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Die Grundlage für die Häkelbotties von Isabelle Possehl bildet die stabile Sohle. WARZECHA
Die Grundlage für die Häkelbotties von Isabelle Possehl bildet die stabile Sohle. WARZECHA
09.03.2018

Possehl und ihre Häkelbotties stehen für Individualität und modische Accessoires

An frischen Sommerabenden zieht man sie über Sandalen, im Winter kommen sie als bequeme Hausschuhe zum Einsatz. Das ist die Geschäftsidee von Isabelle Possehl für ihre Häkelbotties. Die Sohlen bestehen aus einem flexiblen, jedoch robusten und langlebigen Material, das auch den Einsatz vor der Haustür erlaubt.

Sie sind bei ihr im Online-Shop oder im ausgesuchten Versandhandel erhältlich und bedienen die Damen-Größen von 37 bis 42. Weitere Größen und Anleitungen für verschiedene Handarbeitstechniken sind geplant.

Dabei geht es immer darum, dass die Kundin – größtenteils Frauen zwischen 25 und 65 Jahren – ihre Botties selber erstellt. Mit handelsüblicher Wolle kann sie direkt loshäkeln. Das Garn wird mit der Sohle verbunden und dann eine Reihe nach der anderen gehäkelt, bis die gewünschte Schafthöhe erreicht ist.

Bereits in den Jahren 2007 und 2008 hatte Possehl die Idee, ihre Häkelschuhe zu kreieren. Zu dieser Zeit befand sich die heute 34-jährige Designerin und Gründerin im Auslandssemester in Kanada. Dieses war Teil ihres Studiums der Visuellen Kommunikation an der Pforzheimer Hochschule für Gestaltung (HSPF). Nach ihrem Auslandsaufenthalt wählte sie einen Kurs im Fachbereich Modedesign, um intensiv am Schuhkonzept weiterzuarbeiten. Erfolgreich, wie sich herausstellte, denn prompt erhielt die engagierte und agile Gründerin vom Hauptverband der Schuhindustrie für ihr Schuhkonzept eine Auszeichnung. Prämiert wurden bei dem Wettbewerb „Footwear Fashion Future Award“ studentische Konzepte, welche die Zukunft der Schuh-Branche vorstellten. Possehl belegte dabei den zweiten Platz. Auch ihr Netzwerk erweiterte sich. Aktuell hat sie ihr Konzept serienreif weiterentwickelt, was ihr auch seinerzeit durch Geldmangel und unternehmerischer Erfahrung verwehrt wurde.

Zweites Projekt am Start

Warum ihre Botties ihr zweites Start-Up und erst jetzt am Start sind, liegt daran, dass sich Possehl zusammen mit einer Geschäftspartnerin um das erste Standbein, das Design-Studio DMBO, kümmert. Wie das kleine Büro, in dem ihre Botties gelagert sind und der Vertrieb stattfindet, ist auch das Designstudio in der Hohenzollernstraße in der Pforzheimer Nordstadt angesiedelt. 2009 hatte sie das Studio gegründet, seitdem haben sich daraus zwei verschiedene Bereiche herausgebildet, der der TapeArt und der der Visuellen Kommunikation. „Ich fühle mich als Unternehmerin und brenne für jedes einzelne Unternehmen“, sagt Possehl und strahlt dabei. Trotz ihres Engagements kommt ihre Familie dabei nicht zu kurz. Ihre Mutter und eine Mitarbeiterin unterstützen sie beim Vertrieb und der Weiterentwicklung der Botties. An zwei Nachmittagen in der Woche nimmt sie sich Zeit für ihre beiden Kinder. Die vielseitige Gründerin hat sich überdies vielfach in und für Pforzheim engagiert, zum Beispiel bei der Initiierung des inzwischen im EMMA-Kreativzentrum stattfindenden Formats „Creative After Work“ oder 2010 bei der Aktion „Who the f*** is Pforze?“. Sie selbst stammt aus Sindelfingen und ist nach dem Studium in Pforzheim geblieben. Liebevoll nennt sie es „Pforzelona.“ Was macht für sie den Reiz der Stadt aus? „Der Standort ist insgesamt super.“

Pforzheim hat viele schöne Plätze

„In der Goldstadt schlummern viele Potenziale, die viele gar nicht wahrnehmen. Besonders viele schöne Plätze, wo so viel Liebe und Leidenschaft drin stecken: schöne Cafés, ein tolles Theater, viele Feste wie das OechsleFest und der Weihnachtsmarkt. Man kennt sich hier“, so Possehl. Die Stadt sei einfach überschaubar und punkte mit einer richtig guten Hochschule. „Vielleicht habe ich nur Glück, aber ich kann nichts Schlechtes dran finden. Es gibt soziale Brennpunkte, aber wo gibt es die nicht?“ Es gebe auch architektonische Fehlschläge. „Selbst die vielen Baustellen bringen einen nur weiter“, sagt die Designerin und regt an, in der Stadt den Schwerpunkt ein bisschen mehr aufs Design zu legen und auch mehr in Richtung Stadtmarketing sowie internationale Vermarktung zu tun, um die Goldstadt noch ein Stückchen attraktiver zu machen.

www.botties.de www.dmbo.de