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Es dürfte ein schwieriger Prozess werden gegen die Gründer von S&K.  Dedert
Es dürfte ein schwieriger Prozess werden gegen die Gründer von S&K. Dedert
25.09.2015

Prozess gegen die Immobiliengruppe S&K gerät gleich ins Stocken

Vor dem Frankfurter Landgericht hat eine beispiellose juristische Materialschlacht begonnen. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Betrüger rund um die Immobiliengruppe S&K sprengt selbst bei der wirtschaftserfahrenen Frankfurter Justiz alle bislang bekannten Dimensionen. In einer Flut von Papier und Paragrafen spielen die Interessen der rund 11 000 direkt geschädigten Anleger nur eine untergeordnete Rolle.

Ob die Staatsanwälte den sechs Angeklagten eine individuelle Schuld nachweisen können, wird sich wohl erst in zwei bis drei Jahren zeigen.

Schon bis zum gestrigen Prozessbeginn vergingen seit der bundesweiten Razzia im Februar 2013 zwei Jahre und sieben Monate. 100 Terabyte Daten sind in dem Konglomerat von mehr als 150 ineinander verschachtelten S&K-Firmen angefallen, zur Auswertung mussten sich die Staatsanwälte Unterstützung von privaten Wirtschaftsprüfern holen. Herausgekommen sind über 1000 Ordner Ermittlungsakten und eine Anklageschrift mit exakt 3150 Seiten.

Davon müssen im Gerichtssaal mehr als 1700 Seiten „Anklagesatz“ verlesen werden, was wohl Wochen dauern wird. Die Liste der konkreten Vorwürfe diene laut Strafprozessordnung der Information der Prozessbeteiligten und der Öffentlichkeit, sagt Landgerichtssprecher Werner Gröschel. Gleichzeitig würden die aufgelisteten Fälle gegen andere mögliche Tatbestände abgegrenzt. Dass in dieser Informationsflut am Ende kaum noch jemand den Überblick hat, scheint dem Juristen unvermeidlich. „Die mehr als 100 Jahre alte Strafprozessordnung ist halt nicht für Fälle wie S&K gemacht.“

Den sechs Angeklagten um die Firmengründer Stephan S. (36) und Jonas K. (34) drohen bis zu 15 Jahre Haft wegen Betrugs und Untreue. „Die sollen zur Höchststrafe verurteilt werden“, findet die geprellte Anlegerin Birgit Rostek aus Fritzlar, die mit ihrem Lebenspartner eine fünfstellige Euro-Summe verlor. Der Blutdruck sei ihr hochgeschossen, als sie „die jungen Schnösel“ auf der Anklagebank gesehen habe, erzählt die 60 Jahre alte Frau. „Und wenn die dann rauskommen, sind die immer noch jung und können sich mit dem beiseite geschafften Geld ein schönes Leben machen.“

Viele Anleger werden leer ausgehen, denn dem angenommenen Schaden von mindestens 240 Millionen Euro stehen nur beschlagnahmte Vermögenswerte von rund 55 Millionen Euro gegenüber. Doch im Frankfurter Strafprozess geht es ausschließlich um die Schuld der Angeklagten. Strafverteidiger Ulrich Endres lässt keinen Zweifel daran, dass seine Kollegen und er die Möglichkeiten die Strafprozessordnung ausreizen werden. Geständnisse sind also vorerst nicht zu erwarten. Der Vorsitzende Richter Alexander El Duwaik und vertagt die Sitzung kurz nach dem Auftakt.