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Der Vertrag des Vorstandsvorsitzenden der EnBW, Hans-Peter Villis, läuft im Herbst 2011 aus. Er hat mehrfach durchblicken lassen, dass er bis Ende des Jahres eine klare Ansage erwarte, ob er weitermachen oder das Feld räumen soll.
Der Vertrag des Vorstandsvorsitzenden der EnBW, Hans-Peter Villis, läuft im Herbst 2011 aus. Er hat mehrfach durchblicken lassen, dass er bis Ende des Jahres eine klare Ansage erwarte, ob er weitermachen oder das Feld räumen soll. © dpa
05.12.2011

Regierung sucht EnBW-Chef: Villis wartet ab

Karlsruhe. EnBW-Chef Hans-Peter Villis beweist Durchhaltevermögen. In einem heißen Ritt hat er in den vergangenen Monaten etliche Hindernisse genommen: Atomausstieg, Gewinneinbruch und die Wahl einer neuen Landesregierung. Und er drückt sich weiterhin fest in den Sattel. Zugleich hat er versucht, sein Image zu wandeln - vom Verfechter des Atomstroms zum Vorreiter der erneuerbaren Energien. Die grün-rote Landesregierung hat er damit nicht überzeugt. Aber die Politik kann bislang auch keine überzeugende Alternative präsentieren.

Im kommenden Herbst läuft der Vertrag von Villis aus. Üblich ist, etwa zehn Monate davor die Weichen zu stellen. Der EnBW-Chef hat mehrfach durchblicken lassen, dass er bis Ende des Jahres eine klare Ansage erwarte, ob er weitermachen oder das Feld räumen soll. Ob sein Wunsch vor Weihnachten in Erfüllung geht, scheint allerdings zweifelhaft. Der Aufsichtsrat trifft sich am 8. Dezember - wohl zum letzten Mal in diesem Jahr. Und nach allem, was zu hören ist, steht die Personalfrage nicht auf der Tagesordnung.

Einiges deutet darauf hin, dass die Landesregierung noch etwas Bedenkzeit herausholen will. Es ist kein Geheimnis, dass sie nach einem Nachfolger für Villis sucht: Einen Manager, der den Wandel des Unternehmens vom Atomstromer zum Leuchtturm der erneuerbaren Energie glaubwürdig vertreten kann. Zudem ist die Regierung verärgert, weil Villis sie mit Forderungen nach einer Kapitalerhöhung von 400 Millionen Euro vor sich hertreibt und gegen den anderen Großaktionär, den von der CDU dominierten kommunalen Zweckverband OEW, ausspielt.

Doch woher soll der oder die Neue kommen? Aus dem eigenen Haus? Hin und wieder fällt der Name des Arbeitsdirektors Bernhard Beck, der großes Ansehen bei der Belegschaft genießt. Allerdings wird er auch als sehr zurückhaltend und bescheiden charakterisiert, als ein Mann, der nicht an die Spitze strebt.

Ein Blick auf den Markt zeigt, dass Manager mit dem benötigten Energieprofil echte Mangelware sind. Beim Konkurrenten Eon könnte man fündig werden. Doch aus diesem Hause stammte schon Villis - und es wäre kein gutes Zeichen, ein zweites Mal dort zuzugreifen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die EnBW mit ihrer Gesellschafterstruktur bei den Managern nicht erste Wahl ist. OEW und Land halten 93 Prozent der Aktien. «Da hat man mehr damit zu tun, Kompromisse mit den Politikern zu suchen, als sich um das Geschäft zu kümmern», sagt ein Insider.

Damit hat auch Villis zu kämpfen. Immer wieder werden von der Politik neue Ideen an das Unternehmen herangetragen: Auslagerung der Atomsparte in einer Art Bad Bank, Verkauf der Netzleitungen, mehr Investitionen im Ländle, stärkere Zusammenarbeit mit den Stadtwerken. Vor wenigen Monaten erklärte der Noch-Chef deshalb, dass er für ein Schrumpfen der EnBW auf Stadtwerksgröße nicht zur Verfügung steht.

In der Zwischenzeit hat Villis einige Hausaufgaben gemacht: Er hat mit einer Anleihe von 750 Millionen Euro das Kapital aufgestockt, die Ratingagenturen von der Kreditwürdigkeit überzeugt - mit einem deutlichen Wink in Richtung Landesregierung, die Kapitalerhöhung mitzutragen. Nicht zuletzt hat er die Mitarbeiterschaft und die OEW, die im Aufsichtsrat zusammen über 15 der 20 Sitze verfügen, auf seine Seite gebracht. Selbstbewusst verkündete er vor einigen Wochen: «Ich gehe davon aus, dass man mir auch in Zukunft das Vertrauen schenkt.»

Damit hat er den Ball erneut in die Hälfte der Regierung gespielt, die bislang sehr verhalten reagiert. Beobachter fragen sich auch, ob es wirklich klug wäre, bei einem Unternehmen im Umbruch auf Biegen und Brechen einen neuen Manager durchzusetzen. Damit wäre die Regierung im Falle des Scheiterns noch stärker in der Verantwortung. dpa