkraftanlage bis zu 2,5 Tonnen“, erklärt Burkhardt.

Einen dritten Preis bekam gestern die Felss Holding GmbH, Königsbach-Stein für Material- und Energieeffizienz durch Kaltumformung. Kaltumformen bietet eine materialeffiziente Technologie, die insbesondere für den Automobil-Leichtbau genutzt werden kann. Der Schwerpunkt liege auf dem besonders energieeffizienten Betrieb der Anlage (Umstellung von hydraulischen auf elektrische Antriebe). Durch Verknüpfung mit Industrie-4.0-Lösungen werde zusätzlich der zukunftssichere Betrieb gewährleistet.