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Gartenschau Mühlacker 2015

Redner beim IHK-Empfang: Eric Schweitzer (links) Präsident des Deutschen Indus trie- und Handelskammertags sowie IHK-Präsident Burkhard Thost.
Angenehme Unterbrechung der wirtschaftspolitischen Reden gab’s beim IHK-Sommerempfang unter anderem durch Teilnehmer der Akademie BelCanto von Rossini in Wildbad. Seibel
03.07.2015

Sommerempfang der IHK auf der Gartenschau: „Wir müssen Industrie neu denken“

Die Region blüht auf – für IHK-Präsident Burkhard Thost hat seine Aussage gleich mehrfache Bedeutung. Zum einen war dies das Motto gestern Abend auf dem blütendominierten Gelände der Mühlacker Gartenschau, als die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald zum traditionellen Sommerempfang lud.

Bildergalerie: IHK Sommerempfang auf der Gartenschau

Gekommen waren mehr als 500 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung sowie Ehrenamt und der Bürgerschaft. Zum anderen sei der Raum Mühlacker ein starkes und somit blühendes Wirtschaftszen-trum. Nicht zuletzt – ist den Worten des Präsidenten zu entnehmen – geht es der IHK darum, die gesamte Region Nordschwarzwald zu neuer Blüte zu führen.

Und zu Letzterem – der regionalen Wirtschaftsentwicklung in den kommenden Jahren – seien drei Themen von zentraler Bedeutung, sagt Thost: 1. internationale Märkte; 2. Innovation; 3. Bildung.

Internationale Märkte

Bei einer Exportquote von mehr als 60 Prozent seien die meisten Arbeitsplätze in der Region direkt oder indirekt vom Auslandsgeschäft abhängig. „Dieser Trend verstärkt sich.“ Neben dem Produkt selbst gewännen dabei die Dienstleistung vor Ort und der Service wachsende Bedeutung. Thost: „IT verbindet uns weltweit und dennoch brauchen wir Präsenz und Nähe zum Kunden, um erste Wahl zu bleiben.“ Dies erfordere Eigenschaften wie interkulturelle Kompetenz, Länderkenntnis, Rechts- und Steuerwissen sowie ein besonderes Risikomanagement. Die IHK begleite die Unternehmen mit einer Internationalisierungsoffensive auf diesem Weg. Thost: „Wir wollen dem Mittelstand und kleineren Unternehmen helfen, Chancen für Exportmärkte effektiv zu nutzen.“

Innovation

Allerdings finde Wettbewerb mit neuen Produkten und Technologien, Dienstleistungen und Ideen „auch unmittelbar vor unserer Haustür statt“. Die Antwort darauf: Innovation. Als Synonym dafür werde oft pauschal das Schlagwort „Industrie 4.0“ genannt. Weniger deutlich gemacht werde, „welche Veränderungen auf ganze Branchen zukommen und welche Chancen sich bieten“.

Laut Thost „müssen wir Indus-trie neu denken und für eine neue Offenheit werben“. Und: „Wir dürfen uns nicht in technologiefeindlichen Grabenkämpfen begeben.“ Das Thema Innovation erfordere beispielsweise ein Umdenken bei der Gestaltung von Gewerbe- und Industriegebieten, es erfordere ein konstruktives Miteinander von Technologie, moderner Produktion und Gewerbe sowie attraktive Lebensräume.

Der IHK-Präsident ist überzeugt: „Heute werden hier die Weichen gestellt und wir haben eine hervorragende Startposition.“ Notwendig seien jedoch Maßnahmen wie Aus- und Weiterbildung im IT-Umfeld, die Akteure müssten Synergien nutzen und sogenannte Best Practice aus ihren Netzwerken umsetzen. Im Maschinenbau, in der Elektronik habe die Region beste Voraussetzungen „auf Erhalt der Marktführerschaft“.

In gleicher Weise seien Dienstleistung und Handel gefordert. Angebote im IHK-Projekt „Digitalisierung im Einzelhandel“ seien bereits von mehr als 130 Handelsunternehmen angenommen worden. „In weiteren Schritten wird der Fokus auf Einzelhandel und Gastronomie gelegt.“

Innovation im Hinblick auf Industrie 4.0 funktioniert dem IHK-Präsidenten zufolge nicht ohne den Ausbau von schnellen digitalen Verbindungen (Stichwort: Glasfaser). Seine Forderung: Die Erschließung mit Breitband – insbesondere im ländlichen Raum – muss schnell erfolgen.

Bildung

Gesellschaftliche Alterung, fehlende Arbeitsgenerationen und geburtenschwache Jahrgänge verminderten das entscheidende Potenzial „Mensch“. Eine Antwort auf das Problem sei das Schlagwort „Migrationshintergrund“. Thost: „Schulische Bildung, Sprachbildung, berufliche Aus- und Weiterbildung sind der Schlüssel – hier entscheidet sich, ob der vielfach beklagte Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund morgen zu einer erfolgreichen Gesellschaft oder zu einer Gesellschaft unterschiedlicher sozialer Gruppierungen wird.“

Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, ging in seinem Festvortrag auf bekannte Themen ein. Er bemängelte den Entwurf zur Erbschaftsteuer sowie die Rente mit 63 Jahren und er verwies auf den Demografiewandel, der bis 2025 rund 3,5 Millionen Arbeitskräfte fehlen lasse.

Den künstlerischen Teil des Empfangs gestalteten Teilnehmer der Akademie BelCanto bei Rossini in Wildbad sowie Mitglieder des Balletts Pforzheim mit der Choreographie von James Sutherland und Elsa Genova.

Weitere Infos im Internet unter: www.nordschwarzwald.ihk24.de