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Befürworter der Genossenschaften: Winfried Kretschmann (Grüne). Hanselmann
Befürworter der Genossenschaften: Winfried Kretschmann (Grüne). Hanselmann
06.10.2015

Plädoyer für gelebte Ökonomie

Welche Unternehmensform hat die mit Abstand geringste Insolvenzquote? Antwort von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne): „Die Genossenschaft. Sie ist so etwas wie eine ökonomisch gelebte Zivilgesellschaft.“

Roman Glaser, Präsident und Vorstandsvorsitzender des baden-württembergischen Genossenschaftsverbandes (bwgv), wird konkret: „Es sind gerade mal 0,1 Prozent.“ Und mehr war es auch nicht im Jahr der Finanzkrise 2009 mit seiner hohen zweistelligen GmbH-Insolvenzquote.

„Genossenschaften sind gelebte soziale Marktwirtschaft“, sagt Glaser. Und Kretschmann stellt fest: „Das genossenschaftliche Geschäftsmodell ist ein Erfolgsmodell, das sich – gerade auch in Krisenzeiten – bewährt hat.“ Der Ministerpräsident hat anlässlich der Feiern und Veranstaltungen im ganzen Land zum 150. Bestehen der Genossenschaften in diesem Jahr die Schirmherrschaft übernommen. Er sprach beim Zukunftsforum im Stuttgarter Geno-Verbandshaus zu Vertretern aus Politik und Wirtschaft.

Während landläufig vor allem die Volks- und Raiffeisenbanken mit dem genossenschaftlichen Modell in Verbindung gebracht werden, macht der bwgv-Präsident deutlich, dass darüber hinaus „jeder Baden-Württemberger praktisch täglich und beinahe zu jeder Tageszeit mit Genossenschaften zu tun hat“. Beispiele der vielfältigen Betriebe, die mit dem „eG“ für eingetragene Genossenschaft agieren: Bäckereien, Fleischerei- und Gastronomiebetriebe, Schülergenossenschaft zum Betrieb einer Mensa, Holzhandel und Logistik sowie Winzer, Dorfläden, Schwimmbäder und Kinos, nicht zuletzt auch Wohnraumanbieter wie die Baugenossenschaft Arlinger in Pforzheim – um nur einige zu nennen. Zu den bekannten genossenschaftlichen Schwergewichten im Handel gehören die Verbundgruppe Intersport sowie Euronics, eine Einkaufsgemeinschaft für Elektrogeräte.

Unterdessen steigt die Zahl der Genossenschaftsgründungen laut Glaser beständig: „In den vergangenen zehn Jahren sind allein in Baden-Württemberg 250 neue Genossenschaften gegründet worden.“ Im Zuge der Energiewende gibt es laut bwgv vor allem genossenschaftliche Startups im Bereich Erneuerbare. Die erste Energiegenossenschaft im Enzkreis entstand in Engelsbrand. Die nach eigenen Angaben größte Energiegenossenschaft im Landkreis ist die „Bürger-Energie Region Mühlacker“. Diese Unternehmensform spiele gerade bei der Energiewende „eine bedeutende Rolle“, erklärt Guido Wolf beim bwgv-Zukunftsforum. Der Landtagsfraktionsvorsitzender der CDU Baden-Württemberg und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2016 schätzt im Übrigen an den Genossenschaftsbanken – ebenso wie an den öffentlich-rechtlichen Sparkassen – „die regionale Präsenz“. Diese Kundennähe sei ein hohes Gut.