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Pulsierendes Leben in einer Einkaufsmeile von Tokio. EHV
Pulsierendes Leben in einer Einkaufsmeile von Tokio. EHV
03.11.2015

Präsident des Einzelhandelsverbands in Japan: Einkaufen rund um die Uhr

Pforzheim. „Ich habe das Land völlig unterschätzt“, sagt Horst Lenk. Der Präsident des baden-württembergischen Einzelhandels ist total begeistert von Japan, dem Ziel einer Delegationsreise von 14 Unternehmern aus dem Südwesten.

„Das Land und seine Bewohner strahlen eine unglaubliche Sympathie aus.“ Der Einzelhandel habe in Japan eine enorme Bedeutung für die Menschen, fasst der Pforzheimer Kaufmann die vielfältigen Eindrücke nach seiner Rückkehr aus Tokio, Kyoto und Osaka zusammen.

„Die führenden Fachgeschäfte sind sensationell aufgestellt.“ Beeindruckend sei vorallem die Präsentation der Waren. Gegen die Mega-Kaufhäuser „Isetan“ und „Mitsukoshi“ in Tokio sei selbst das KaDeWe in Berlin nur ein kleiner Einkaufstempel. Neun Millionen Menschen leben in den 23 Stadtbezirken Tokios und die meisten davon scheinen einzukaufen. „Tokio hat 24 Stunden geöffnet“, so Lenk. Auffallend sei dabei die Fülle des Angebots und die hohe Personaldichte in den Ladengeschäften. Die Verkaufswelten seien vielseitig gestaltet – von Billig bis Luxus, darunter auch bekannte Filialisten wie „family mart“ und „Seven Eleven“.

Doch bei aller Servicebereitschaft sei Japan auch das Land der Automaten, die überall zu finden sind und die Menschen mit Snacks, Getränken und Süßigkeiten versorgen. Aufgrund der knappen Flächen im Land sind viele Geschäfte auch unterirdisch. „Japaner kaufen unter der Erde ein“, so Lenk. Dort findet man neben Lebensmitteln auch Elektronikartikel, Fahrräder und Bekleidung. Da die meisten Großstädter nur kleine Wohnungen ohne Keller und Vorratsräume haben, werden die meisten Lebensmittel in kleinen Mengen frisch gekauft und sofort verzehrt. „Die Auswahl an Gemüse, Obst und Fisch sowie an fertigen, portionierten Speisen ist gewaltig.“ Auch die Lokale seien abends brechend voll.

Auffallend sei die Disziplin und der freundliche Umgangston der Japaner, die überwiegend gut gekleidet und hilfsbereit erschienen, betont Lenk. Leider werde die deutsche Wahrnehmung Japans noch immer von der Reaktorkata-strophe in Fukushima überschattet. Ein gravierendes Problem der drittgrößten Volkswirtschaft sei sicherlich die Überalterung.