nach oben
Plastiktüten sollen möglichst ganz verschwinden.
Plastiktüten sollen möglichst ganz verschwinden.
30.03.2016

Pfand für (un)geliebte Tragehilfen

Berlin. Auch in Deutschland schlägt der kostenlosen Plastiktüte allmählich das letzte Stündlein. Nur nicht so schnell wie gedacht. Am 1. April sollte ursprünglich eine vom Einzelhandelsverband bereits angekündigte Selbstverpflichtung in Kraft treten, die Tüten nur noch gegen Geld abzugeben. Doch zu wenige Geschäfte machen mit. Nun erhöht Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) den Druck und droht mit der Einführung eines Zwangscents für die Kunststofftaschen.

Eigentlich sind die Tüten nicht wirklich ein deutsches Problem. In den meisten Supermärkten wird für sie hierzulande schon seit langem Geld verlangt, der Verbrauch ist bereits auf nur noch 71 pro Bürger und Jahr gesunken. Der viertbeste Wert in Europa, wo der Durchschnitt 176 beträgt. Und 50 Prozent werden recycelt. Doch die EU-Länder haben sich wegen der Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll auf das Ziel von nur noch 40 Tüten pro Kopf und Jahr bis 2025 geeinigt. Gemeint sind nur die dickeren Plastiktüten, nicht die superleichten Exemplare unter 15 Mikrometer Stärke, in die üblicherweise Obst und Gemüse eingepackt wird. In Deutschland setzt der Einzelhandelsverband HDE bei der Umsetzung auf Freiwilligkeit. Viel mehr Geschäfte als bisher sollen sich verpflichten, Geld für die Tragetaschen zu nehmen. Auch Bekleidungsläden, Elektro- und Baumärkte. Ziel: Für 80 Prozent aller Tüten soll kassiert werden, zwischen 5 und 50 Cent. Dann, so die Hoffnung, bringen die Leute eigene Taschen oder Körbe zum Einkauf mit. Doch der Verband konnte das nur für 60 Prozent der Tüten zusagen. Deswegen kam die Zielvereinbarung mit dem Umweltministerium, die ein Zwangsgesetz verhindern. soll, bisher nicht zustande.