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Auch in Zeiten von kaum spürbarer Zinsen bringen Kunden ihr Geld zur Sparkasse. Foto: Stratenschulte
Auch in Zeiten von kaum spürbarer Zinsen bringen Kunden ihr Geld zur Sparkasse. Foto: Stratenschulte
27.07.2016

Sorgen wegen Niedrigzinsen: Sparkassen geht es dennoch gut

Stuttgart. Trotz der historisch niedrigen Zinsen werden die Sparkassen ihr erfolgreiches Geschäftsmodell nicht ändern. Das hat Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, am Dienstag bei der Vorlage der Halbjahreszahlen in der Landeshauptstadt deutlich gemacht. Den 52 Sparkassen im Land – darunter als größtes Institut die Sparkasse Pforzheim Calw – geht es insgesamt noch gut, versicherte Schneider. Die Bilanzsumme stieg auf 180 Milliarden Euro (plus 1,8 Prozent).

Doch die Banker blickten in der Vorstandsetage der LBBW am Stuttgarter Hauptbahnhof eher finster drein, denn die Perspektiven sind nicht gerade rosig. Früher brachten Kunden ihr Erspartes zur Sparkasse, um dafür zwei oder drei Prozent Zinsen zu kassieren. Das Geld gaben die Banker dann für sieben Prozent an solide Kreditnehmer weiter. Das war jahrzehntelang ein gutes Geschäft – doch seit der EZB-Politik des billigen Geldes ist damit Schluss.

Vergangenes Jahr hatten die baden-württembergischen Geldinstitute noch einen Zinsüberschuss von rund 3,4 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Zinsüberschuss werde in diesem Jahr sinken. „Wenn das Zinsniveau noch zehn Jahre so tief bleibt, bleibt kein Stein auf dem anderen“, warnt Schneider vor dramatischen Folgen für das Bankensystem. Dazu kommen immer neue gesetzliche Auflagen. Aktuelles Beispiel: die Wohnimmobilienkredit-Richtlinie. Im zweiten Quartal 2016 seien dadurch die Zusagen für Immobilienkredite im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro gesunken, teilte der Sparkassenverband mit. Grund sei besagte EU-Richtlinie, die erhebliche Bürokratielasten mit sich bringe. „Hier wurde ein Bereich mit neuen Regeln überzogen, bei dem es bisher noch gar keine Probleme gab“, so Schneider. Die Richtlinie bringe drei große Nachteile:

Der Entscheidungsspielraum der Sparkasse werde bei der Kreditvergabe unnötig eingeschränkt. Besonders schwierig werde es für Rentner, die ihre Immobilie altersgerecht umbauen wollen. Die statistische Lebenserwartung muss bei der Kreditvergabe viel stärker gewichtet werden. Junge Familien müssten nachweisen, dass sie über die gesamte Laufzeit jederzeit den Kapitaldienst (Zins und Tilgung) erbringen können.

Wie bei der Wertpapierberatung muss jetzt auch Immobilienkunden zur Dokumentation ein großer Papierstapel mitgegeben werden. Bei einem Ehepaar, das sich für eine Immobilie interessiert, ist alles doppelt auszudrucken.

Es werde neue Unsicherheit gesät, weil viele Rechtsbegriffe verwendet würden, die in der Wohnimmobilienkredit-Richtlinie nicht klar beschrieben seien. Dies werde zwangsläufig zu juristischem Zwist führen, befürchtet Schneider.