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Eine große Zahl von Mitstreitern haben IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler (Mitte) und Pforzheims Sozialbürgermeisterin Monika Müller (neben ihm am Tisch) um sich geschart, um das Regionale Netzwerk für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu gründen.  Foto: Seibel
Eine große Zahl von Mitstreitern haben IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler (Mitte) und Pforzheims Sozialbürgermeisterin Monika Müller (neben ihm am Tisch) um sich geschart, um das Regionale Netzwerk für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu gründen. Foto: Seibel
23.10.2015

Regionales Netzwerk will Flüchtlinge beschäftigen – aber wie?

Von blindem Aktionismus keine Spur: Bei Kaffee und belegten Brötchen diskutierten am Freitag 17 Vertreter von Behörden und Institutionen zweieinhalb Stunden über die Bewältigung des hohen Zustroms von Asylsuchenden. Der Ernst der Lage ist ihnen aus ihrer täglichen Arbeit bewusst. Ihr gemeinsames Ziel: die Bildung eines regionalen Netzwerkes für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. „Wir haben dafür die wichtigsten Partner an einen Tisch geholt“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler.

„Täglich erreichen uns Anfragen von Unternehmen, die Flüchtlinge beschäftigen oder ausbilden wollen, aber die Bedingungen dafür nicht kennen“, berichtet Thomas Walter, stellvertretender Geschäftsführer und Koordinator in Flüchtlingsfragen bei der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald. Die Bereitschaft der Unternehmen, sich in der Flüchtlingssituation zu engagieren und damit einen Beitrag zur Bewältigung der gewaltigen Aufgabe zu leisten, ist laut IHK groß. Bei einer Blitzumfrage der Kammer waren spontan acht Unternehmen bereit, einen oder mehrere Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen. Leider sei auch die Verunsicherung groß, was die rechtlichen Hürden für eine Anstellung angeht.

Zunächst müssten die Sprachbarrieren abgebaut werden, erläuterte Petar Drakul vom Stuttgarter Ministerium für Integration. Sprachkurse sind dafür erforderlich, die vom Land mit 4,6 Millionen Euro gefördert würden. In Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit hat der Landkreis Calw in einem Modellprojekt zwei sogenannte Profiler im Einsatz, die mit Flüchtlingen das Gespräch suchen. Anhand eines Fragebogens wird deren sprachliche Kompetenz und ihr Ausbildungsstand frühzeitig erfasst. Neben menschenwürdiger Unterbringung gehe es um die rasche Arbeitsaufnahme, sagt Pforzheims Sozialbürgermeisterin Monika Müller.

Die Lösung des Fachkräftemangels könne man freilich vom Einsatz der Flüchtlinge in den Betrieben nicht erwarten, dämpfte IHK-Chef Keppler überzogene Erwartungen. Auch die Diskussion über eine mögliche Beschäftigung unter dem gesetzlichen Mindestlohn sei nicht zielführend, ist sich Keppler mit den Vertretern der Handwerkskammern Karlsruhe und Reutlingen einig. Sie gehören ebenso zu den Partnern des Regionalen Netzwerks für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt wie der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Stadt Pforzheim, die Landkreise Calw, Enzkreis und Freudenstadt, die Agentur für Arbeit, die beiden Berufsfortbildungswerke Schömberg und Bad Wildbad sowie die Diakonien. „Unternehmer müssen wissen, was der Unterschied zwischen einer Aufenthaltsgestattung und einer Aufenthaltserlaubnis ist“, betont Walter. Dies sei notwendig, wenn es um Beschäftigung oder Ausbildung von Flüchtlingen geht. „Wann kann man den Praktikanten ein Taschengeld geben, wann muss man sie richtig entlohnen?“

Auf wichtigste Fragen gibt ein IHK-Merkblatt Antwort: www.nordschwarzwald.ihk24.de (Dokument 2760318).

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