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Immer weniger Kunden nutzen die Filialen der Sparkassen.  Stratenschulte
Immer weniger Kunden nutzen die Filialen der Sparkassen. Stratenschulte
16.03.2016

Sparkassen müssen sparen

Frankfurt. Zinstief, teure Regulierung, schlecht ausgelastete Filialen – Deutschlands Sparkassen haben mit vielen Herausforderungen zu kämpfen. Von „Schicksalstagen für die Sparkassen“ schrieb zuletzt das „Handelsblatt“. Gestern legte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) die Bilanz für 2015 vor.

Wie wirkt sich die Niedrigzinsphase aus?

Sparkassen verdienten lange gut daran, für Kredite mehr Geld zu kassieren als sie ihren Kunden an Zinsen fürs Sparen zahlten. Doch die Differenz aus den beiden Positionen, der Zinsüberschuss, wird tendenziell kleiner, weil die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf null gesenkt hat. Noch ist die Ertragslage der kleineren und mittelgroßen Institute und damit auch der Sparkassen solide. Nach DSGV-Zahlen konnten die Institute sinkende Zinsüberschüsse 2015 durch höhere Provisionen ausgleichen. Doch EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch mahnt: „Angesichts geringer Zinsmargen gehören die traditionellen Geschäftsmodelle auf den Prüfstand.“ Die kleineren und regionalen Institute hätten ihre Geschäftsmodelle in den vergangenen 50 Jahren „praktisch gar nicht angepasst“, urteilte der Notenbanker.

Ist der sinkende Zinsüberschuss das einzige Problem in der Bilanz?

Sorge bereitet den Instituten zudem, dass immer mehr Kunden Gelder kurzfristig parken – während bei Krediten möglichst lange Laufzeiten gefragt sind. Von den bundesweit 861,5 Milliarden Euro Kundengeldern bei Sparkassen Ende 2015 waren 57 Prozent Sichteinlagen. Bei den Sparkassen in Hessen und Thüringen machen täglich fällige Gelder gar fast zwei Drittel der Kundengelder aus. „Das ist natürlich auch ein operationelles Risiko“, warnte der geschäftsführende Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke. Denn bei steigenden Zinsen könnten Kunden ihre Einlagen rasch abziehen.

Niedrige Zinsen und viel Bürokratie setzen den Sparkassen zu. Wie gehen die Institute mit Strafzinsen der EZB um?

Die EZB verlangt von Banken Strafzinsen, wenn sie Geld über Nacht bei der Notenbank parken. Das soll die Institute zu mehr Krediten drängen und das Wachstum ankurbeln. Einige bayerische Sparkassen rechneten bereits durch, ob es nicht günstiger wäre, Geld im eigenen Tresor liegen zu lassen. Allerdings kämen auf die Häuser dann zum Beispiel Kosten für Sicherheitsvorkehrungen zu. Strafzinsen an Privatkunden weiterreichen – das wollen die Sparkassen tunlichst vermeiden. Bei institutionellen Investoren wie Versicherungen und Pensionsfonds aber müsse „die Parkgebühr mitbezahlt werden, das können wir nicht drauflegen“, sagt Grandke. DSGV-Präsident Georg Fahrenschon rechnet damit, dass Sparkassen sich dem Marktdruck bei gewerblichen Kunden nicht entziehen können: „Über die Einführung und Staffelung von Verwahrentgelten entscheiden die einzelnen Sparkassen.“ Ihm seien bereits 60 bis 70 Konzepte bekannt.

Was wird aus dem teuren Filialnetz?

„Es wird niemand eine Filiale an Orten aufrechterhalten können, die alle Bereiche anbietet, wenn am Tag nur zehn Kunden kommen“ – was der Präsident des Genossenschaftsverbandes, Michael Bockelmann, für die Volks- und Raiffeisenbanken feststellt, gilt gleichermaßen für die Sparkassen. Auch in Bayern werden viele Sparkassen-Kunden künftig weitere Wege auf sich nehmen müssen: Von den 2200 Geschäftsstellen sollen in diesem Jahr bis zu 220 geschlossen werden. Inzwischen komme ein Kunde im Schnitt nur einmal pro Jahr in eine Filiale, nehme aber 108 Mal jährlich online Kontakt auf. Nach DSGVZahlen unterhalten die bundesweit 409 Sparkassen 14 451 Filialen – inklusive Selbstbedienungspunkten.