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Auf leisen Sohlen: FH-Absolvent Max Julian Fischer präsentiert seine Idee vom als Schmuck getarnten Hörgerät. Foto: Hegel
Auf leisen Sohlen: FH-Absolvent Max Julian Fischer präsentiert seine Idee vom als Schmuck getarnten Hörgerät. Foto: Hegel
05.07.2019

Ökosystem für Gründer: IHK und 23 Akteure wollen Jungunternehmern unter die Arme greifen

Pforzheim. Max Julian Fischer hatte eine Idee. Vor einer Woche schloss der 25-Jährige seinen Bachelor an der Hochschule Pforzheim ab. Sein Thema für die Abschlussarbeit: Hörgeräte, die als Modeschmuck getarnt sind. Neu, innovativ, einzigartig. Eigentlich die perfekte Voraussetzung, um ein StartUp zu gründen. Nur wo? „Gefühlt 99 Prozent meiner Kommilitonen gehen von Pforzheim weg“, sagt Fischer.

Ein Problem, dem die Industrie- und Handelskammer (IHK) und 23 Partner aus der Region mit der offiziellen Anlaufstelle für Gründer „Ökosystem Nordschwarzwald“ jetzt entgegenwirken wollen. Gestern stellten sie die neue Kooperation im Kulturhaus Osterfeld vor.

Ökosystem, das heißt vor allem: Lebensraum. Und einen optimalen davon will IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler, in Zukunft für Gründer schaffen. „Ein Kumpel hat damals zuhause angefangen, Kunststofffolien auf Platten zu ziehen“, sagt Keppler. „Heute ist die Firma im Bereich Oberflächenfolien weltweit führend.“ Die Anekdote zeigt die Vision auf, die der IHK-Chef für das regionale Ökosystem hat, der dabei wohl nicht ganz zufällig an den „American Dream“ erinnert. „Von der Garage zum Weltmarktführer.“ Interessant ist dabei, dass Baden-Württemberg mehr Weltmarktführer als die USA hat.

Damit sich solche Erfolgsgeschichten in Zukunft wiederholen, und das möglichst im Gebiet zwischen Sternenfels im Norden bis Alpirsbach im Süden, trommelte die IHK im vergangenen Jahr über 20 Verbündete zusammen. Darunter Banken, Unternehmen, Wirtschaftsförderer und die Hochschule. Das entstandene „Start-Up-Ökosystem“ ist Bestandteil der landesweiten Initiative „Start-Up-BW“ – insgesamt gibt es davon schon zehn Stück im Bundesland. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut tut ihr Möglichstes, damit sich Unternehmen hier niederlassen, ist man sich im Kulturhaus Osterfeld einig.

„Es war wichtig, dass es so etwas endlich bei uns gibt“, berichtet Tim Dibjick aus eigener Erfahrung. Der Jung-Unternehmer hat bereits zwei Start-Ups gegründet und ist mit seiner Firma Membratech GmbH im Bereich Wasseraufbereitung erfolgreich. Die größte Schwierigkeit für Neugründer sei, die richtigen Kontakte zu knüpfen – und dabei helfe der neue Verbund als erster Ansprechpartner enorm. „Als ich 2013 angefangen habe, wusste ich nicht, wo ich mit meinen Fragen hätte hingehen sollen.“ Jetzt siedelt Dibjick mit seiner Firma allerdings nach Weissach um, ins „Silicon Valley Baden-Württembergs“, wie er es nennt. Auch hier waren die Kontakte zu den ganz Großen wie Porsche entscheidend.

Noch ganz am Anfang einer solchen Laufbahn steht Max Julian Fischer, der auch gerne mal die Schuhe auf der Bühne auszieht, um seine Ideen vorzustellen. Eine Idee, mehr brauche es am Anfang nicht, um auf die neu geschaffene Gründerberatung zuzugehen, betont Stefan Hammes von der IHK. Denn am meisten lerne man von erfolgreichen Unternehmen.

Noch hat Fischer keinen Kontakt zum freien Markt aufgenommen. „Ich will zuerst schauen, wie weit ich alleine damit komme“, so der 25-Jährige. Auf jeden Fall wolle er seinen Weg in Pforzheim gehen – eine Stadt, die seiner Meinung nach mehr Gründer zu bieten hat, als viele glauben.

Infos für Gründer auf www.ökosystem-nordschwarzwald.de