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Zwei Generationen der Pforzheimer Unternehmerfamilie, die das Brillant-W als Markenzeichen für ihre Preziosen führt (von links): Hanspeter, Eva, Christoph, Claudia und Georg Wellendorff. Foto: Cardinale
Zwei Generationen der Pforzheimer Unternehmerfamilie, die das Brillant-W als Markenzeichen für ihre Preziosen führt (von links): Hanspeter, Eva, Christoph, Claudia und Georg Wellendorff. Foto: Cardinale
31.03.2017

PZ-Serie „Gold im Blut“: Edler Schmuck von Wellendorff steht für Design und Wert

Die Pforzheimer Edelmanufaktur Wellendorff verknüpft ihre hochwertigen Preziosen gerne mit emotional berührenden Geschichten – zum Beispiel jene Begebenheit über die Entstehung der berühmten Gold-Kordel, die von Hanspeter Wellendorff entwickelt wurde. Demnach bewunderte Wellendorffs Ehefrau Eva während ihrer Kindheit die schweren Samtvorhänge im Haus der Großmutter. Sie waren versehen mit Seidenkordeln, die das Kind immer wieder gerne durch die Finger gleiten ließ, weil sie sich so weich anfühlten. Später hat sich Eva Wellendorff von ihrem Mann ein Collier gewünscht, das eben diese Zartheit vermitteln kann. Nach zwei Jahren Forschungsarbeit ist 1977 die Wellendorff-Kordel entstanden, die heutzutage als Ikone der Manufaktur gilt und seit nunmehr 40 Jahren hergestellt wird.

Goldfäden in 18 Karat werden in höchster Präzision und filigraner Handarbeit so zu einer perfekten Kette gewoben, dass sich beispielsweise die Haare einer Trägerin nicht in den Zwischenräumen verfangen können. Die besondere Technik der Herstellung wird als Firmen- und Familiengeheimnis gehütet. Ein Kunde aus Übersee soll einst bemerkt haben, dass Wellendorff eine neue, nämlich die dritte Dimension des Schmuckschaffens erreicht habe: nach Design und Wert sei dies das besondere Wohlgefühl des Tragens.

Der Preis für ein Collier kann sich zwischen 5000 und 50 000 Euro oder je nach Steinbesatz bei mehr als dem Doppelten bewegen. Aus Anlass des 120-jährigen Bestehens von Wellendorff im Jahr 2013 ließ das Unternehmen ein solches „Collier der Ewigkeit“ fertigen – ein Unikat. Der Wert: deutlich über 400 000 Euro.

Sinn für das Außergewöhnliche hatten schon die Gründer des Familienunternehmens. Ernst Alexander (1869–1906) und Julie (geborene Beckh, 1875–1946) Wellendorff traten 1893 mit der Vision an, perfekten Schmuck zu kreieren. Diese Träume setzten sie schnell um. Zu den Abnehmern der feinen Preziosen gehörten neben dem reichen Bürgertum der europäische Adel, der russische Zarenhof und die britische Königsfamilie. Dr. Alexander Wellendorff (1899–1984) entwickelte das unternehmerische Erbe weiter. Er bekam jedoch die Folgen zweier Weltkriege zu spüren, zuletzt aus der Bombennacht auf Pforzheim am 23. Februar 1945. 1960 übernahm der heutige Seniorchef Hanspeter Wellendorff die Geschäftsführung. Er etablierte mit dem Brillant-W das Unternehmen als Marke. Für die damalige Zeit ein mutiger Schritt, galt doch in der Branche allgemein das Prinzip, dass es im hochwertigen Segment keine Marke geben dürfe, da dies dem anspruchsvollen Kunden den Eindruck von Massenherstellung vermitteln würde. Ein Trugschluss. Viele der einst vornehmen Firmen der Oberklasse sind verschwunden. Und Wellendorff gilt inzwischen als bekannteste Manufaktur von luxuriösem Schmuck in Deutschland. Im Luxusmarkenranking 2016 der „Wirtschaftswoche“ gehört das Pforzheimer Unternehmen zu den Top-20-Marken – in bester Gesellschaft mit Namen wie A. Lange & Söhne, Glashütte Original, Porsche und Chronoswiss. Beim „Münchner Luxury Business Day“ wählten 150 Experten unter 250 Luxusmarken das Haus Wellendorff ebenfalls zu den 20 Besten. „Der Erfolg der deutschen Luxusunternehmen 2016 basiert auf den Komponenten Handwerkskunst, Ingenieurskunst und Design“, sagte ein Jury-Sprecher.

Mit dem Eintritt von Christoph und Georg Wellendorff 1991 und 1993 steht nun die vierte Generation an der Unternehmensspitze. Der ältere der Brüder ist für den Verkauf verantwortlich. Georg Wellendorff betreut die Manufaktur. 1993 wurden farbige Ringe eingeführt, die mit speziell entwickelter Kaltemaille gefertigt werden. Die Wellendorff-Herstellung verleiht dem Ring eine beeindruckende Tiefe, da der farbenfrohe Glanz zwischen graviertem Muster und Ornamenten auf bis zu drei Ebenen aufgetragen wird.

Überhaupt die Ringe: Sie sind neben der Gold-Kordel eine weitere Besonderheit in den Kollektionen der Pforzheimer Manufaktur. Jedes dieser Schmuckstücke hat mindestens einen Innenring, der drehbar ist. Auch hier ist höchste Präzision nötig. Bis zu fünf drehbare Innenteile können die Experten dieser besonderen Technik herstellen. Neben Goldschmieden beschäftigt Wellendorff unter anderem Kettenmacher, Fasser, Werkzeugmacher, Zurichter und Polisseure – jeweils Könner ihres Fachs. Nur ganz wenige, so Georg Wellendorff, können beispielsweise die Edelsteine so eng fassen wie jene begabten Handwerker der Pforzheimer Manufaktur. „Das ist die hohe Schule.“

Und wie gestaltet sich der wirtschaftliche Erfolg dieses „100 Prozent made in Germany“-Unternehmens mit kleinen Kollektionen und hoher Fertigungstiefe? Im letzten Quartal 2016 seien die Umsätze „sehr gut“ gewesen, sagte Christoph Wellendorff. Die Niedrigzinsphase hat das Geschäft offenbar noch beflügelt. Finanziell potente Kunden investieren vermehrt in werthaltige Anlagen, also auch in Wellendorff-Preziosen – in „Wahre Werte“ eben, so das Motto der Manufaktur.