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Nur Minuszahlen an der Athener Börse. Der Besucher links mag schon gar nicht mehr hinschauen. Foto: Vlachos
Nur Minuszahlen an der Athener Börse. Der Besucher links mag schon gar nicht mehr hinschauen. Foto: Vlachos
05.08.2015

Schwarzer Montag an Athens Aktienmarkt

Nach einer fünfwöchigen Zwangspause ist der Handel an der Börse in Athen gestern wieder aufgenommen worden – mit immensen Kursverlusten. Am Morgen rutschte der griechische Leitindex Athex Composite um 23 Prozent ab. Am Nachmittag standen noch minus 17 Prozent zu Buche. Händler sprachen von einem „Schwarzen Montag“.

Warum fielen die Verluste so hoch aus?

„Zahlreiche Anleger waren Wetten auf eine Lösung im Schuldenstreit zwischen dem pleitebedrohten Land und seinen Gläubigern eingegangen“, erklärt Analyst Andreas Paciorek vom Handelshaus CMC Markets. Diese Anleger seien enttäuscht worden. Die komplizierten Verhandlungen laufen noch, Ausgang ungewiss. Zudem liegt die griechische Wirtschaft darnieder.

Wie geht es an der Athener

Börse weiter?

Investoren bleiben auch nach dem Kursrutsch skeptisch beim Blick auf griechische Aktien. „Die Krise in Griechenland und damit auch an der Athener Börse dürfte noch nicht vorüber sein“, sagt Marktstratege Oliver Roth von der Oddo Seydler Bank. „Die schlechte Wirtschaftspolitik der Regierung Tsipras und bestehende Kapitalverkehrskontrollen lähmen die Konjunktur.“

Warum mussten besonders Bankaktien hohe Verluste einstecken?

Griechische Banken sind abhängig von den Liquiditätsprogrammen der Geldgeber. Die Skepsis vor neuen Finanzhilfen sei aber immens gewachsen, sagt Marktexperte Jens Klatt vom Investmenthaus DailyFX. Der Internationale Währungsfonds IWF habe sich bereits von der weiteren Unterstützung eines dritten Rettungspakets an Griechenland distanziert. Zudem bremse der große Widerstand aus der Politik.

Kann man von historischen Tiefständen sprechen?

An der Börse in Athen sind die historischen Tiefpunkte noch weit entfernt. Im Jahr 2012 hatte der Athex-Index sein jüngstes Zwischentief bei 471 Punkten markiert. Das ist nochmals fast ein Viertel weniger als das Tagestief von gestern. Von Anfang 2008 bis Juni 2012 hatte das Aktienbarometer fast 91 Prozent seines Wertes verloren. Dann folgte eine steile Erholung um fast 180 Prozent, bevor die Börse im April 2014 angesichts der Zuspitzung im Schuldendrama wieder den Rückwärtsgang einlegte.

Locken niedrige Kurse nicht ausländische Schnäppchenjäger an?

„Der Aktienmarkt in Griechenland ist vorerst uninteressant“, sagt Aktienhändler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Insgesamt sollte das politische Risiko nicht unterschätzt werden. Zudem belasteten Sparanstrengungen und Steuererhöhungen die Unternehmen. Die fiskalpolitische Situation dürfte sich auch weiter anspannen. Allerdings könnten aus Lipkows Sicht bei Aktien aus den Bereichen Telekommunikation, Versorger und Pharma auch Chancen lauern, die einige Anleger nutzen könnten.