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Vorstandsmitglieder der Sparkasse Pforzheim Calw beim Sparkassentag (von links): Dr. Georg Stickel, Stephan Scholl (Vorsitzender) und Sieghardt Bucher. Foto: Löffler
Vorstandsmitglieder der Sparkasse Pforzheim Calw beim Sparkassentag (von links): Dr. Georg Stickel, Stephan Scholl (Vorsitzender) und Sieghardt Bucher. Foto: Löffler
14.06.2018

Sparkassenverbände gegen Vergemeinschaftung von EU-Bankenrisiken

Offenburg. Die Sparkassen führen vom kommenden Monat an die Überweisung in Echtzeit ein. Das kündigte Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, beim Sparkassentag 2018 in Offenburg an.

Zu der alle drei Jahre stattfindenden Veranstaltung kamen rund 1200 Gäste aus den 51 öffentlich-rechtlichen Geldinstituten Baden-Württembergs in die Oberrheinhalle – darunter auch der Vorstand der Sparkasse Pforzheim Calw als größtes dieser Institute im Land.

1200 Gäste beim Sparkassentag 2018

Schleweis sagte zur Echtzeit-Überweisung: „Zwischen Lieferung und Zahlung liegen dann nur noch wenige Sekunden.“ Auch das Bezahlen mit dem Smartphone an der Ladenkasse stehe kurz bevor. „Das kontaktlose Bezahlen wird damit noch einfacher.“ Sind dies erste Schritte zur Abschaffung des Bargeldes? Nein, sagte Schleweis: „Aber wir müssen eine große Anzahl von Möglichkeiten anbieten, damit der Kunde immer diejenige nehmen kann, die er möchte. Der technische Wandel ist nach Ansicht von Stephan Scholl sowohl Herausforderung als auch Chance. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Pforzheim Calw führte im Gespräch unter anderem die Weiterentwicklung der Sparkassen-App und die Ergänzung von Zusatzfunktionen wie der Fotoüberweisung an. Mit dem System „Kwitt“ hätten die Sparkassen den erfolgreichsten Dienst für das Handy-zu-Handy-Bezahlen am deutschen Markt etabliert – damit sei „Geld überweisen so einfach wie eine SMS senden“.

„Die Zukunft Europas“ lautete die Überschrift der Veranstaltung. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte mit Blick auf den Brexit und mehrere gewählte europakritische Regierungen: „Das Europa heute ist nicht mehr das Europa von 2012.“ Tiefe Sorgenfalten gibt es dazu bei Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg. Die Trump-Politik und der Handelskrieg mit den USA seien für den stark im Südwesten angesiedelten Automobilsektor eine große Gefahr. Außerdem kritisierte Schneider geplante Regulierungsvorhaben auf EU-Ebene.

Die Verbände lehnen demnach „eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung in Europa entschieden ab. Solange die Risiken so unterschiedlich in den Banksystemen ausfallen, sind wir im Interesse unserer Sparerinnen und Sparer nicht bereit, über irgendeine Haftungsübernahme überhaupt nur zu reden“, sagte der Präsident. Volle Unterstützung dieser Position gab es aus dem Pforzheimer Sparkassen-Turm: „Wir finden, dass man Risiko und Haftungsverantwortung nicht voneinander trennen darf. Unsere Sparer sollten mit ihren Sicherungsmitteln nicht für unkalkulierbare Risiken europaweit haften“, machte Vorstandschef Scholl deutlich.

Unterdessen sagte Peter Schneider zum Thema Italien: „Die Alarmglocken sind lauter geworden.“ Die neue Regierung des drittgrößten Mitgliedsstaats der europäischen Währungsunion wolle Reformen und Sparmaßnahmen zurückdrehen, sie wolle mehr ausgeben und vor allem Schulden nicht mehr zurückbezahlen. „Das Ganze hat enorme Auswirkungen auf die Kapital- und Finanzmärkte.“ Als positives Beispiel führte Gastredner Professor Volker Wieland – einer der sogenannten Wirtschaftsweisen – die Lage in Spanien an. Dort hätten Reformen für eine deutliche Verbesserung der Wirtschaft gesorgt. Italien müsse ebenso aus eigener Kraft seine Lage verbessern.

Zum Start der Veranstaltung wurde ein Video gezeigt, in dem Mitarbeiter der Sparkasse Pforzheim Calw von einer ganz anderen Seite gezeigt wurden: Sie glänzten als Big-Band glänzten sie mit ihren musikalischen Talenten.