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Geschäftsführer und Urenkel des Unternehmensgründers: Stefan Förster, hier mit Keramik- und Metall-Brackets.  Foto: Ketterl 
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Bracket-Produktion in Pforzheim.  Foto: Forestadent 
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Neu im Programm: Sprint II Bracket. Laut Forestadent mit mehr Tragekomfort für den Patienten.  Foto: Forestadent 

PZ-Serie „Gold im Blut“: Die große Wandlung von Forestadent

Pforzheim. Eines der Paradebeispiele für den erfolgreichen Branchenwechsel in Zeiten des Strukturwandels ist die Forestadent Bernhard Förster GmbH. Das Pforzheimer Unternehmen hat seine Wurzeln in der Traditionsindustrie der Goldstadt.

Es gehört heute nach eigenen Angaben zu den weltweit führenden Anbietern dentaltechnischer Produkte für die moderne Kieferorthopädie. Außerdem ist die Firma in der MIM-Technik aktiv. MIM steht für Metal Injection Moulding und meint im Deutschen das Metallpulverspritzgießen. Eines hat sich in den 110 Jahren des Bestehens nicht verändert: Das Pforzheimer Unternehmen blieb immer ein familiengeführter Betrieb.

Den Grundstein legt der Prokurist Bernhard Förster im Jahr 1907. Er macht sich selbstständig und eröffnet eine Werkstatt zur Schmuckherstellung. Förster übernimmt die Firma Häfner und beginnt an der Jahnstraße zunächst mit der Fertigung von Federringen und Kettenverschlüssen für die ansässige Schmuckindustrie. Den Annalen zufolge steigt das Unternehmen bald in die Produktion von Uhrenteilen ein – damals ein florierendes Geschäft. 1934 wird die Produktpalette damit erweitert. Später kommen auch Armbanduhren unter dem Markennamen Foresta aus der Förster-Produktion. Vier Jahre später erfolgt mit der Herstellung hochpräziser Uhrwerke eine bedeutende Erweiterung des Portfolios.

Der Zweite Weltkrieg unterbricht den guten Lauf – ebenso wie in weitgehend allen anderen Betrieben der Goldstadt. Förster lagert einen Teil der Produktionsanlagen in Gasthöfe der Umgebung aus. Dann der Wiederaufbau nach dem verheerenden Bombenangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945. Die ausgelagerten Maschinen sowie sogenannte Radspiele und Uhrsteine, außerdem eine Kiste voll mit Schreibmaschinen und Büromaterial – das ist die Ausstattung für den Neuanfang.

Im weiteren Verlauf spezialisiert sich das Unternehmen auf die Herstellung von automatischen Armbanduhren. Legendär bleibt das Automatikkaliber aus dem Jahr 1969 mit der Bezeichnung „FB 222“. Kein anderes Werk in Deutschland ist zu dieser Zeit flacher als das Produkt aus dem Hause Förster. Es entspricht damit dem aktuellen Trend der 70er-Jahre und passt in die ultraflachen Zeitanzeiger, die damals sehr gefragt sind. Marken wie Anker, Diehl, Dugena, Futura, Greenwich, Goldwyn, Preziosa, Waltham und Zewi bauen das ausgereifte Rohwerk aus Pforzheimer Herstellung in ihre Uhren ein. Noch heute finden sich auf Sammlerbörsen und Internet-Verkaufsplattformen Uhren mit dem ausdrücklichen Hinweis auf ihr Innenleben: das Kaliber Förster KB 222.

Ein weiterer Meilenstein in der Unternehmensgeschichte ist die Förster-Präsentation auf der Messe in Basel. 1972 stellen die Pforzheimer die erste „Digital Day Date“ vor, eine Armbanduhr, die neben der Zeit auch das Datum und den Wochentag anzeigt. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, die Produktion läuft auf vollen Touren.

Und dennoch erfolgt nur zwei Jahre später der radikale Schnitt. Die Enkel des Gründers, Rolf und Gerhard Förster, erkennen: „Der durch die Billigkonkurrenz aus Fernost verursachte Strukturwandel innerhalb der Schmuck- und Uhrenindustrie ist deutlich zu spüren.“

Gerhard Förster baut in Mauritius eine Schmuckproduktion auf. Sein Bruder Rolf geht einen völlig neuen Weg: die Herstellung kieferorthopädischer Produkte. 1974 besucht Rolf Förster die Dentalweltausstellung in Hamburg und wird mit seiner Entscheidung bestätigt, das Geschäftsfeld zu ändern. Hamburg markiert somit die Trendwende für das Unternehmen aus Pforzheim. Inzwischen zählt Forestadent zur internationalen Spitze der Dentalanbieter im Bereich der Kieferorthopädie – mit dem Ruf hochpräzise und innovative Qualitätsprodukte zu liefern.

Mit dem Urenkel des Gründers, Stefan Förster, ist die vierte Generation im Unternehmen aktiv. Rückblickend sagt Geschäftsführer Stefan Förster in dem Buch „Metamorphosen“, eine Jubiläumsausgabe zum 250-jährigen Bestehen der Goldstadt: „Die Geschichte unseres Unternehmens nahm etliche Wendungen, aber all diese Wendungen sind heute Teil der DNA von Forestadent.“