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„Die betriebliche Wahlmöglichkeit, mehr Geld oder mehr freie Zeit, ist in dieser Form noch nicht dagewesen. Aber sie entspricht der allgemeinen Tendenz.“, so Gustav Horn. Foto: dpa
„Die betriebliche Wahlmöglichkeit, mehr Geld oder mehr freie Zeit, ist in dieser Form noch nicht dagewesen. Aber sie entspricht der allgemeinen Tendenz.“, so Gustav Horn. Foto: dpa
07.02.2018

PZ-Interview mit Gustav Horn vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung

PZ: Herr Horn, die IG Metall hat ein individuelles Recht auf Verkürzung der Arbeitszeit erkämpft. Wie passt das zum allseits beklagten Fachkräftemangel in Deutschland?

Gustav Horn: Flexibilität stellt sich aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmersicht unterschiedlich dar. Für die Unternehmen könnten die Mitarbeiter sozusagen rund um die Uhr verfügbar sein, was aber natürlich in der Praxis ein Unding ist. Auch die Arbeitnehmer wollen Flexibilität, aber ausgerichtet an ihren persönlichen Bedürfnissen. Also etwa, wenn es um Kinderbetreuung oder die Pflege naher Verwandter geht. Dafür können sie nun künftig verkürzt arbeiten. Das ist ganz in ihrem Interesse.

Also dürfte sich das Fachkräfteproblem in der Branche noch verschärfen.

Nein. Denn der Tarifabschluss hat ja noch eine andere Dimension. Im Gegenzug zur Arbeitszeitverkürzung können Unternehmen mehr Mitarbeiter länger, nämlich bis zu 40 Wochenstunden beschäftigen, als das bisher möglich war. Das ist im Interesse der Arbeitgeber, die dadurch mehr Flexibilität in ihrem Sinne gewinnen.

Genau das hätte die IG Metall ja auch am liebsten verhindern wollen . . .

Tarifverhandlungen sind immer ein Geben und Nehmen. Jede Seite bringt ihre Interessen ein. Die einen die Flexibilität nach oben und die anderen die Flexibilität nach unten. Nun hat man beides. So ist das bei einem Kompromiss.

Rechnen Sie überhaupt mit einer starken Inanspruchnahme der Arbeitszeitverkürzung? Schließlich gibt es dafür keinen Lohnausgleich.

Aber der gesamte Lohnkuchen ist doch größer geworden. Da fällt es auch leichter, auf Lohn zu verzichten, wenn man dafür mehr Zeit zur eigenen Verfügung bekommt. Auch wenn die Masse der Beschäftigten möglicherweise nicht davon Gebrauch macht, so kann doch jeder einmal in die Situation kommen, in der Zeit wertvoller als Geld ist. Und es ist gut zu wissen, dass für eine solche Situation tarifvertraglich vorgesorgt ist.

Bislang gibt es nur ein Recht, von Vollzeit in Teilzeit zu wechseln. Der Tarifabschluss sieht nun auch den umgekehrten Weg vor. Welche Bedeutung hat das aus Ihrer Sicht?

Das ist wahrscheinlich die größte Errungenschaft dieses Tarifabschlusses. Es gibt viele Fälle, in denen jemand auf Teilzeit geht und hernach die Karriere dadurch einen Knick bekommt. Deshalb tendiert auch der Anreiz für Männer, diesen Weg einzuschlagen, praktisch gegen Null. Künftig gibt es eine tarifliche Absicherung, die eine Rückkehr in Vollzeit garantiert.