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Verspätungen gibt es im Flugverkehr von und nach Katar. Foto: Marquez
Verspätungen gibt es im Flugverkehr von und nach Katar. Foto: Marquez
08.06.2017

Sorgen um Geschäfte mit Katar

Doha/Pforzheim. In den vergangenen Tagen hat das Telefon in Katar häufiger als sonst geklingelt. Aus der Heimat hätten viele Freunde angerufen und sich nach der Lage erkundigt, erzählt der Mitarbeiter einer deutschen Firma, der seit mehr als drei Jahren in der katarischen Hauptstadt Doha lebt und lieber ungenannt bleiben möchte. Seine Antwort fiel immer gleich aus: „Es geht uns gut. Im täglichen Leben läuft alles wie immer.“

Doch die Frage nach der Lage in Katar ist verständlich. Am Montag brachen die Nachbarländer Saudi-Arabien, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) nicht nur alle diplomatischen Kontakte mit dem Emirat ab, sondern schlossen auch die Grenzen und stellten den Flugverkehr ein. Katarische Maschinen dürfen Saudi-Arabien nicht einmal mehr überfliegen. Flüge nach Europa etwa nehmen jetzt die Route über den Iran.

In den Medien tauchten in den vergangenen Tagen Berichte auf, Kataris seien aus Sorge um die weitere Entwicklung in die Supermärkte gestürmt und hätten bei Hamsterkäufen die Regale leergeräumt. Der Mitarbeiter der deutschen Firma kann diese Meldungen nicht bestätigen. „In den ersten zwei Tagen gab es einige Schlangen in den Supermärkten“, sagt er am Telefon. Aber die Regale seien schnell wieder aufgefüllt worden. „Nur die Truhe mit Tiefkühlhähnchen aus Saudi-Arabien war leer“, erzählt er weiter. Auch Frischmilch habe gefehlt, die ebenfalls im benachbarten Königreich hergestellt wird.

Doch der Konflikt zwischen Katar und seinen arabischen Nachbarstaaten betrifft auch deutsche Firmen „Es ist noch unklar, wie es weitergeht – durch die Einstellung von Luft- und Seeverbindungen nach Katar wird es aber auf alle Fälle Einschränkungen geben“, sagte Felix Neugart, Geschäftsführer der Deutsch-Emiratischen Handelskammer in Dubai. Darunter wiederum könnten die Exporte in den Wüstenstaat leiden. 2016 hatten deutsche Firmen den Angaben zufolge Waren im Wert von gut 2,5 Milliarden Euro nach Katar exportiert. Damit steht das Land laut Statistischem Bundesamt auf Platz 52 der Handelspartner der Bundesrepublik. Baden-württembergische Firmen waren daran mit rund 250 Millionen Euro Umsatz – meist für Autos und Maschinen – beteiligt. „18 Unternehmen aus der Region haben 2016 nach Katar exportiert“, weiß Markus Wexel, Geschäftsführer der IHK Nordschwarzwald. „Die Unternehmen aus der Region, die Produkte nach Katar liefern, kommen überwiegend aus den industriellen Bereichen Bau, Medizin und Elektronik.“

Dank seiner großen Öl- und Gasvorkommen gehört Katar zu den reichsten Ländern der Welt. In Deutschland stieg das Emirat im Mai 2014 mit gut zwei Milliarden Euro bei der Deutschen Bank ein und hält als zweitgrößter Aktionär insgesamt 6,1 Prozent der Anteile. Als drittgrößter Hauptaktionär hält der Staatsfonds QIA 15 Prozent der Stammaktien von Volkswagen und hat zwei Sitze im Aufsichtsrat von Europas größtem Autobauer. Trotz der diplomatischen Eskalation zwischen Katar und Saudi-Arabien sind die Preise für Öl und Gas auf den Weltmärkten gestern nicht gestiegen.