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Kanzlerin Angela Merkel (Mitte) lässt sich ein Autorenn-Computerspiel erklären. Foto: Berg
Kanzlerin Angela Merkel (Mitte) lässt sich ein Autorenn-Computerspiel erklären. Foto: Berg
Wenn die Figur zum Mensch wird: Cosplayer in Köln. Foto: Berg
Wenn die Figur zum Mensch wird: Cosplayer in Köln. Foto: Berg
Auch dieses Jahr ein Renner: die Virtual-Reality-Brille. Foto: Berg
Auch dieses Jahr ein Renner: die Virtual-Reality-Brille. Foto: Berg
23.08.2017

Politiker entdecken den Spielemarkt - Gamescom gestartet

Köln. Die Gamescom in Köln steht im „Fadenkreuz“ der Politik. Doch anders als noch vor rund zehn Jahren geht es nicht mehr darum, böse „Ballerspiele“ zu brandmarken. Die Spielebranche wird von den Politikern zunehmend als Wirtschaftsfaktor anerkannt, aber auch die gesellschaftliche und innovative Kraft der Spiele selbst. Erstmals eröffnete deshalb Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestern offiziell die Spielemesse und strich dabei explizit die Bedeutung digitaler Spiele heraus.

350 000 Besucher erwartet

Sie seien „Kulturgut, Innovationsmotor und Wirtschaftsfaktor von allergrößter Bedeutung“, sagte die Kanzlerin. Die Branche bezeichnetet sie als „starken Pfeiler der deutschen Wirtschaft“. „Deshalb bin ich auch nach Köln gekommen, um der Branche meine Reverenz zu erweisen.“ Bis zum Samstag wird sich in den Messehallen sowie verteilt in der Domstadt alles rund ums Spielen drehen. Rund 350 000 Fach- und Privatbesucher werden erwartet.

Computerspiele machten Menschen zu digitalen Entdeckern und Tüftlern, sie seien die IT-Fachkräfte von morgen, sagte Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbands BIU. Deutschland sei ein starker Games-Markt, doch bei den hierzulande produzierten Spielen habe man das Nachsehen. „Wir brauchen jetzt die richtigen Rahmenbedingungen.“ Erfreut zeigte sich Falk von dem großen Zuspruch auch von Bundestagsabgeordneten, die sich für eine bessere Entwicklungsförderung ausgesprochen haben. Bis zum Samstag haben sich zahlreiche Vertreter für einen Rundgang angemeldet. „Wir wollen „Games made in Germany“ zu einem echten Erfolgsschlager machen.“

Auf der Gamescom seien dieses Jahr „so viele Politiker wie noch nie“, weil sie erkannt hätten, „dass das zum Leben der Menschen gehört“, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Games seien auch Kultur und gehörten dazu wie Filme im Kino und Konzerte im Radio. Das habe sich in den vergangenen acht bis zehn Jahren deutlich verändert. Es gehe nicht mehr um die Diskussion von Kriegsspielen. „Und viele werden nun denken, dass das doch was seriöses ist, wenn auch die Bundeskanzlerin dahin geht.“ Die ganz großen Hersteller kämen aber nicht aus Deutschland. Laschet will deshalb auch das Land Nordrhein-Westfalen zu einem attraktiven Standort für Entwickler weiter ausbauen.

Förderprogramme im Visier

Die Wünsche der Branche stießen bei Merkel auf offene Ohren. Es gebe bereits eine ganze Reihe von Förderprogrammen, die Spieleentwickler nutzen könnten. „Wir sind aber nicht Spitzenreiter.“ Deshalb wolle sich die Bundesregierung ganz genau anschauen, was etwa das Gamescom-Partnerland Kanada oder auch Frankreich und Polen machen, deren Förderungskonzepte als vorbildlich gelten. „Wir wollen in der nächsten Legislaturperiode alle Akteure zusammenbringen, um auch den deutschen Entwicklern vernünftige Möglichkeiten zu bieten.“ Sie werde auf jeden Fall die Entwicklung weiter verfolgen und – spielte sie auf die Bundestagswahl an – „mal sehen, was passiert, vielleicht auch weiter mitgestalten“.