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Dieter Zetsche als Referent beim Zeitungskongress in Stuttgart. Foto: dpa
Dieter Zetsche als Referent beim Zeitungskongress in Stuttgart. Foto: dpa
20.09.2017

Sorgen um Diesel und Demokratie

Stuttgart. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat das Festhalten der Autoindustrie am umstrittenen Diesel erneut verteidigt – diesmal vor deutschen Zeitungsverlegern. „Fakt ist, es lohnt sich, den modernen Diesel zu verbessern – statt ihn zu verbieten“, sagte der Manager beim Jahreskongress des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Stuttgart. „Wir brauchen den Diesel zur Erreichung unserer CO2-Ziele im Straßenverkehr – und zwar als Gesellschaft. Und wir haben den sauberen Diesel bei uns in Serie.“

Zugleich räumte Zetsche ein, dass Vertrauen in die Branche verloren gegangen sei. Dauerhaftes Ziel sei die emissionsfreie Mobilität. Bis 2022 will Daimler in seinem ganzen Autoangebot jeweils auch eine elektrifizierte Variante von jedem Modell anbieten.

Der Verteidigung des Dieselmotors widersprach zuletzt eine Studie der europäischen Umweltschutzorganisation Transport & Environment. Demnach produzieren Diesel während ihrer gesamten Betriebsdauer spürbar mehr klimaschädliches CO2 als Benziner. Gründe seien höhere Fahrleistungen wegen des günstigeren Kraftstoffs, die energieintensivere Produktion des Dieselkraftstoffs, die aufwendigere Produktion der Dieselmotoren sowie höhere Emissionen des beigemischten Biodiesels. In der Debatte um Gesundheitsrisiken steht der Diesel zudem wegen seines Stickoxidausstoßes (NOx) in der Kritik.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat auf dem Zeitungskongress die Zunahme von Hassbotschaften im Internet verurteilt. „Irgendwann werden aus Worten Taten. Das ist eine historische Erfahrung“, sagte Schulz. Das Internet dürfe kein rechtsfreier Raum und kein Ort der Herabwürdigung werden, mahnte er. Insgesamt, das machte Schulz deutlich, sieht er das Land vor einer „Zeitenwende“. Er äußerte sich mit Blick auf den möglichen ersten Einzug der rechtspopulistischen AfD – der „überzeugten Antidemokraten“, wie er sagte – in den Bundestag.

In seiner Rede ließ der Politiker außerdem durchblicken, dass er manche Verleger als undankbar empfindet: „Viele von Ihnen kommen zu mir und sagen: Du musst uns helfen. Das tue ich dann auch. (...) Dann kämpfe ich und kämpfe ich und bin hinterher immer erstaunt, wie toll Sie das finden und wie intelligent Sie es dann in Ihren Blättern verschweigen.“