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Anja Maisch (links) und Rebekka Sanktjohanser beraten Existenzgründer. Seibel
Anja Maisch (links) und Rebekka Sanktjohanser beraten Existenzgründer. Seibel
15.01.2016

Rebekka Sanktjohanser und Anja Maisch: „Neue Gründer braucht das Land“

Der Nordschwarzwald braucht mehr Gründergeist. Deshalb startet die PZ in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) eine neue Serie. In regelmäßigen Abständen werden erfolgversprechende Projekte aus Pforzheim und der Region in Wort und Bild vorgestellt.

Zur Einstimmung auf die PZ-Serie „Die Existenzgründer“ sprachen wir mit den IHK-Beraterinnen Rebekka Sanktjohanser und Anja Maisch über Hilfe für Existenzgründer und kapitale Fehler, die es zu vermeiden gilt.

Wie hat sich die Gründermoral in den vergangenen Jahren in der Re-gion Nordschwarzwald entwickelt?

Neue Gründer braucht das Land. Der Nordschwarzwald konnte sich leider nicht vom deutschlandweit rückläufigen Trend abheben. Eine wesentliche Ursache liegt sicherlich in der nahezu vorhandenen Vollbeschäftigung. Die verhindert, dass kompetente Fachkräfte sich mit dem Thema Selbstständigkeit beschäftigen. Wir hoffen, dass durch die PZ-Gründerserie ein zusätzlicher Auftrieb für die regionale StartUp-Szene erzeugt wird.

Was unternimmt die IHK, um einen regionalen Gründer-Boom zu fördern?

Zum Standardrepertoire gehören unsere Existenzgründer-Sprechtage, die gut angenommen werden. Neben dem Veranstaltungsort IHK-Haus finden diese auch im Innotec, im Kreativzentrum EMMA oder auch in Mühlacker statt. Hinzu kommen zahlreiche Veranstaltungen wie die regelmäßigen Business-Frühstücke, die NewKammer-Abende für neue Kammermitglieder oder der Elevator Pitch. Weitere Angebote sind unsere Gründungswerkstatt, ein kostenfreies Software-Tool zur Erstellung eines Business Plans oder auch die XING-Plattform der IHK für Gründer und Jungunternehmer. Das gesamte Angebot finden Interessierte auf unserer Homepage. Zudem versuchen wir bereits frühzeitig für die Alternative Selbstständigkeit zu sensibilisieren. Wir sind an den weiterbildenden Schulen und an den Hochschulen der Region mit Informationsveranstaltungen und Vorlesungen aktiv.

Was sind die aktuellen Trendbranchen?

Bei uns in der Region Nordschwarzwald machen sich die meisten Gründer mit Dienstleistungen, Informationstechnik oder in der Gastronomie selbstständig.

Welche Unterstützung gibt es konkret für Existenzgründer?

Nach dem Gründersprechtag stehen wir auf Anforderung auch für kostenfreie Einzelberatungsgespräche zur Verfügung. Inhalte sind häufig der Business Plan, die Finanzierung aber auch die Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Risiken des geplanten Unternehmens. Ein Schwerpunkt sind regelmäßig die öffentlichen Förderprogramme sowohl für Finanzierung als auch für externe Beratung. Die Juristen der IHK leisten zudem auch individuelle Unterstützung im rechtlichen Bereich.

Was sind die Kardinalfehler bei einem Neustart?

Die können ganz unterschiedlich sein. Sehr häufig macht sich der Gründer zu wenig Gedanken zu seiner Geschäftsidee. Die ganz großen Innovationen können nur wenige bieten. Also gilt für die Vielzahl der Jungunternehmer, dass sie sich gegen bestehenden Wettbewerb durchsetzen müssen. Wenn er weiß und andere davon überzeugen kann, warum ein Kunde gerade bei ihm kaufen soll, dann hat er schon eine wesentliche Hürde genommen. Weitere Kardinalfehler sind, dass die Gründer-Idee gar nicht oder nicht nachvollziehbar in einem Businesplan niedergeschrieben ist und dass keine ausreichende Vorbereitung auf das Bankgespräch erfolgt.

Gibt es besonders erfolgreiche Jungunternehmer im Nordschwarzwald?

Natürlich kann auch die Region mit erfolgreichen Jungunternehmern aufwarten. Der eine oder andere ist ja gerade im vergangenen Jahr schon mit Bundes- oder Landespreisen ausgezeichnet worden. Da sind an erster Stelle Christopher Fuhrhop von Restube und Rico Tischer von Küche & Co. zu nennen. Aber auch Michael Feicht und Eduard Sabelfeld von Free-Linked GmbH und Tobias Danzer mit Nox the Robot sind sehr erfolgreich unterwegs.