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Ulrich Dietz will IT-Technik und Kunst verbinden. GFT
Ulrich Dietz will IT-Technik und Kunst verbinden. GFT
16.09.2016

PZ-Interview: „CODE_n“-Festival in Karlsruhe

„Digitalisierung und Spaß gehören zusammen.“ Das behauptet zumindest Ulrich Dietz, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter Firma GFT. Dass ein börsennotiertes Informationstechnik-Unternehmen ein Festival im Karlsruher ZKM organisiert, ist an sich schon ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist das Veranstaltungskonzept.

Die Besucher des CODE_n-Festivals erwartet ein umfangreiches Konferenzprogramm auf drei Bühnen, renommierte Referenten, ein Marktplatz für Inspiration, die Präsentation eindrucksvoller Geschäftsmodelle, sowie digitale Medieninszenierungen und ein inspirierendes Abendprogramm inklusive Konzert auf dem Schlossplatz.

PZ: Herr Dietz. Wie kamen Sie auf die Idee für die Veranstaltung „CODE_n?“

Ulrich Dietz: Menschen gehen zu allen möglichen Veranstaltungen – etwa zu Popkonzerten und Fußballspielen von mehr oder weniger erfolgreichen Mannschaften. Aber zu den wirklich wichtigen Themen – was bringt die Zukunft oder wo entstehen neue Arbeitsplätze, da wird viel zu wenig Spannendes angeboten. Auch die Fachmessen sind mehr oder weniger immer das Gleiche und Softwareprogramme anzuschauen ist eh langweilig. Wir stellen deshalb eine mehrtägige Veranstaltung auf die Beine, die Lust auf die Zukunft macht und die Besucher auf mehrfacher Ebene anspricht.

PZ: Was erwartet die Besucher im ZKM?

Ulrich Dietz:Die CODE_n-Events werden von international renommierten Designer gestaltet und bieten neben einem informativen Konferenzprogramm auch kulturelle Höhepunkte. Das hat auf der Computermesse CeBit in Hannover in den vergangenen vier Jahren schon gut funktioniert. In Karlsruhe wollen wir noch einen draufsetzen und ein richtiges Festival mit technologischen Inhalten und Unterhaltung ins Leben rufen. Karlsruhe ist davon voll begeistert – von der Politik über das Cyberforum und die IHK bis zu den Menschen vor Ort. Alle sind ganz gespannt und voller Vorfreude. Zudem ist das ZKM eine ideale Location mit hoher Medienkompetenz. Vom Konzept her ist das sicher eine weltweit einzigartige Veranstaltung in einem tollen Rahmen.

PZ: Wie beurteilen Sie die Gründermentalität im Südwesten?

Ulrich Dietz:Die mittelständisch geprägte Wirtschaftsstruktur ist nicht gerade förderlich für den Sprung in die Selbstständigkeit. Die Leute sind sehr gut in ihren Firmen aufgehoben, die vielfach international erfolgreich sind. Beim CODE_n-Festival gibt es einen Gründerwettbewerb. Eine Jury hat unter 380 StartUps aus 40 Ländern die besten 52 ausgewählt. Der Award wird am kommenden Mittwoch vergeben. Der Gewinner bekommt einen Preis über 30 000 Euro. GFT unterstützt Existenzgründer, wo immer es geht. Wir haben in Stuttgart eigens einen Campus für sie eingerichtet. Die Zusammenarbeit mit StartUps ist für die heimische Industrie von großem Vorteil, weil man dort gezielt Partnerschaften aufbauen und so kontinuierlich von Innovationen profitieren kann.

PZ: Welche Gefahren gibt es bei der Digitalisierung?

Ulrich Dietz:Man muss sich mit dem Thema digitaler Wandel konstruktiv auseinandersetzen. Es gilt, die Technologien zu kennen, um sie effektiv nutzen zu können. Es ist nicht wie in einem Zoo, wo man die Raubtiere aus dem Silicon Valley beobachtet, sondern ein aktiver Prozess, in dem wir mitten drin sind, um weltweit vorn dabei zu sein. Wenn man die Gefahren durch Cyberkriminalität kennt, kann man daraus neue Geschäftsmodelle entwickeln, um schwarzen Schafen das Handwerk zu legen. Vielen mittelständischen Unternehmen sind die Gefahren gar nicht bewusst. Da sehe ich Nachholbedarf, was die Datensicherheit angeht. Einer der Referenten bei „CODE_n“ wird der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes August Hanning sein. Aus Kalifornien kommt der CEO von „Hyperloop“, das wie ein innovatives Rohrpostsystem funktioniert und zukünftig Menschen mit Schallgeschwindigkeit über größere Strecken transportieren soll.