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Vor zehn Jahren meldete Porzellanhersteller Rosenthal Insolvenz an. Foto: Ebener
Vor zehn Jahren meldete Porzellanhersteller Rosenthal Insolvenz an. Foto: Ebener
09.01.2019

Porzellan liegt im Öko-Trend: Hersteller wollen vom Verzicht auf Plastikgeschirr profitieren

Nürnberg. Dass viele Verbraucher inzwischen auf Kaffeebecher aus Pappe verzichten, ist aus Sicht des Bundesverbands der Keramischen Industrie eine Chance für die Porzellanbranche. Der Cappuccino zum Mitnehmen müsse „nicht in einem Wegwerf-Produkt genossen werden. Hier gibt es auch kreative Produkte aus Keramik“, sagt Verbandssprecher Christoph René Holler.

Um sich die zunehmende Vorliebe der Verbraucher für nachhaltige Kaffeebecher zunutze zu machen, setzten die Hersteller auf neue Designs und Innovationen. Gleiches gelte für Einwegteller aus Kunststoff. Dies werde sich für Geschirrhersteller positiv auswirken.

In den 1990er-Jahren bis in die 2000er ging die Branche durch eine Krise. Absätze gingen zurück, Arbeitsplätze verloren. Viele Betriebe mussten komplett aufgeben. Am 9. Januar ist es genau zehn Jahre her, dass der bekannte Porzellan-Hersteller Rosenthal mit Sitz im oberfränkischen Selb Insolvenz anmelden musste.

Ein Grund für den Strukturwandel: der Import billiger Waren aus Asien. Zudem seien aus den deutschen Innenstädten „Stück für Stück die vielen Haushaltswaren-Einzelhandelsgeschäfte und der Porzellanfachhandel“ verschwunden, erklärt Holler.

2009 begann das Insolvenzverfahren bei Rosenthal. Die Rettung kam aus Italien: Der Haushaltswaren-Hersteller Sambonet Paderno kaufte das Unternehmen. Seitdem wurden Prozesse optimiert, in die Fertigung sowie in ein neues Outlet-Center in Selb wurde investiert und das Unternehmen verschlankt, wie Rosenthal-Geschäftsführer Gianluca Colonna berichtet. 2017 lag der Umsatz indes nach seinen Angaben bei rund 76 Millionen Euro – deutlich weniger als im Vorjahr (84,6 Millionen Euro). Colonna hofft nun auf mehrere gesellschaftliche Trends. „Mit dem Boom der Kochsendungen und des Bio-Trends hat auch die Bedeutung von Porzellan als Bühne für gutes Essen wieder zugenommen“, meint er. Bei Kunden spielten zudem „handwerkliche Finesse“ und die Tatsache eine Rolle, dass Teller, Tassen und Schüsseln in Deutschland produziert werden.

Auch die Porzellan-Manufaktur Meissen aus Sachsen will sich wieder auf ihre Kernkompetenz konzentrieren. Das Unternehmen hatte 2017 einen Fehlbetrag von rund 5,2 Millionen Euro verbucht, der Verlust fiel aber geringer aus als im Vorjahr.

Der Keramikverband sieht Chancen für die gesamte Branche: Insbesondere in der Hotellerie, bei Gaststätten, aber auch in Krankenhäusern und Senioren-Wohnanlagen. Herausforderungen gibt es jedoch genug. Zum Beispiel, dass viele Menschen Waren lieber im Internet bestellen als in der Innenstadt einzukaufen – und das bei Billiganbietern aus Asien.