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Ein Steinzeugrohr wird für die Nachwelt mit Baudaten, Firmenprospekt, Euro-Münzen und der PZ bestückt (von links): Reinhard Trautz mit Andreas, Renate, Marcel Kramski und Sabine Torres-Kramski, Rudolf Harsch und Wiestaw Kramski. Foto: Ketterl
Ein Steinzeugrohr wird für die Nachwelt mit Baudaten, Firmenprospekt, Euro-Münzen und der PZ bestückt (von links): Reinhard Trautz mit Andreas, Renate, Marcel Kramski und Sabine Torres-Kramski, Rudolf Harsch und Wiestaw Kramski. Foto: Ketterl
29.09.2017

Präzisionstechnik-FirmaKramski investiert sieben Millionen Euro

Pforzheim. Grund zur Freude – oder eher Glück im Unglück. Mit gemischten Gefühlen feierte gestern die Pforzheimer Präzisionstechnik-Firma Kramski den Spatenstich für ein neues Gebäude. Kramski investiert sieben Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte ein technischer Defekt an einer Erodiermaschine zu einem Großbrand im Werkzeugbau – dem Herzstück des Familienunternehmens – geführt. Mit fatalen Folgen: Nicht nur die 43 Werkzeugmaschinen wurden durch den Brand stark beschädigt – auch die Stanztechnik und weitere Bereiche wurden verrußt und mit einer giftigen Staubschicht überzogen. Mit bis zu 200 Mitarbeitern unter Atemschutz mussten die teuren Anlagen von Spezialfirmen tagelang gereinigt werden.

Der Gesamtschaden lag zwischen 15 und 17 Millionen Euro. „Wäre der Brand eine Stunde später entstanden, hätten wir ihn wohl mit einem kleinen Feuerlöscher ersticken können“, erinnert sich Wiestaw Kramski, der das Unternehmen 1978 gründete. Als die ersten Mitarbeiter zur Frühschicht kamen, war das Gebäude bereits komplett verraucht.

Für den Werkzeugbau war ein Abriß erforderlich. Der Spatenstich auf dem Firmengelände auf der Wilferdinger Höhe sei gewissermaßen aus der Not heraus entstanden. „Umso mehr erinnert er uns daran, dass sich mit Mut und engagierter Zusammenarbeit selbst unerwartete Herausfordergen in echte Chancen verwandeln lassen“, sagte Kramski. Mit Zweigwerken in den USA, Sri Lanka und Indien sei die Unternehmensgruppe breit aufgestellt. Das habe sich in diesem Fall einmal mehr ausgezahlt, weil alle an einem Strang zogen, um Produktionsausfälle zu vermeiden. Trotz des Brands und der vorübergehenden Produktionseinschränkungen habe man alle Kunden rechtzeitig beliefern können, betonte der Firmengründer, der heute Geschäftsführer der Kramski-Holding ist.

„Die Neuausrichtung unseres Werkzeugbaus, der zwischenzeitlich ins Technologie- und Ausbildungszentrum ausgewichen musste, begreifen wir als Chance,“ ergänzte Geschäftsführer Andreas Kramski. „Wir werden das Bauprojekt nutzen, um unsere Fläche um mehr als das Doppelte zu vergrößern, unseren Maschinenpark zu modernisieren und eng kooperierende Bereiche zusammenzulegen.“

Jährlich verlassen fast drei Milliarden Präzisionsteile der Stanz- und Spritzgießtechnologie die Produktionsstätten. 1984 wurde in Birkenfeld der erste firmeneigene Neubau bezogen. Schon damals war die Firma Harsch aus Bretten der verlässliche Partner. Der erste Spatenstich für den Werkzeugbau in Pforzheim erfolgte am 1. Oktober 1998. Damals beschäftigte Kramski 78 Mitarbeiter und weitere 60 im Zweigwerk auf Sri Lanka. „Der Umsatz betrug damals gerade mal 20 Millionen D-Mark“, erinnert sich Kramski. Ein zweiter Spatenstich in der Goldstadt folgte im Mai 2005 für die Kunststoff-Metall-Produktion. Zu diesem Zeitpunkt zählte das Familienunternehmen bereits 129 Beschäftigte, die 14,6 Millionen Euro erwirtschafteten. Auch der Baufirma Harsch wurde nicht langweilig: Im April 2013 gab es den nächsten Spatenstich bei Kramski für das SAP-gesteuerte Logistikzentrum. Damals 274 Mitarbeiter in Pforzheim, Umsatz 51 Millionen Euro. Weltweit beschäftigte Kramski schon 577 Mitarbeiter. „Heute sind es 862 und der Gruppen-Umsatz konsolidiert beträgt 104 Millionen Euro“, bezifferte Wiestaw Kramski.

350 Betonfertigteile mit einem Gesamtgewicht von 4000 Tonnen würden benötigt, um den Neubau zu errichten, erläuterte Harsch-Senior-Prokurist Reinhard Trautz, der bereits den siebten Neubau von Kramski begleitet und eigentlich längst in Rente wäre. „Das ist jetzt mein letzter Spatenstich“, betonte er. Der Einzug ist für Juni 2018 geplant.