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Lieben große Edelsteine als Schmuck: Sabine und Frank-Jürgen Schupp.  Foto: Ketterl 

Schmuck-Tradition von „Rudolf Schupp“ ist länger als die der Pforzheimer Traditionsindustrie

Pforzheim. Was ist die größte Herausforderung für Edelsteinmanufakturen und Juweliere? Antwort: „Juwelen mit einer solchen Begeisterung und Überzeugung anzubieten, dass der Kunde das neue Schmuckstück besitzen will, obwohl seine Schatullen voll sind.“ Frank-Jürgen Schupp untertreibt mit dieser Darstellung, führt sein Unternehmen „Rudolf Schupp, Edelsteine und Schmuck“ doch täglich vor, dass erst hervorragende Handwerksarbeit und Materialqualität nötig sind, um Begeisterung hervorrufen zu können. Die Referenzen zu den Abnehmern des edlen Geschmeides aus der Pforzheimer Manufaktur sind beeindruckend, zum Beispiel Cartier, Tiffany, Bvlgari und andere sowie bekannte Mimen von Weltbühnen, Künstler und Prominenz aus Wirtschaft und Politik.

Unterdessen ist die Tradition des Schmuckhandwerks in der Familie Schupp älter als die der Goldstadt, die 2017 ihr 250-Jahr-Jubiläum feiert und demnach also 1767 gegründet worden ist. Bereits 1690 wird in der Umgebung der Edelsteinestadt Idar-Oberstein ein gewisser Carl Schupp erwähnt, der als Eisen-, Silber- oder Goldschmied gearbeitet haben soll. Dessen Sohn Phillip Carl trug die Handwerks-Bezeichnung Gold- und Silberschmied. 1744 wurde in der gleichen Gegend Carl Schupp als Sohn eines Goldschmieds geboren, er übte dasselbe Gewerbe aus. Die Linie setzt sich fort bis zu dem Edelsteinschleifer Rudolf Schupp (1874). Letzterer gab dem heutigen Unternehmen mit der Gründung im Jahr 1898 seinen Namen. Es folgten der Edelsteinschleifer Emil (1899), der Juwelengoldschmied Heinz (1927) und schließlich als vierte Unternehmergeneration der Gemmologe Frank-Jürgen Schupp (1964).

Gründer Rudolf Schupp verfügte dem Familienarchiv zufolge „über einen ausgeprägten Geschäftssinn“. Mit dem Erlös aus dem Verkauf eines einzigen Aquamarins konnte er 1899 in Idar-Oberstein ein Firmengebäude errichten lassen. Zuvor schon unterstütze Schupp seinen jüngeren Bruder Emilio, der nach Brasilien ausgewandert war und großen Erfolg bei der Suche nach Edelsteinminen hatte. Bald wurde auch ein Juweliergeschäft in Rio de Janeiro eröffnet.

In den Jahren nach 1910 entwickelte sich eine rege Geschäftsbeziehung zwischen Rudolf Schupp und einer russischen Delegation aus dem Hause Romanov-Holstein, es war die Epoche von Zar Alexander Nikolaus II.

1920 wurde in Pforzheim ein Filialbetrieb eröffnet. Ziel war es, „den Kontakt zur Pforzheimer Schmuckwarenindustrie zu fördern“, sagte der heutige Firmeninhaber Frank-Jürgen Schupp. Die Geschäfte seien bestens gelaufen – bis 1928 der „Schwarze Freitag“ an der Wall Street und die Wirtschaftsflaute von 1929 bis 1933 auch das Unternehmen Schupp wirtschaftlich in die Knie zwang: „In Amerika mussten Totalverluste verkraftet werden.“

In dieser Rezessionsperiode seien viele Kunden aus dem Raum Pforzheim zahlungsunfähig geworden, Forderungen in sechsstelliger Goldmark-Höhe blieben offen. Emil Schupp hat den Analen zufolge mit den Pforzheimer Volksbank-Direktoren Huck und Bilabell verhandelt. Das Ergebnis: Das genossenschaftliche Institut zahlte einen Personalkredit ohne jegliche Sicherheitsleistungen aus. Innerhalb weniger Jahre sei die Rückzahlung erfolgt. Der nächste Tiefschlag erfolgte am 23. Februar 1945 beim Fliegerangriff auf Pforzheim. Einzig der Tresor überstand den Bombenhagel. Schupp: „Durch den Feuersog wurde Sauerstoff absorbiert. Dadurch blieb die Innenausstattung unbeschadet.“

1972 wurde die Goldschmiede in Pforzheim ausgelagert. Schwerpunkt war von da an der Handel mit Edelsteinen. „Die Versandhäuser bestellten in 10 000er-Schritten und die Bestellungen der großen Schmuckfabriken gingen teilweise in die 100 000 Edelsteine pro Größe und Steinart“, sagte Frank-Jürgen Schupp. Die Verlagerung des Firmenhauptsitzes von Idar-Oberstein nach Pforzheim erfolgte 1979. Der heutige Inhaber trat 1984 in die Firma ein. Zwei Jahre später – bis heute – übernahm Frank-Jürgen Schupp die kostenlose Edelstein- und Schmuckbestimmung auf der Internationalen Mineralien- und Edelsteinmesse in Stuttgart. 1995 erfolgte der Umzug an den heutigen Standort Friedenstraße. 2008 zog sich Heinz Schupp nach 62 Jahren aus dem Berufsleben zurück und übergab den Betrieb an seinen Sohn, dem Ehefrau Sabine zur Seite steht.

Schupp sagt heute: „Für viele unserer Kunden sind die Kreationen von Rudolf Schupp nicht nur kostbare Schmuckstücke, sondern echte Wertanlagen.“ Es sei leichter, Juwelen und Unikate in einem fünf- oder sechsstelligen als in einem vierstelligen Bereich zu verkaufen. An dieser Feststellung lässt sich die Klientel des Pforzheimer Traditionsunternehmens ablesen: Rudolf Schupp bedient die Königsklasse.