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Der Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser hat gezeigt, dass er zupacken kann. Foto: Gebert
Der Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser hat gezeigt, dass er zupacken kann. Foto: Gebert
11.11.2016

Siemens ist wieder auf Kurs

München. Siemens-Chef Joe Kaeser kann erst einmal durchatmen. Seit seinem Amtsantritt vor fast dreieinhalb Jahren hat der Konzernlenker reihenweise Baustellen abgearbeitet und Siemens wieder auf Rendite und Wachstum getrimmt. Das zeigen nicht zuletzt die guten Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr, die gestern zur Bilanzvorlage an den Börsen bejubelt wurden.

Massiver Umbau, die Konzentration auf zukunftsträchtige Geschäfte, Abstellen von Projektbelastungen – Kaeser kann Häkchen setzen und sich auf ein dickes Auftragspolster von 113 Milliarden Euro stützen.

Doch auftrumpfen will der Siemens-Chef nicht – vielmehr gibt er sich betont bescheiden. Der Erfolg im vergangenen Geschäftsjahr (30. September) basiere einzig auf einer „unglaublich starken Teamleistung“, erklärt der Manager, dem immer wieder ein zentralistischer Führungsstil nachgesagt wird. Kaeser weiß, dass er seiner Mannschaft in den vergangenen Jahren einiges abverlangt hat. Der Umbau kostete tausende Jobs, in Problem-Geschäftsfeldern griff er durch, tauschte Führungskräfte aus und strich auch Arbeitsplätze wie zuletzt in der Sparte Prozessindustrie und Antriebe.

Sein Ziel dabei: Siemens wetterfester für Konjunktur- und Marktschwankungen zu machen. Wie gut der Konzern tatsächlich gewappnet ist, könnte sich in politisch höchst unsicheren Zeiten schon bald zeigen. Weltweite Krisenherde und nun auch der Ausgang der Präsidentschaftswahl im für Siemens wichtigsten Einzelmarkt USA trüben die Aussichten oder sorgen für große Unsicherheit.

Kaeser will sich davon zumindest nach außen vorerst nicht aus der Ruhe bringen lassen. Donald Trump sei ein demokratisch gewählter Präsident, und man respektiere das Votum der Amerikaner. Für wichtige Geschäftsfelder wie erneuerbare Energien und die Medizintechnik ändere sich zunächst nichts. Mehr Sorgen mache er sich da um den Brexit, der eine „Initialzündung eines noch viel verheerenderen Szenarios“ sein könnte – also für den Zerfall der Europäischen Union. Dafür ist der öffentlich ausgetragene Streit mit dem Management der ehemaligen Lichttochter Osram – insbesondere mit deren Chef Olaf Berlien – aus der Welt. Es ging um die teuren Investitionspläne von Berlien, die den Aktienkurs im vergangenen Jahr kräftig abstürzen ließen – Siemens hält immer noch mehr als 17 Prozent der Anteile. Das Osram-Management mache seine Sache gut und ordentlich, der Kurs seit dem Börsengang sei eine Erfolgsgeschichte. Siemens werden seit geraumer Zeit Verkaufsabsichten für die Beteiligung nachgesagt.

Wichtige Personalfrage ungelöst

Aber auch für eine wichtige Personalie müssen er und die Siemens-Aufsichtsräte bald eine Lösung finden: Der Abgang von Technikvorstand Siegfried Russwurm, der auch von Arbeitnehmervertretern geschätzt wird, gilt als echter Verlust für Siemens – zumal Russwurm auch Aufsichtsratschef der Medizintechnik ist, die nun an die Börse gebracht werden soll. Ein Nachfolger ist zwar noch nicht gefunden. Kaeser betont aber, dass der Siemens-Konzern viele gute Leute und ein starkes Führungsteam gerade in dem Ressort habe. „Das kommt auch mal eine Weile alleine zurecht“, sagt der Manager dazu.