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Gleich mit mehreren Unternehmen ist die Pforzheimer SUBA-Holding (Noxon, Schroeder+Bauer, PPM, EMA und P3Plating) auf der Blechexpo vertreten. NEFF 
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Gute Stimmung am Messestand von Leicht+Müller aus Remchingen. 
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Gute Stimmung am Messestand von Leicht+Müller aus Remchingen. 

So trotzen Blechlesbieger aus Pforzheim und dem Nordschwarzwald der Krisenstimmung

Stuttgart. Die Umformtechnik ist ein Milliardengeschäft. 2018 stieg der Umsatz weltweit um vier Prozent auf 21,4 Milliarden Euro, wie Sylke Becker vom Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken zum Auftakt der Fachmesse Blechexpo in Stuttgart ausführte. Allerdings rechnen die deutschen Hersteller nach dem Rekordjahr mit sinkenden Umsätzen – von einer Krise könne freilich keine Rede sein, betonten am Mittwoch gleich mehrere regionale Unternehmer aus den Bereichen Werkzeugbau und Stanztechnik.

Pforzheim und der Nordschwarzwald sind eine Hochburg der Umformtechnik – auf neudeutsch wird gerne von einem Cluster gesprochen. Die Branche trifft sich auf der Blechexpo, um bestehende Kontakte zu pflegen und neue Geschäftsverbindungen aufzubauen. Zehn regionale Unternehmen haben sich am Gemeinschaftsstand der Pforzheimer Präzisionstechnik-Initiative Hochform zusammengeschlossen, um sich dort einem internationalen Fachpublikum zu präsentieren. Mit „verhalten optimistisch“ könnte man die Stimmung der Aussteller nach dem zweiten Messetag bezeichnen.

Nach dem Rekordjahr 2018 ist auch bei Leicht+Müller in Remchigen wieder Normalität eingekehrt. „Die ersten fünf Monate brachten noch Zuwächse, dann sind die Aufträge weniger geworden“, sagt Geschäftsführer Klaus Müller. „Für das Gesamtjahr gehen wir von einem leichten Umsatzminus aus.“ Den Wert von 2017 werde man aber wohl erreichen. Gut ausgelastet sei das neue Zweigwerk der Tochterfirma Leicht+Müller Syscotec, wo 50 der 150 Mitarbeiter der mittelständischen Firmengruppe tätig sind. Dort werden Kunststoffverbundteile etwa für die Füllstandsmessung im Kfz produziert. Kurzarbeit sei auch im Stammwerk kein Thema – im Gegensatz zum Galvanik-Unternehmen IMO in Königsbach-Stein, wo die Umsätze nach jahrelangen Zuwächsen deutlich zurückgegangen sind. Dort spürt man die Zurückhaltung der Automobilzulieferindustrie – für deren Bedarf in der Oberflächenbeschichtung man eigens die Kapazitäten – sowohl personell und anlagentechnisch – hochgefahren hatte.

Die E-Mobilität werde überschätzt, meint Müller, und auch Wolfgang Härter, Seniorchef und Firmengründer der Härter-Gruppe in Königsbach-Stein, erwartet, dass die Abrufzahlen aus der Automobilindustrie bald wieder deutlich anziehen. Schließlich werden nach wie vor überwiegend Autos mit Verbrennungsmotoren produziert und gekauft. Auch Gert von Fircks, Vertriebsleiter von IMO, ist zuversichtlich. In jedem Falle wolle man die Fachkräfte halten. „Die brauchen wir, wenn die Konjunktur wieder anzieht.“ Und Marco Müller von Leicht+Müller ergänzt: „Wir stellen weiterhin Mitarbeiter etwa im Projekt- und Qualifizierungsmanagement ein und nutzen die ruhigere Phase, um unsere Fachkräfte noch weiter zu qualifizieren.“ Präzisionsteile für Steckverbinder, Schalter und Kabelstränge in der Kfz-Elektronik würden weiterhin in großer Stückzahl benötigt.

Lothar Neff

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