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05.02.2016

Rohstoffgiganten ächzen unter der Ölschwemme

Deutschlands Öl- und Gasbranche ist im Vergleich zu Fördergiganten wie Russland oder den Golf-Staaten winzig – doch der globale Preissturz beim Öl droht auch hier Spuren zu hinterlassen. Vielleicht nicht sofort, aber höchstwahrscheinlich in längerer Frist, vermuten Experten. Selbst wenn das umstrittene Fracking eines Tages kommen sollte, dürfte das den Abwärtsdruck noch erhöhen. Und die internationalen Rohstoffriesen, die teils auch in der Bundesrepublik aktiv sind, ächzen weiter unter der Ölschwemme.

„Zwar hat die aktuelle Entwicklung kurzfristig noch keine Auswirkung auf die Produktion, langfristig aber schon“, sagt Miriam Ahrens vom Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) in Hannover. Direkt betroffen sei bereits die Zulieferindustrie – vor allem wegen unsicherer Rahmenbedingungen etwa beim Thema Fracking. Aber auch wegen des Ölpreisverfalls selbst stehen bei vielen Firmen die Zeichen auf Sparkurs. Ahrens: „Die kämpfen mit Kurzarbeit.“

Verbraucher wie Autofahrer oder Heizölkunden jubeln landauf, landab über das anhaltende Tief der Rohstoffkosten. Doch für die Produzenten wird die Lage immer kritischer – inklusive möglicher Jobkürzungen.

Bei Siemens sorgt die Entwicklung für Kummerfalten. Bleibt eine Erholung aus, könnten hohe Abschreibungen beim Ölindustrie-Zulieferer Dresser-Rand folgen, bangen Investoren. In den USA hat Schlumberger – weltgrößter Öl-Dienstleister – weitere 10.000 Stellen abgebaut.

In Deutschland wirft die besonders von der Förderung der Opec-Länder und dem US-Fracking gespeiste Ölflut die Frage der Wirtschaftlichkeit der zur Neige gehenden Lagerstätten auf. Niedrige Preise können die Konjunktur zwar zunächst befeuern – bei längerer Betrachtung aber bremsen, weil sie Investitionen in weniger rentable Felder stoppen. „Geplante Investitionen werden erst mal vertagt“, erklärt Ahrens.

Genau das haben globale Größen wie Shell, ExxonMobil, BP oder Chevron angekündigt oder umgesetzt. Sie verdienen ständig weniger: Bei Shell brach der Gewinn 2015 um fast 90 Prozent ein, der Statoil-Konzern in Norwegen rutschte bei Einschluss aller Faktoren in die Verlustzone.

Auch wenn sich der Ölpreis zwischenzeitlich immer wieder fängt – am Donnerstag kletterte er bei der Nordsee-Sorte Brent anfangs leicht –, kommen die Förderer mehr und mehr unter Druck.