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Der VW-Abgas-Skandal wird die Rückruf-Zahlen in diesem Jahr weiter nach oben treiben.  Hildenbrand
Der VW-Abgas-Skandal wird die Rückruf-Zahlen in diesem Jahr weiter nach oben treiben. Hildenbrand
24.02.2016

Peinlich für Autohersteller: Im vergangenen Jahr wurden 1,5 Millionen Autos zurückgerufen

Für Autofahrer ein großes Ärgernis, für die Hersteller eine Peinlichkeit: Auch im vergangenen Jahr mussten wieder hunderttausende Autos in die Werkstätten beordert werden – wegen defekter Airbags, fehlerhafter Keilriemen, Materialermüdung bei den Gurten oder beschädigter Bremsschläuche. Und offenkundig werden es immer mehr.

Die Liste der Mängel ist lang, die das Bundesverkehrsministerium jetzt in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen veröffentlich hat. Insgesamt waren im Jahr 2015 rund 1,5 Millionen Autos von Rückrufaktionen betroffen. Rechnet man Motorräder, Lkw und Wohnmobile noch hinzu, sind es fast 1,7 Millionen Fahrzeuge gewesen – demgegenüber waren es laut Regierung 2014 rund 1,4 Millionen, in 2013 nur rund 770.000. Das Ministerium beruft sich auf Erkenntnisse des Kraftfahrtbundesamtes. Grundlage der Rückrufaktionen ist maßgeblich das Produktsicherheitsgesetz. Sobald Hersteller oder die Behörden zur Einschätzung kommen, dass durch einen Mangel oder Produktfehler die Sicherheit gefährdet ist, muss nachgebessert werden. In den unserer Zeitung vorliegenden Listen werden daher Autobauer und deren Probleme detailliert aufgeführt. Laut Kraftfahrtbundesamt musste zum Beispiel BMW über 400.000 Autos zurückrufen, vor allem wegen Schwierigkeiten mit dem Beifahrerairbag. Auch rund 73.000 BMW-Motorräder wurden in die Werkstätten gerufen, insbesondere, weil sich das Hinterrad hätte lösen können. Opel ließ 370.000 Autos überprüfen, unter anderem auf Softwarefehler und die Gefahr des Herabfallens einer geöffneten Heckklappe. Honda zog bei knapp 200.000 Autos die Notbremse, Toyota bei 60.000 Fahrzeugen.

Der vom Abgasskandal erschütterte VW-Konzern rief insgesamt rund 30.000 Autos in die Werkstätten – laut Ministerium 8543 allein deshalb, weil die Abgaswerte nicht eingehalten wurden. Das ist freilich nur die Spitze des Eisbergs, weil die Rückrufaktionen erst jetzt anlaufen. Von den bekannteren Automarken verzeichnen vergleichsweise geringe Rückrufzahlen Skoda, Peugeot und Citroën. Alles in allem listet das Kraftfahrtbundesamt jedoch fast 60 betroffene Marken auf, von Abarth über Cadillac, Citroën, Ford, Harley Davidson bis zu Jeep, Mitsubishi, Renault und Yamaha. Auch Nobelmarken blieben letztes Jahr nicht verschont: So mussten 110 Ferrari wegen Problemen mit dem Beifahrerairbag zur Reparatur. Maserati rief 66 Fahrzeuge zurück aufgrund mangelhafter Türschlösser und nicht korrekt montierter Kabel am Startmotor, Porsche 170 Autos, unter anderem wegen „Rissbildung im Abgasstrang“.

Mehr Sorgfalt nötig

Unklar ist, inwieweit die Mängel womöglich auch zu Unfällen geführt hätten – oder sogar haben. Darüber gibt das Ministerium keine Auskunft. Für die Grünen ist die Entwicklung „besorgniserregend“. Die steigenden Rückrufzahlen sind nach Ansicht ihres Experten, Markus Tressel, auf fehlende Sorgfalt bei der Auswahl der Zulieferer zurückzuführen.