nach oben
Immer mehr Fahrgäste nutzen das kostengünstige Mobilitätsangebot.  Schmidt
Immer mehr Fahrgäste nutzen das kostengünstige Mobilitätsangebot. Schmidt
11.08.2015

Sollen Fernbusse Maut zahlen?

Es ist ein heißes Eisen in der Verkehrspolitik: Fernbusse zahlen anders als schwere Lastwagen keine Maut. Die Bundesregierung hat das mit der Öffnung des Fernbusmarktes Anfang 2013 so entschieden. Inzwischen hat sich in Deutschland ein passables Streckennetz entwickelt. Kritiker fordern nun, die Busse in das Mautsystem einzubeziehen. Es gehe um einen angemessenen Beitrag an den Kosten, die durch die Abnutzung der Fernstraßen entstünden.

Würde eine Maut das Reisen mit dem Fernbus verteuern?

Das Bundesverkehrsministerium hat ausgerechnet, dass eine Omnibusmaut, die der Lkw-Maut entspricht, mit 0,2 Cent pro Fahrgast und Kilometer zu Buche schlüge. Wenn die Unternehmen das in voller Höhe weitergäben, würde sich der Preis für einen Busfahrschein für eine Strecke von 100 Kilometern um 20 Cent erhöhen. Bei 500 Kilometern wäre es ein Euro mehr.

Haben die Fernbusse bisher einen Wettbewerbsvorteil?

Das ist umstritten. Bahnchef Rüdiger Grube hatte bereits im Frühjahr eine Maut für Fernbusse gefordert. Die Bahn zahle im Fernverkehr pro Person und Kilometer sechs Cent Trassennutzungsgebühren, die Fernbusse hingegen keine Maut. Zudem werde die Bahn bei Ökostrom-Umlage, Stromsteuer und Klimaabgabe mit mehr als 300 Millionen Euro jährlich zur Kasse gebeten. Die Bahnlobby „Allianz pro Schiene“ rechnet vor, nach dem jüngsten Wegekostengutachten des Verkehrsministeriums entgingen dem Staat allein in diesem Jahr 335 Millionen Euro, weil für Fernbusse keine Maut erhoben werde.

Was halten die Fernbus-Anhänger dagegen?

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) bestreitet einen Wettbewerbsvorteil. Mit der Mineralölsteuer, die für jeden Liter Diesel fällig wird, komme der Bus für die Kosten auf, die er durch die Straßennutzung verursache. Die Busse seien nur für 1,2 Prozent der Sanierungskosten für Autobahnen verantwortlich. Die Bahn dagegen decke mit den Trassenpreisen nur ein Viertel ihrer Infrastrukturkosten. Die Ökobilanz des Busses sei hervorragend. Zudem hätten erst die Fernbusse den Wettbewerb erhöht, betont Richard Eberhardt (Pforzheim/Engelsbrand), Präsident des Bustouristik-Verbands RDA. Erst dadurch sei die Deutsche Bahn zu einer Qualitätsoffensive im Fernverkehr gezwungen worden. „Seit der Marktöffnung des Linienverkehrs über 50 Kilometer fahren immer mehr Menschen mit dem Fernbus. Im vergangenen Jahr zählte die Branche 19 Millionen Fahrgäste. Für 2015 rechnen Marktforscher mit 30 Millionen.“

Wie wahrscheinlich ist die Einführung einer Busmaut?

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist dazu nichts festgelegt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat derzeit „keine Pläne“, sie einzuführen. Sie würde nach seinen Worten „den aktuellen harten Wettbewerb mit der Bahn auch nicht relevant verändern“. Dobrindts Sprecher Sebastian Rudolph merkt an, nach aktuellen Untersuchungen seien „rund 50 Prozent der Fernbusreisenden entweder Neukunden oder vom Pkw auf den Fernbus umgestiegen“. Das zusätzliche Mobilitätsangebot für den kleinen Geldbeutel wolle die Bundesregierung weiter fördern.