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03.02.2010

Personalabbau: Protest, aber Behr in Mühlacker profitiert

STUTTGART/MÜHLACKER. Gegen den geplanten Stellenabbau beim Stuttgarter Kühlerbauer Behr haben am Dienstag nach Gewerkschaftsangaben 1500 Mitarbeiter aus mehreren Werken des Autozulieferers protestiert.

Der Klimaanlagen- und Kühlerhersteller Behr will in Deutschland wegen der Krise in der Autoindustrie 440 Arbeitsplätze streichen oder verlagern. Insgesamt beschäftigt Behr weltweit rund 17000 Mitarbeiter. Die Standorte Mühlacker, Pforzheim und Vaihingen/Enz sind durch eine Standortvereinbarung vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Dennoch protestierten gestern auch 150 Kollegen aus Mühlacker gegen den geplanten Jobabbau im Stuttgarter Behr-Werk.

„Wir sehen unverändert keine Alternative zu den Abbauplänen, teilte Unternehmenssprecherin Stephanie Reuter gestern mit. „Das Werk Stuttgart ist nicht mehr wettbewerbsfähig.“ Durch einen massiven Umsatzeinbruch war der Stuttgarter Familienkonzern tief in die roten Zahlen gerutscht. Nach einem Minus von 70 Millionen Euro (2008) rechnet Behr im abgelaufenen Geschäftsjahr mit einem Verlust der mehr als doppelt so hoch ausfallen wird.

Produktion verlagert

Von den Personalmaßnahmen seinen in Stuttgart bis zu 200 Mitarbeiter betroffen, im sächsischen Kirchberg bis zu 90 und in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) bis zu 150 Beschäftigte. „Wir sind uns der Tragweite dieser Entscheidung bewusst“, sagte die Behr-Sprecherin. „Wir müssen die schmerzhaften Einschnitte vornehmen, um das Unternehmen aus der Krise zu führen und möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland zu retten.“ Die Produktion für Ölkühler für Pkw und von Großkühlern in Stuttgart soll im Sommer ganz geschlossen werden. Diese soll dann ins Behr-Werk Mühlacker und nach Reichenbach (Sachsen) verlagert werden. Volumenrückgänge im Fahrzeug- und Industriegeschäft hätten die Situation zusätzlich verschärft. Die Fahrzeugproduktionszahlen (Pkw und Lkw) werden auf lange Sicht nicht wieder das hohe Niveau von 2007/2008 erreichen. Aufgrund dauerhafter Überkapazitäten seien die Maßnahmen unumgänglich, betont die Behr-Geschäftsleitung. Betriebsratsvorsitzender Dieter Kiesling aus Mühlacker sieht das freilich anders: „Wir sind nur zu finanziellen Einschnitten bereit, wenn die Geschäftsleitung im Gegenzug auf Entlassungen am Standort Stuttgart verzichtet.“ In den Behr-Werken in Mühlacker, Pforzheim und Vaihingen/Enz sind aktuell noch 1750 Mitarbeiter beschäftigt. Vor der Krise waren es über 2000. Die Behr-Führung verlangt von allen Beschäftigten einen finanziellen Sanierungsbeitrag.

Es wird noch verhandelt

Kiesling kritisiert die früheren Planungen der Geschäftsleitung, wonach diese von weltweit steigenden Umsätzen auf bis zu vier Milliarden Euro ausgegangen sei. Mit nur noch 2,6 Milliarden Euro statt 3,3 Milliarden wie im Jahr 2008 sei das Unternehmen von der Krise schwer getroffen worden. Die Verhandlungen zwischen Arbeitnehmervertretern und Geschäftsführung über den Personalabbau und den Sanierungsbeitrag der Beschäftigten sollen noch im ersten Quartal abgeschlossen sein.