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Geschäftsleitung und Belegschaft der Firma Eugen Dettinger vor rund 50 Jahren. Foto: Privat
Geschäftsleitung und Belegschaft der Firma Eugen Dettinger vor rund 50 Jahren. Foto: Privat
Die Dettinger-Goldschmiede bei der Arbeit.  Foto: Privat
Die Dettinger-Goldschmiede bei der Arbeit. Foto: Privat
Falk und Frank Dettinger (rechts).  Foto: Privat
Falk und Frank Dettinger (rechts). Foto: Privat
01.07.2016

Schmuckmanufaktur Eugen Dettinger feiert 100-jähriges Bestehen im Pforzheimer Gasometer

Heute gibt es ein großes Fest im Pforzheimer Gasometer – 100 Jahre liegen hinter der Schmuckfabrik Eugen Dettinger. Es gehörte schon viel Mut und Optimismus dazu, mitten im Ersten Weltkrieg– im Jahr 1916 – eine Schmuckfabrik zu übernehmen. In einer Zeit, in der Glocken zu Waffen umgeschmolzen wurden und die Bürger mit dem Slogan „Gold gab ich für Eisen“ zur Abgabe ihrer Preziosen für die kaiserliche Kriegskasse aufgefordert wurden. Eugen Dettinger hatte dennoch Vertrauen in die Zukunft und die Fähigkeit, das übernommene Unternehmen zum Erfolg zu führen.

Dies gelang so gut, dass bereits ein Jahr später größere Räume bezogen wurden. Doch der Aufstieg wurde durch äußere Umstände gebremst: die Niederlage im Krieg, die Inflation und der Währungsschnitt brachten große Probleme.

Nach den „Billionen“-Geschäften der großen Inflation wurde endlich wieder in „harter“ Währung fakturiert. Doch an wen verkaufen – im allgemeinen Niedergang zu Beginn der 1920er-Jahre? Die Nachfrage war so schwach, dass selbst gute Juweliere in Zahlungsschwierigkeiten kamen – und damit auch die Ring- und Bijouteriefabrik Eugen Dettinger. Erst im Jahr 1927 wurde die Talsohle durchschritten und es ging wieder bergauf. Alfred – der zweite Sohn von Eugen Dettinger – trat als technischer Leiter in den Betrieb ein. Dem Unternehmen eröffnete sich der europäische Markt und es wurden Kleinjuwelen nach der Schweiz, Österreich, Jugoslawien, Ungarn, Belgien, Holland und Skandinavien geliefert.

Doch 39-jährig verstarb Alfred Dettinger schon 1943. In den 1930er-Jahren war zum Glück auch der älteste Sohn von Eugen Dettinger, Fritz, als Kaufmann in das Unternehmen eingestiegen und wurde bald darauf persönlich haftender Gesellschafter. Gemeinsam mit dem Vater, der auch noch als 70-Jähriger täglich an seinem Arbeitsplatz präsent war, bewältigte er die Engpässe der ersten Kriegsjahre. Doch der zweite Weltkrieg ließ wenig Platz für Schmuck und Kleinjuwelen. Mit Beginn des „totalen Krieges“ im Jahr 1943 fertigte man in einem Zweigbetrieb „kriegswichtig“: Es wurden Zündkerzen gebohrt. Die Fabrik wurde beim Bombenangriff am 23. Februar 1945 zerstört.

Es folgten die Jahre des Wiederaufbaus. Wegen der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes übergab Fritz Dettinger sein Unternehmen 1969 an Sohn Frank. Es war ein schwieriger Beginn für einen 22-Jährigen die Verantwortung für ein Unternehmen mit wieder 60 Mitarbeitern zu übernehmen. Erst recht in Zeiten rückläufiger Konjunktur aufgrund des kalten Krieges und zweier Ölschocks.

Erfolgreiche Übernahmen

In vierter Generation kam schließlich Falk Dettinger 2006 in den Betrieb. Auszubildende sowohl in der Fabrik als auch im Büro wurden eingestellt und übernommen. Neben der klaren Positionierung der Firma Eugen Dettinger im hochwertigen Produktbereich übernahm Falk Dettinger – offenbar liegt das Unternehmer- Gen in der Familie – mit der A. Odenwald GmbH im Jahr 2012 und der Clioro GmbH im Jahr 2015 zwei renommierte Pforzheimer Firmen als weitere Standbeine.

Im Jubiläumsjahr zählt die Firma Dettinger 37 Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende. „Als eines der wenigen Schmuckunternehmen können wir nach wie vor völlig autark in der Goldstadt produzieren“, betont Falk Dettinger.