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Viele Verbraucher stecken tief in den roten Zahlen. Immer mehr ältere sind betroffen. BÜTTNER
Viele Verbraucher stecken tief in den roten Zahlen. Immer mehr ältere sind betroffen. BÜTTNER
11.11.2015

Senioren in der Schuldenfalle: Nahezu jeder zehnte Bundesbürger ist überschuldet

Düsseldorf. Trotz der guten Konjunkturlage ist die Zahl der überschuldeten Verbraucher in Deutschland in diesem Jahr weiter gestiegen.

Insgesamt seien rund 6,7 Millionen Bürger über 18 Jahre nicht mehr in der Lage, ihren Zahlungsverpflichtungen in vollem Umfang nachzukommen, berichtete die Wirtschaftsauskunftei Creditreform in ihrem gestern in Düsseldorf vorgestellten „Schuldneratlas 2015“. Das seien 44 000 Menschen mehr als im Vorjahr. Nahezu jeder Zehnte sei überschuldet. Dieses Schicksal droht auch immer mehr Senioren in Deutschland. So stieg die Zahl der über 60-Jährigen mit Schulden, die sie nicht mehr vollständig bedienen können, in den vergangenen zwei Jahren drastisch. Bei den 60- bis 69-Jährigen um 12,4 Prozent, bei den Senioren ab 70 sogar um 35,4 Prozent.

„Immer mehr ältere Menschen geraten in eine Schuldenfalle“, warnt Creditreform-Aufsichtsrat Helmut Rödl.

Während von den 18 bis 59-Jährigen laut Creditreform 13,3 Prozent ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können, sind es bei der Generation 60plus lediglich 2,7 Prozent. Doch die Zuwachsraten bei den Älteren seien „erschreckend“, betont Creditreform. Insgesamt sind nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei inzwischen über 600 000 Senioren überschuldet – mit gravierenden Folgen.

„Altersarmut ist eine besonders schwerwiegende Form der Armut“, betont Rudolf Martens vom Paritätischen Gesamtverband in Berlin. Während Armut für jüngere Menschen häufig eine vorübergehende Lebensphase sei, und sie über eine Perspektive verfügten, sich aus den Problemen herauszuarbeiten, sei das bei älteren Menschen in der Regel nicht mehr der Fall. Denn mit dem Eintritt in den Ruhestand sinke die Chance älterer Menschen drastisch, ihre ökonomische Lage zu verbessern. Martens befürchtet, dass das Phänomen der Altersüberschuldung in den nächsten Jahren im Gleichklang mit der Altersarmut weiter zunehmen wird. Hierzu trage auch die Ausweitung von Niedriglöhnen auf dem Arbeitsmarkt bei. Viele Versicherte, die in den nächsten Jahren ins Rentenalter kommen, könnten nur geringe Rentenanwartschaften vorweisen.

Ganz entscheidend für das Armutsrisiko sei, dass infolge der Rentenreformen seit 2001 das Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung gesunken sei und weiter sinken werde, heißt es im Papier der Stiftung. Der Grundgedanke der Riester-Reform, das sinkende Versorgungsniveau durch den Ausbau der betrieblichen und privaten Altersvorsorge auszugleichen, habe sich nicht als tragfähig erwiesen.

Nach einer aktuellen Studie des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2014 insgesamt 17,9 Prozent der Menschen im Alter von über 60 Jahren von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.