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Robert W. Huber ist Honorarkonsul der Republik Armenien.
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Robert Huber (rechts) im Gespräch mit PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer und Redakteurin Katharina Lindt. MEYER

Robert W. Huber bringt deutsche und armenische Unternehmer zusammen

Wenn Robert W. Huber über Armenien spricht, dann leuchten seine Augen. Der Pforzheimer Unternehmer – Sohn des ehemaligen IHK-Präsidenten Walter Huber – kennt das Land im Südkaukasus, das von der Türkei, dem Iran, Aserbaidschan und Georgien eingeschlossen ist, seit dem Jahr 2000. Damals reiste der Vorsitzende des IHK-Außenwirtschaftsausschusses Karlsruhe auf Einladung der armenischen Industrie- und Handelskammer nach Eriwan. Die armenische Hauptstadt mag im Westen vielleicht kaum bekannt sein. Dabei ist sie älter als Rom und damit die wahre Wiege des Christentums.

„Die Liebenswürdigkeit, Gastfreundschaft und Sympathie gegenüber Deutschland hat mich fasziniert“, sagt Huber im PZ-Gespräch. Kurzum: Der Funke ist übergesprungen. Seit 2006 vertritt der 80-Jährige als Wirtschaftsattaché die Republik Armenien in Baden-Württemberg – und das alles ehrenamtlich, wie Huber betont.

Gerade mal vier Monate liegt seine letzte Geschäftsreise zurück. Da führte der Wirtschaftsdiplomat Gespräche mit armenischen Unternehmen. „Meine Aufgabe ist es, die deutsche Industrie für Armenien zu interessieren.“

Das Land entwickelt sich positiv, sagt Huber. Das bestätigen auch die Zahlen der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Demnach wuchs Armeniens Bruttoinlandsprodukt 2017 um 7,5 Prozent. Für das vergangene Jahr erwartet die armenische Regierung einen realen Zuwachs des BIP von 4,5 Prozent. Der Export von Armenien nach Deutschland beträgt rund 93 Millionen Euro. Umgekehrt sind es 152 Millionen Euro.

Zu verdanken sei diese Entwicklung unter anderem Nikol Paschinjan. Der Ministerpräsident und Journalist spielte eine entscheidende Rolle in der friedlichen Revolution im vergangenen Jahr. Die neue Regierung gehe entschlossen gegen Korruption vor, berichtet Huber. Mit seinem Bündnis „Mein Schritt“ suchte Paschinjan vor allem die Nähe zur Jugend des Landes – dank Facebook.

Das kommt nicht von ungefähr. Die IT-Industrie sei neben den Exportschlagern Cognac und Wein eine nicht zu verachtende Größe im Land. Das ausgeprägte mathematische Potenzial liege in der Natur der Armenier, so der Wirtschaftsattaché, und verweist auf die vielen Schachweltmeister, die das Land hervorgebracht hat. Armenien sei auch das einzige Land der Welt, wo Schach als Schulfach verpflichtend ist. In Eriwan tummeln sich viele IT-Startups, die Dienstleistungen für ausländische Firmen anbieten.

Dieses Potenzial werde rege genutzt – auch von Unternehmen im Enzkreis, die Aufträge an armenische IT-Spezialisten vergeben. „Zwar in kleinen Summen, aber immerhin“, sagt Huber und schaut zufrieden auf die im vergangenen Jahr zustande gekommenen Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Pforzheim. Ein leuchtendes Beispiel aus Baden-Württemberg sei die Firma Kärcher aus Winnenden, die eine Niederlassung in Armenien betreibt. „Die Firma ist ein großer Förderer der armenischen Kultur“, sagt Huber. Und fügt hinzu: „Man darf nicht vergessen, dass das Land – und damit der Markt – mit 3,5 Millionen Einwohnern relativ klein ist.“ Deshalb sei es „nicht gerade leicht, Menschen zu überzeugen, eine Niederlassung in Armenien zu eröffnen“.

Hoffnung für Armenien sieht der umtriebige Unternehmer in dem 2017 unterzeichnetem Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union. Zwar sei Armenien sowohl politisch als auch wirtschaftlich nach wie vor von Russland abhängig. „Das Land kann aber eine Vermittlerrolle zwischen Ost und West einnehmen“, sagt Huber. Das komme auch bei den Investoren an, schließlich ist die geopolitische Lage nicht „uninteressant, auch im Hinblick auf die Eurasische Wirtschaftsunion“. Diese entstand 2015 auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, der Russland, Belarus, Kasachstan, Armenien und Kirgisistan angehören. Dass der nicht gelöste Konflikt um die Region Berg-Karabach, bei dem sich Armenien und Aserbaidschan um eine Region kleiner als Schleswig-Holstein streiten, sieht Huber nicht als Problem an: „Das Land ist politisch sicher“. Unterstützung erfährt es von der armenischen Bevölkerung, die über den Globus verteilt ist. Rund eine Million Armenier leben im Ausland, etwa 4000 in Baden-Württemberg.