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Vorstandsvorsitzender Jürgen Zachmann will die Vertreter der Volksbank Pforzheim an diesem Mittwoch von seinen Fusionsplänen überzeugen. Foto: Ketterl
Vorstandsvorsitzender Jürgen Zachmann will die Vertreter der Volksbank Pforzheim an diesem Mittwoch von seinen Fusionsplänen überzeugen. Foto: Ketterl
07.12.2016

Pforzheimer Volksbank-Chef Jürgen Zachmann erklärt sich den Vertretern

Vonseiten des Vorstandes der Volksbank Pforzheim wird das Thema „Fusion mit der Karlsruher Volksbank“ nach innen wie außen weiter sehr zurückhaltend kommuniziert. So wollte der Pforzheimer Vorstandschef Jürgen Zachmann gegenüber der „Pforzheimer Zeitung“ keine weiteren Informationen zum Fortgang des Fusionsprojektes geben. Am Mittwoch werden zumindest die geladenen Vertreter des genossenschaftlichen Instituts in einer Infoveranstaltung über den Stand der Sondierungsgespräche informiert.

An der Sitzung, in der es in erster Linie um die aktuelle Geschäftsentwicklung geht, wird ein Großteil der mehr als 150 stimmberechtigten Vertreter teilnehmen. Die entscheidende Vertreterversammlung wird aber erst im Frühsommer 2018 stattfinden, wenn das Fusionsgutachten auf dem Tisch liegt.

Ein Insider der Volksbank Pforzheim erklärte gegenüber der PZ, dass der Vorstand die Vertreter heute eigentlich über einige wichtige Sachverhalte informieren müsste. So sei bekannt, dass der zustimmungspflichtige Baden-Württembergische Genossenschaftsverband bereits grünes Licht für die Fusion der Karlsruher und Pforzheimer Volksbank gegeben habe. Man wolle da keine Steine in den Weg legen, wurde aus dem Umfeld von Verbandspräsident Roman Glaser bekannt. Zudem sei die Fusion der beiden Geldinstitute bereits zum 1. Januar 2018 beim finanztechnisch zuständigen Rechenzentrum vorgemerkt worden. Dies, so der Insider zur PZ, tue man sicher nicht, wenn die Fusionsgespräche noch im Anfangsstadium seien, wie mehrfach vom Vorstand der Volksbank Pforzheim betont wurde.

„Schon weit gekommen“

Im Gegenteil: Man sei bereits „weit gekommen“, heißt es. So gelte als gesichert, dass der künftige Hauptsitz der fusionierten Bank Karlsruhe sein werde. Als Vorstandsmitglieder werden genannt: Jürgen Zachmann (Vorsitz), René Baum (beide Pforzheim) und Andreas Lorenz (Volksbank Karlsruhe).

Als schwierig gelte die berufliche Lage für Bereichsleiter und die zweite Führungsebene der beiden Volksbanken. Da deren Positionen im Falle einer Fusion doppelt besetzt wären, solle sich jeder auf seine bisherige Stelle neu bewerben. Die Entscheidung falle dann in einem Assessment-Center. Das sorgt für Verunsicherung.

Ein Aufsichtsratsmitglied sieht den ganzen Prozess ziemlich entspannt. Die Überlegungen seien auch durch die Altersstruktur ausgelöst worden, denn Vorstandsmitglied Fritz Schäfer wird 63 (und scheidet bis zur Fusion aus) und Aufsichtsratschef Gerhard Bossert werde nächstes Jahr mit 72 Jahren altersbedingt ausscheiden, so der Aufsichtsrat. Er sieht zudem kein „Stressszenario“ – macht sich auch keine Sorgen wegen einem Verlust an regionaler Identität. Auch die Einbindung kleinerer Enzkreis-Banken hätte die Volksbank Pforzheim in diesem schwierigen Umfeld nicht weitergebracht. Es geht um eine zukunftsfähige Aufstellung. „Ob dann die Bilanzsumme 2,9 oder 3,2 Milliarden Euro beträgt, ist letztlich egal.“ Er sieht keine Gefahr, dass die Zustimmung der Vertreterversammlung mit 75 Prozent nicht erreicht werden könnte.

Einer der Volksbank-Vertreter, der ungenannt bleiben möchte, sieht ebenfalls eine große Notwendigkeit für eine Fusion. „Die Bank muss wieder Stärke zeigen“, so der Unternehmer. Er werde sich aber vehement dagegen stemmen, wenn die Volksbank Pforzheim künftig nur noch Filiale von Karlsruhe sein sollte.

Admedes-Geschäftsführer Frank Nauheimer, auch Vertreter, würde eine Fusion begrüßen. Er betont aber auch die Wichtigkeit der regionalen Verbundenheit zwischen Kunden und Bank. Im Falle eines Volksbank-Hauptsitzwechsels nach Karlsruhe meint er, dass die Pforzheimer Volksbankkunden damit ganz sicher ein Problem hätten. Von der heutigen Vertreter-Veranstaltung erwartet Nauheimer „klare und ehrliche Informationen über den tatsächlichen Stand der Verhandlungen“.

Im VolksbankHaus hatte jüngst der für die Pforzheimer Mitarbeiter überraschende Besuch der Karlsruher Vorstandschaft für zusätzlichen Gesprächsstoff gesorgt. Außerhalb des VolksbankHauses heißt es aus Bankenkreisen, Vorstandschef Zachmann habe die gesamte Belegschaft vor den Kopf gestoßen – auch führende Mitarbeiter der zweiten Ebene seien zu spät informiert worden. Gegenüber der PZ hatte Zachmann Indiskretionen auf Karlsruher Seite beklagt, wollte sich aber zum aktuellen Stand der Sondierungsgespräche nicht äußern.

Karlsruhe habe mittelfristig das größere Potenzial – deswegen werde die künftige Führungsriege wohl in Karlsruhe residieren, heißt es. Der Standort Pforzheim verliere dadurch an Identität. Kurioserweise schere sich die Politik samt Industrie- und Handelskammer nur wenig um die Fusionspläne, so ein Banker.

Gegen Personalabbau

Der gewählte Volksbank-Vertreter Udo Kaupisch kann nicht beurteilen, ob die Fusion wirtschaftlich notwendig sei und es bei der Größe der Volksbank sein müsse. „Aber“, so der frühere Rektor der Brötzinger Schule weiter, „wenn Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze verlieren, was durch die Synergieeffekte einer Fusion immer auch passiert, dann bin ich gegen die Fusion.“ Seine erste Frage sei gewesen: „Warum keine Fusion mit den Banken im Enzkreis?“ Eine fusionierte Volksbank mit Sitz in Karlsruhe wäre ein weiterer Schritt, dass Pforzheim in seiner Bedeutung nach hinten rücke. „Wenn überhaupt Fusion, dann mit den Banken im Enzkreis. Ein Zusammenschluss, bei dem ein Geschäftsgebiet übersprungen wird, macht aus meiner Sicht keinen Sinn“, so Kaupisch.

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