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Hände weg vom Steuer – oder doch lieber nicht: Ein Mitarbeiter von Bosch fährt auf der Autobahn 81 bei Abstatt in einem Auto, das als Prototyp für autonomes Fahren genutzt wird. Foto: Naupold
Hände weg vom Steuer – oder doch lieber nicht: Ein Mitarbeiter von Bosch fährt auf der Autobahn 81 bei Abstatt in einem Auto, das als Prototyp für autonomes Fahren genutzt wird. Foto: Naupold
Senioren sind eine wichtige Zielgruppe für Autobauer. Foto: Treblin
Senioren sind eine wichtige Zielgruppe für Autobauer. Foto: Treblin
26.07.2016

Roboterauto statt Rollator: Selbstfahrende Fahrzeuge im Kommen

München. Für Senioren könnten selbstfahrende Fahrzeuge eine Alternative sein. Jeder dritte Autokäuferin Deutschland inzwischen über 60 Jahre alt.

Millionen Autofahrer sind bereits im Rentenalter. Aber wenn die Augen schlechter werden und die Konzentration nachlässt, trauen sich viele nicht mehr so oft hinters Steuer. Die Autoindustrie bastelt jedoch eifrig an einem „Geschenk des Himmels“, wie der US-Rentnerverband AARP es nennt: am selbstfahrenden Auto.

Schon bald sollen auch gebrechliche oder behinderte Menschen zum Einkaufen, zum Arzt, zu Freunden fahren, ohne dass sie auf fremde Hilfe angewiesen sind. So selbstverständlich wie ein Rollator ihnen heute das Gehen ermöglicht, soll das Roboterauto ihnen morgen das Fahren erlauben – so die Vision. Notbrems-Assistent, Spurhalte- und Totwinkel-Assistent, Müdigkeitserkennung, Fernlicht- und Nachtsicht-Assistent – schon heute springen technische Helfer dem Fahrer in vielen Situationen bei. „Nicht nur einem 70-Jährigen würde ich raten: Kauf, was du kriegen kannst“, sagt Heiko Wolframm, Experte für Fahrerassistenzsysteme im ADAC-Technikzentrum Landsberg. Eine Sekunde Unaufmerksamkeit bei Tempo 100 bedeute 28 Meter Blindflug. „Ein Notbrems-Assistent ist sinnvoller als schöne Aluräder.“ Ältere sind heute viel unterwegs.

Assistenzsysteme helfen

Nach einer repräsentativen Umfrage der Allianz-Versicherung nutzen zwei Drittel der über 60-Jährigen ihr Auto täglich. Und sie verursachen weniger schwere Unfälle als junge Fahrer.

Allerdings steigt das Risiko mit zunehmendem Alter stark. Wenn Senioren über 75 Jahren in Unfälle verwickelt sind, haben sie diese zu 75 Prozent selbst verursacht, stellten die Unfallforscher der Versicherer fest.

ADAC-Verkehrspsychologin Nina Wahn sagt, Ältere hätten „häufiger ein Problem mit dem Sehen, auch Reaktionsgeschwindigkeit und -sicherheit nehmen eher ab. Aber viele kompensieren solche Defizite, indem sie nur noch bekannte Strecken fahren, zum Arzt, zum Einkaufen etwa, und nicht mehr nachts oder bei Regen.“ Assistenzsysteme helfen ihnen, nachlassende Fähigkeiten auszugleichen. Aber setzen sich Ältere wirklich in ein Auto ohne Lenkrad und Pedale und vertrauen allein dem Computer? ADAC-Verkehrspsychologin Wahn sagt: „Die Hemmschwelle hin zur Technik-Akzeptanz ist bei Älteren vielleicht größer.“ Aber die Vorteile sind verlockend. „In ferner Zukunft wäre es vorstellbar, dass völlig autonome Fahrzeuge auch Menschen mit eingeschränkter Fahrkompetenz ihre eigenständige Mobilität erhalten“. Bei Bus und Bahn müsse man „sich nach Fahrplänen richten und erst mal zur Haltestelle kommen. Das eigene Auto gibt da schon mehr Freiheit.“ Senioren haben sich im vergangenen Jahr in Deutschland 1,12 Millionen neue Autos gekauft – 35 Prozent aller Neuwagen wurden auf Käufer zugelassen, die älter als 60 waren. „Über den tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Auto bin ich sehr erschrocken. Der Weg zu einem vollkommen sicheren selbstfahrenden Auto ist nun wahrscheinlich noch sehr weit“, sagt Präsidentin Ulrike Mascher vom Sozialverband VdK. „Aber alle Systeme, die das Autofahren sicherer und einfacher machen, sind für Menschen, die auf einen Pkw angewiesen sind, sehr hilfreich.“

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